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Heja Safari

| Posted in Tanzania |

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Wir planen eine Safari.

Im Planen sind M, Di und ich ein gutes Team. Di hat die Kontakte (z.B. einen Xing-Freund namens Kiliman-Rudi), M überwacht das Budget und ist schnell im Rechnen, und ich bewahre die Ruhe, wenn uns wieder ein Schlepper in einen dubiosen Souvenirladen locken möchte, wo (Geheimtipp!) die billigste, beste und schönste Safari angeboten wird. Wir erhalten schließlich einen Tipp für Kessy Brothers in der High Street.

Das Büro von Kessy Brothers liegt in einem Multifunktionshaus. Man muss durch ein ziemlich karg eingerichtetes Restaurant, vor dessen Panoramafenster abends Zanzibar-Pizza und Fleischspieße brutzeln; vorbei an einer Hotelrezeption in einen langen Gang; an einem Lagerraum voll Zelte, Schlafmatten und Klappmöbeln vorbei; und kurz vor dem Frisör links abbiegen. Dann steht man in einem Raum mit mehreren Schreibtischen, an denen die Angestellten, die gerade nicht auf Tour sind, im Internet surfen. Herr Kessy bietet uns zu unserer 4-Tage-Safari durch Lake Manyara, Ngorongoro-Krater und Serengeti auch noch eine kostenlose Nacht in seinem Hotel an, na also. Er bekommt den Zuschlag und 560$ pro Nase. Wir verfallen in hektisches Währungen-Umrechnen und ATM-Plündern.

Tag 1

Am nächsten Morgen um 5 Uhr hilft uns der Haus-Massai Asmani, unser Gepäck auf den Landrover zu hieven. Es sind dabei:
- Hilary, der Reiseleiter und Fahrer;
- Deo, der Koch;
- Dimitrj (Name geändert), der slowenische Weltreisende, der normalerweise nichts Touristisches macht;
- M, Di und ich.

Nach kurzer Kaffeepause in Arusha (eine Stadt, die verpasst zu haben keine Sünde scheint) fahren wir in das beschauliche Örtchen Mto wa Mbu (was soviel heißt wie Fluss mit vielen Moskitos) und ziehen für diese Nacht in ein Guesthouse mit Garten, wo Deo gleich anfängt, das Mittagessen zu kredenzen. Für die Wartezeit gibt es Popcorn und Kekse. Danach Reis, Gemüsesoße und gegrilltes Hähnchen. Dimitrj kennt das alles schon, denn er kommt gerade von einer Kilimanjaro-Besteigung, die verpflegungsmäßig wohl ganz ähnlich ausgestattet ist.

Das erste Tier

Das allererste Tier ist ein Storch. Auf dem Weg zum Nationalpark „Lake Manyara“ passieren wir Bäume, die durch das Nisten hunderter Störche weiß getüncht sind. Das andere allererste Tier ist ein Affe (Blue Monkey), der in Scharen die Tourismus-Info am Eingang des Parks unsicher macht.

Das erste Tier ist eine Giraffe. Oh! Wir bewundern sie, als hätten wir noch nie eine Giraffe gesehen. Dieses Muster, diese Augen, dieser Gang. In Tanzania stehen Giraffen ja für Schönheit. Dimitrj macht mal ein Bild.

Das nächste Tier ist ein Elefant. Steht da einfach so im Wald! Der Elefant nimmt ein Staubbad, er kratzt mit den Füßen den trockenen sandigen Boden etwas auf, nimmt eine Portion in den Rüssel und pustet es sich über. Er ist nicht allein. Nach und nach taucht ein Elefant nach dem anderen aus dem Dickicht auf, passiert den Weg, macht Station beim Staubbad und verschwindet dann wieder im Wald. Auch ein kleines ist dabei, das sich erst nicht so recht traut. Elefanten können sich eigentlich nicht besonders gut im Unterholz verstecken, aber trotzdem sieht man sie erst kurz bevor sie da sind. Man hört sie aber am Knacken der Äste. Plötzlich knacken die Äste lauter als zuvor, und zu unserem Staunen kommt ein riesiger Elefant zum Vorschein, offenbar die Leitkuh. Sie bleibt vor unserem Auto stehen und schaut uns an, wie wir so auf Elefanten-Augenhöhe aus dem Auto gaffen. Sie hebt den Rüssel und gibt uns zu verstehen, dass wir uns anständig verhalten sollen. Im Geiste versprechen wir lieb zu sein. Der Elefant wendet sich ab und geht zum Staubbad. Mist – wir waren so eingeschüchtert, dass keiner sich traute, den Auslöser zu drücken. Nur Diana hat alles gefilmt.

Das Gebiet des Lake Manyara Nationalparks ist auf der einen Seite durch die Ufer des gleichnamigen Sees und auf der anderen Seite durch die hohen Klippen des afrikanischen Grabenbruchs auf natürliche Art begrenzt. Der Park ist im Vergleich zu Serengeti & Co. winzig, aber sehr vielfältig und landschaftlich schön. Riesige Baobabs strecken ihre wurzelartigen Äste in den Himmel. Der See hat selbst keinen Zugang, denn es geht ihm ein großes sumpfiges Gebiet voraus, wo Nilpferde, Pelikane und Flamingos leben. M packt das Teleobjektiv aus.

Tag 2

Wir tauchen in eine Wolke ein, die am Kraterrand des Ngorongoro hängt. Wolken scheinen hier keine Seltenheit zu sein. Die Bäume in der geisterhaft vernebelten Landschaft haben lange Moosbärte. Wir arbeiten uns hinauf auf den Kraterrand und können ab und zu einen Blick auf das Kraterinnere stehlen, das wir heute nicht besichtigen werden. Wir fahren weiter durch die Ngorongoro Conservation Area, die an die Serengeti anschließt.
In der Ngorongoro Conservation Area leben Wildtiere zusammen mit den Kühen und Ziegen der Massai. Ab und zu passieren wir ein Massai-Dorf, das aus kleinen Lehmhütten besteht, eingezäunt von dornigem Gebüsch. Manchmal steht vor dem Massai-Dorf ein Jeep. Dann sind die Touristen zu Gast, und es wird ein Hüpf-Tanz aufgeführt.

Den Wald haben wir schon lange hinter uns gelassen. Das Land ist trocken, staubig und zusehends flach. Die rote Erde ist blass geworden.

Bald stehen wir vor dem Tor zur Serengeti, bald fahren wir durch, und bald sehen wir – Nichts. Und zwar nichts, soweit das Auge reicht. Schlagartig fällt mir ein, warum Serengeti „das endlose Land“ heißt.
Bei näherem Hinsehen entpuppt das Nichts sich als Grasland. Bei noch näherem Hinsehen liegen drei Löwen darin und hecheln in der Hitze. Nur wenige Meter abseits der Straße liegen die Überreste eines Zebras. Wir zücken die Kameras. Dimitrj glaubt nicht an einen Zufall. Das Zebra habe man absichtlich dort abgelegt, damit die Löwen sich zur Touristenfreude in der Nähe der Straße aufhalten.

Bei einer Antilope, die fotogen auf einem kleinen Erdhügel steht, witzeln wir, dass sie bestimmt dort angebunden wurde. Nun – scheu sind die Tiere hier wirklich nicht. Deutsche Wald- und Wiesenbewohner halten sich wesentlich mehr zurück als ein Dikdik, ein Pumba-Schweinchen oder ein Schakal, die alle vollkommen entspannt ihrer Wege gehen. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass von unseren Autos keinerlei Gefahr ausgeht. Im Gegensatz zu deutschen Spaziergängern mit jagdfreudigem Hund an der Leine (und ggf. sogar mit einem Jagdgewehr).

Die Serengeti ist Schauplatz der großen Wanderung. Etwa zwei Millionen Tiere, hauptsächlich Gnus und Zebras, wandern im Mai auf unbürokratische Art und ganz ohne Visum (dank der East African Community (EAC)) nach Kenia aus und im Oktober wieder nach Tanzania ein. Als wir die Serengeti besuchen, herrscht aus diesem Grund Gnumangel. Das Gras ist vertrocknet. An manchen Stellen beginnt jedoch neues Grün zu sprießen, das in der kommenden kleinen Regenzeit die Tiere wieder in diese Gegend locken wird.

Gegen Abend treffen wir im Seronera Camp im Zentrum der Serengeti ein. Wir bauen unser Zelt auf und finden uns dann in einer Art Affenkäfig zum Abendessen ein. Auch die Küche, in der die Safari-Köche sich jetzt ein Kochduell liefern, ist vergittert. Ansonsten ist das Camp offen. Es gibt wirklich keinen Zaun. Haben wir nicht vorhin noch einen Löwen gesehen? Wahnsinn! Deo, der Koch, beruhigt uns, er behauptet, die Löwen mieden das Camp, weil es nach Menschen riecht. Einzig die Büffel könnten uns hier gefährlich werden. Ich mache mir keine großen Sorgen. Aber einige Safaristen sind ängstlich geworden und trauen sich nicht mehr alleine aufs Klo.
Ich denke darüber nach, wie wenig wir über Tiere wissen und wie sehr dieses Unwissen unsere unverhältnismäßige Angst vor ihnen fördert. Als ob ein zufällig vorbeischlendernder Löwe gezielt die Leute aus den Zelten holen und töten würde. Vermutlich würde von einer vielbefahrenen Straße mehr Gefahr ausgehen als von diesem Ort.

Die Thomson-Antilopen zum Beispiel, die als Beutetiere zu Recht ängstlich sein könnten, rennen nicht kopflos umher, wenn sie einen Löwen sehen. Sie grasen ganz normal weiter und verkneifen sich auch nicht das Klo. Sie achten lediglich darauf, einen Sicherheitsabstand einzuhalten.

Tag 3

Die Weite der Serengeti, das Wechselspiel von Sonne und Wolken, Grasschattierungen und einzelnen Bäumen, ist ein Erlebnis für sich. Dimitrj findet es bloß öd.

Unser Jeep brettert inzwischen wieder durch die Conservation Area zum Ngorongoro Kraterrand.

Deo macht uns darauf aufmerksam, dass die Nacht auf dem Kraterrand sehr kalt werden wird, und schlägt vor, einen Vorrat an Konyagi anzulegen, einem lokalen Gin. Tatsächlich liegt das Camp Simba in luftiger Höhe. Man kann von hier aus in den Krater sehen, wenn Wolken und Gestrüpp es zulassen. Die Sonne scheint warm. Auf der weitläufigen Wiese grasen ein paar Zebras. Einige Massai stehen umher, und wollen uns Ketten verkaufen. Sie fragen uns, ob wir den Elefant sehen wollen.

Der Elefant kommt durch den Wald herauf und schaut sich zunächst auf der kleinen Müllhalde um, die sich hinter dem Küchenkäfig angesammelt hat. Dann rückt er weiter vor bis zu dem Wasserreservoir, wo er ein paar Rüssel voll nimmt. Er weiß genau, wie er den Rüssel oben in die Öffnung stecken muss, um an das erfrischende Nass zu kommen. Touristen stehen mit offenem Mund staunend umher, aber manche posieren in unmittelbarer Nähe des Elefanten und lassen somit ihren Wagemut fotografisch dokumentieren.

Tag 4

Hilary treibt uns um 5 Uhr morgens in den Landrover, denn im Krater zahlt es sich aus, zu den ersten zu gehören. Heute fahren wir nämlich endlich rein, in den berühmten Ngorongoro-Krater, das Überbleibsel eines eingebrochenen Vulkans.

Das Licht der aufgehenden Sonne strahlt auf einen See im Zentrum des Kraters. Den kühlen Wind um die Nase, die Natur vor der Linse, daran könnte ich mich gewöhnen.

Hier gelingt es uns, die Big 5 vollzumachen. Löwe, Leopard, Elefant und Büffel hatten wir in der Serengeti schon abgefrühstückt. Jetzt zeigen sich, allerdings in der Ferne und nur mit Fernglas zu erkennten, zwei Spitzmaulnashörner, die hier noch in einer bescheidenen Population von etwa 20 Stück überlebt haben.
Dimitrj kann das nicht begeistern. Er schwärmt jetzt von einem Safari-Zoo in Indien, wo einem die Giraffen das am Eingang gekaufte Futter aus der Hand fressen. Manchem kann man es eben nie recht machen.

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In Afrika ticken die Uhren anders

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Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn wenn es in Tanzania 7 Uhr ist, dann sagt der Afrikaner 1 Uhr. Denn er verwendet die Greenwich Mean Time. Und das afrikanische Greenwich liegt in Ghana.

Afrika steckt also voller Überraschungen. Zum Beispiel Äthiopien. Ein Land, über das ich ein Bild hatte, ohne mich je informiert zu haben. Das Bild ist geprägt von Hungersnot und Dürre. Über Hunger wurde nämlich in meiner Kindheit im Fernsehen berichtet (ich muss etwa 6 gewesen sein), und seitdem kam keine neue Berichterstattung hinzu. Jetzt schaute ich beim Landeanflug auf Addis Abeba aus dem Fenster und stellte fest, Äthiopien ist grün! Auch der Flughafen von Addis Abeba ist angenehm, modern und voller Äthiopier, die mit einer Mischung aus afrikanischen und arabischen Zügen ausgesprochen gut aussehen.

Und dann, Tanzania. Schwarz-Afrika. Werden wir sofort beklaut werden, wenn wir ankommen? Wird uns gleich eine Tsetse-Fliege die Schlafkrankheit verpassen? Wird uns der Taxifahrer in eine zwielichtige Township bringen, wo die Polizei niemals vorbeikommt, um uns bis auf die Unterhose zu erleichtern?

Nein. Am Kilimanjaro-Flughafen im Norden von Tanzania ist in etwa so viel los wie am Flughafen von Zweibrücken in der Pfalz, nur dass auf dem Parkplatz mehr Offroader stehen und es keinen Germanwings Schalter gibt. Die einzige kriminelle Handlung, die zu beobachten ist, besteht in einer Taxifahrer-Preisabsprache ($50 für die Fahrt nach Moshi) in Kombination mit der Lüge, es gebe keinen Bus (der steht weiter hinten auf dem Parkplatz).

Von Moshi aus kann man den Kilimanjaro sehen, aber nur am frühen Morgen und manchmal am Nachmittag, wenn sich die Wolken verziehen. Jeder fragt uns, ob wir den Kilimanjaro, den höchsten Berg Afrikas, bestiegen haben oder besteigen wollen, aber wir wollen nicht. Die Tour dauert 5-7 Tage und der letzte Abschnitt davon fällt in die Kategorie Augen zu und durch, denn weil man auf 6000m Höhe unweigerlich Kopfweh und Höhenkrankheit bekommt und keine Akklimatisierung vorgesehen ist, will man es einfach nur hinter sich bringen, und schnell wieder runter. Dies und die Tatsache, dass der Spaß etwa $1000 kostet, bestätigt uns darin, lieber unten zu bleiben. Wir geben ja schon genug Geld aus für unsere Safari (Bericht folgt).

Moshi ist ein kleines Städtchen, das außer dem Bergsteiger-Tourismus hauptsächlich als Marktplatz für die Dörfer aus dem Umland dient. Die Frauen verkaufen aufgetürmte Orangen, Tomaten und Avocados, die Maasai verkaufen Heilmittelchen in Schraubdosen und die Schneider sitzen dicht an dicht an ihren Nähmaschinen und nähen Anzüge, Röcke und Blusen, was das Zeug hält.

Was haben wir also in den ersten Tagen in Tanzania gelernt?
- Es gibt abends keine Straßenbeleuchtung in Moshi, und wenn man von den Scheinwerfern entgegenkommender Autos zusätzlich geblendet wird, kann man leicht in ein Kanalloch fallen.
- Vor dem ATM steht ein Wachmann mit einem Gewehr
- In Moshi haben die Missionare ganze Arbeit geleistet. Die meisten Einwohner sind christlich und gehen sonntags in die Kirche (siehe Fotostrecke).
- Zum Essen gibt es Fleisch. Zum Beispiel gegrillte Ziege, gegrilltes Hähnchen mit Pommes (Kuku Chipsi) oder Ziegeneintopf
- Will man kein Fleisch, dann gibt es Ugali (Maispampe) mit Bohnen und grünem Gemüse oder Reis mit Bohnen und grünem Gemüse
- Es gibt auch Martabak, aber hier heißt es Sansibar-Pizza
- Die erste Kommunikation in Kisuaheli führen:
Karibu – Asante.
Mambo? Poa.
Habari? Salama.
Undsoweiter. Damit ist nichts gesagt, aber schon viel gewonnen.

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Der Berg ruft

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Langsam nähern wir uns dem vorerst letzten Ziel der Reise… Jakarta. Aber vorerst haben wir noch einen hübschen Vulkan in Ostjava abgefrühstückt… den Berg Bromo.

Einige Impressionen…

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Berge, Büffel, Bestattungswahn – Abenteuer in Tanah Toraja

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Der Litha Bus fährt in irgendeiner Station in den östlichen Vorstädten von Makassar ab. Diana ist nicht dabei, weil sie einem anderen Ruf nach Bali gefolgt ist. Eike, ein Deutscher, den wir gerade im Guesthouse kennengelernt haben, wurde einem anderen Bus zugeteilt. So befinde ich mich, nicht zum ersten Mal auf dieser Reise, in rein-indonesischer Gesellschaft. Was nach Bali-Exzessen durchaus angenehm, aber komisch ist. Hat der Lonely Planet Tanah Toraja nicht als DAS Touristenziel auf Sulawesi ausgerufen? Und habe ich nicht den (ebenfalls im Lonely Planet vorgeschlagenen) VIP Bus genommen, der so viel Platz zwischen den Sitzreihen bietet, dass ein durchschnittlicher Indonesier (ich aber nicht) die Beine waagerecht ausstrecken kann? Touristen, kommt nach Sulawesi! Es ist toll und das Land kann noch ein paar von uns vertragen.

Mein Sitznachbar hört auf den biblischen Namen Salomon und kommt aus Flores. Er lebt in Kendari und arbeitet in einer Nickelfabrik dort. Für ihn ist Tanah Toraja nur Umsteigestation, aber natürlich hat auch er die Wunder dieses Lands geschaut. Die Beweise hält er auf seinem Handy in Form von Fotomaterial parat. Salomon mit Büffel, Salomon vor traditionellem Haus, Salomon mit Schädeln.

So bin ich ausreichend vorbereitet, als der Bus sich im ersten Tageslicht die Serpentinen nach Rantepao hinaufschraubt, an den ersten Häusern vorbei mit diesen Dächern, die wie Schiffe? wie Zelte? aussehen. Bewahrt man dort die Toten auf? Nein, sagt Salomon. Da bewahrt man Reis auf.

Eike und ich wandern nach Londa.

Wir flüchten vor Pauschaltouren und nehmen stattdessen ein Bemo nach Makale, der Provinzhauptstadt, steigen aber vorher aus, dort wo die Karte anzeigt, dass ein Fußweg nach Lemo und Londa beginnt. Die Orte sind mit Sternchen versehen, weil es dort die für die Toraja so typischen Felsengräber (Höhlen oder in den Fels geschlagene Alkoven, in denen die Toten bestattet werden) gibt. Die Toraja glauben, dass man materielle Dinge auf der letzten Reise mitnehmen kann und statten ihre Verwandten daher mit nützlichen, teils auch wertvollen Dingen aus. Deshalb musste man sich vor Grabräubern schützen und suchte immer unzugänglichere Plätze tief in Höhlen oder hoch oben in der Felswand. In den Höhlen, die wir besuchen, treffen wir auf einen Toten, der offenbar gern raucht, und deshalb eine Schale voller Zigarettenkippen vor sich stehen hat. Einem anderen hat man zahlreiche Zeitschriften, ein Telefonbuch und einen Ventilator mitgegeben. (Hier stellt sich die Frage, ob im Totenreich elektrische Geräte auch ohne Stromanschluss funktionieren). Über dem Eingang zur Höhle ist ein Balkon in den Fels gehauen, wo die Tau Taus der Toten (hölzerne „Wachsfiguren“ der Verblichenen) nun gemütlich sitzen und die Welt betrachten.

Ich gehe zum Begräbnis.
Mein Guesthouse-Wirt Darma fährt mich mit dem Moped hin. Die Beerdigung, die nichts mit Erde zu tun hat, ist eigentlich eine große Zeremonie, zu der je nach Ausmaß mehrere hunderte bis tausende Besucher kommen. Schon auf dem Weg zum Veranstaltungsort stauen sich Mopeds und Lastwagen, Ladeflächen vollgepackt mit schwarz gekleideten, doch fröhlichen Besuchern und unzufriedenen Schweinen. Die Zeremonie findet auf der „grünen Wiese“ statt, wo eigens temporäre Gebäude errichtet wurden. Sie dauert fünf Tage und beinhaltet so interessante Programmpunkte wie traditioneller Tanz, Büffelkampf, kalt-warmes Büffet, Schlachtung von mindestens 25 Büffeln und zahlreichen Schweinen mit anschließender Fleisch-Tombola. Unser Gastgeber war ein angesehener Lehrer und sein Tau Tau sitzt zusammen mit der Familie im zentralen Haus. Die Familie sieht nicht übermäßig traurig aus, aber der Lehrer ist auch schon seit über einem Jahr tot.

Wir beobachten die Ankunft der Gäste.

Sie kommen in Gruppen und werden über Mikrofon angesagt: „Es kommt die Gruppe von Herrn Sowieso aus Makassar und sie bringen x Schweine“. Die Gäste bringen ihre Schweine und andere Geschenke. Die Schweine sind auf Bambusstangen gebunden, so manchem sind Rüssel und Füße gebunden. Zusätzlich zu ihrer Freiheit nun auch ihrer Meinungsfreiheit beraubt. Ein dickes Schwein, sagt Darma, kann schon mal 4,5 Mio. Rp. (450 EUR) kosten. Ein stattlicher Büffel gut und gerne 25 Mio. (2500 EUR). Die Albino-Büffel mit weißen Flecken und hellen Augen sind besonders begehrt und können bis 100 Mio. Rp. (10 000 EUR) wert sein.

Ich sehe eine Büffel-Exekution.

Ich hatte mich schon die ganze Zeit gefragt, was die Büffel sich eigentlich denken, wenn sie da herumstehen, am Gras knabbern und zuschauen, wie ihre Kollegen fachmännisch zerlegt werden. Ahnen sie nicht, dass sie als nächstes dran sind? Scheinbar bringen sie diese Transferleistung nicht. Ein schöner grauer Büffel schnuffelt unschuldig am blutigen Boden, während er sich willig zu dem Schicksals-Baum führen lässt. Dort wird er mit dem Fuß angebunden. Einer der Schlächter hält ihm den Kopf hoch und greift an seinen Hosenbund, zieht das große Messer und – zack – setzt ihm mit Schwung einen Hieb in den Hals. Der Büffel erschrickt, hopst zweimal und fällt ohne Kommentar.

Die eigentliche Beerdigung (heutzutage werden auch Bestattungen in der Erde vorgenommen) findet nach der Zeremonie statt. Dabei ist ein Pastor anwesend, wie es sich gehört. Die Missionare haben in Tanah Toraja ganze Arbeit geleistet. 95 % der Bevölkerung sind Katholiken, was sie aber nicht dazu bewegt hat, ihren Totenkult zu überdenken.

Ich mache eine Wanderung durch die Berge.

Hinauf, hinauf, mit einem Ojek nach Batutumonga, unterwegs Panorama-Ansichten über Täler, Dörfer, Reisterrassen. Tanah Toraja ist für diese Landschaft berühmt, die wunderschön ist, wenn auch Kulturlandschaft. Geprägt vom Reisanbau, dazu Kaffee, Kakao, Obstbäume. Ich laufe zu Fuß weiter. Ich möchte dahin, wo keine Menschen sind. Das erweist sich als unmöglich. Wer baut Wege dahin wo keine Menschen sind? Zumindest komme ich in eine Gegend, wo nicht sehr viele Menschen sind. Alle paar hundert Meter ein Haus, manchmal 3 oder 4 Häuser dichter zusammen, das ist dann ein Dorf. In jedem Dorf werde ich begrüßt und gefragt, wohin? Nach Pangala, sage ich, weil das der nächstgrößere Ort ist. Ganz allein? Nimmt dich keiner mit?, fragen die Leute, mitleidig. Nein, ich laufe zu Fuß, renitent. Sollen wir dich nicht mit dem Moped fahren? Es ist doch noch so weit! Nein danke. Seufz.

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Das Traumschiff

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Ich stehe am Hafen von Makassar auf einer überdachten Terrasse und warte auf die Ankunft der Tilongkabila, einem Passagierliner der Pelni-Flotte, der im 2-Wochen-Takt die Strecke Benoa (Bali) – Bitung (Nord-Sulawesi) bedient. Draußen schüttet es gerade aus Eimern, was für die Jahreszeit ungewöhnlich ist, denn wir sind in der Trockenzeit (man munkelt etwas von Klimawandel). Da ich die einzige „Weiße“ weit und breit bin, stehen etwa 15 Leute um mich herum, und einige sprechen mit mir. Woher, wohin, warum. (Woher: aus Bali. Wohin: nach Manado. Warum nicht mit dem Flugzeug: weil.) Ich erwähne, dass meine Freundin früher losgefahren und bereits auf dem Schiff ist, dass ich sie hier treffen möchte, und nun halten 15 Leute Ausschau nach Diana. Schließlich mit Erfolg.

Diana ist froh, einen Landgang machen zu können, denn während der 2-tägigen Überfahrt von Bali nach Makassar hatte sie sich praktisch nicht bewegen können, weil das für 1000 Personen ausgelegte Schiff zeitweise mit 2000 Leuten „leicht“ überfüllt war. Glücklicherweise jedoch hat sie sich gleich mit der Crew angefreundet und bewohnt nun die Kabine des 1. Ingenieurs, während mir bei meiner Ankunft das Schlafzimmer des Chefingenieurs zugeteilt wird. Der Chefingenieur heißt Paulus (er ist Christ und kommt aus Yogyakarta). Er sieht in seiner Latzhose wie ein dicker Teddybär aus. Paulus hat mir seine Schlafkabine überlassen im Austausch für tägliche Englisch-Konversation. Mit brennendem Interesse lauscht er meinen Erzählungen aus Deutschland und fragt mich über alles Mögliche aus, vom Wetter über das Sozialsystem bis zur Funktionsweise unserer Heizungen. Er hofft, dass er bald einmal für seine Firma nach Deutschland fahren kann und findet es etwas schade, dass ich nichts über Papenburg an der Ems berichten kann, dem Ort wo die Tilongkabila gebaut wurde.

Ich bin erkältet und verbringe den ersten Tag schlafend und schniefend im Bett. Am zweiten Tag traue ich mich raus. Alle schauen mich neugierig an. Das muss wohl daran liegen, dass sonst keine Touristen an Bord sind, oder auch daran, dass ich Chili-Pflaster auf die Schläfen geklebt habe (hilft angeblich gegen Erkältung). Die Tilongkabila läuft gerade (tuut tuut) in den Hafen von Bau Bau ein, und ich schaue zu, wie die Leute draußen eine Gangway an die haushohe Schiffswand heranschieben. Viele Träger in Blaumännern helfen dabei, richten aus, korrigieren. Dann öffnet sich der Bauch des Schiffs und die ersten Träger stürmen unter lautem Gejohle an Bord. Scheint, als sei ihnen ein Job sicher.

Aus den Lautsprechern schallt eine Durchsage über das Schiff: Sehr geehrte Fahrgäste, heute empfiehlt die Cafeteria Ayam Bakar KFC (Hühnchen nach KFC Art) oder Bakso (Suppe mit Fleischbällchen). Wir haben uns schon mit den Jungs von der Cafeteria angefreundet. Wenn wir kommen, geben sie uns einen Tee aus. Dede kommt aus Bandung (das „Paris von Java“) und hat innen braune, außen blaue Augen. Ali ist vom Volk der Bugis, ein Seefahrervolk aus Süd-Sulawesi und früher gefürchtete Piraten. Sogar der Ausdruck Bogieman kommt von der der legendären Grausamkeit dieses Volkes. Ali sieht aber ziemlich harmlos aus. Sam kommt aus Tanah Toraja, einer sehr ursprünglichen Gegend in Zentral-Sulawesi, wo die Leute Häuser wie Schiffe bauen und einem seltsamen Totenkult frönen (dazu später mehr). Meines Wissens nach hat Sam jedoch keine tote Oma zuhause sitzen.

Das Bordleben entwickelt seinen eigenen Rhythmus. Nachdem wir die Cafeteria auf Deck 7 besucht haben, laufen wir eine Runde über Deck 6, an der Moschee und dem Film-Theater vorbei (heute: Prince of Persia). Dann runter auf Deck 5 und rein in die Ekonomi Class im Innern des Schiffes (das wäre normalerweise unser Los gewesen, Matratzenlager mit 50 Mann ohne nennenswerte Belüftung). Vorbei am Gemischtwarenladen (Obst, Kleider, Spielsachen etc.) und dann wieder rauf auf Deck 6, auf einer Bank niederlassen und lesen oder das Meer und die Küste betrachten. Zwischendurch schlurfe ich in die Kabine und finde ein leckeres Essen vor, das der Zimmerservice für mich dagelassen hat. Abends sitze ich mit Paulus auf der Couch und schaue Fernsehen, entweder die Fußball WM oder seine Lieblingssendung Termehek-mehek, die vom Wiederfinden verlorener Familienmitglieder handelt.

Wenn wir draußen sind, dauert es meistens nicht lange, bis sich jemand dazugesellt. Mancher kann englisch, wie Ketut aus Bali, der in einem Hotel arbeitet und in Sulawesi seine Schwiegereltern besucht. Er diskutiert mit uns die Probleme mit seinem 16-jährigen Sohn, der oft die Schule schwänzt, aufmüpfig ist und ewig am Computer hockt. Er ist überrascht, als wir ihm versichern, dass Eltern in Deutschland in etwa die gleichen Probleme haben.
Die meisten Passagiere, die mit uns reden wollen, können jedoch kein Englisch, und so muss ich alles geben, um aus meinem bescheidenen Vokabular in Bahasa Indonesia Konversation zu machen. So erfahre ich interessante Dinge. Zum Beispiel, dass es Taschendiebe an Bord gibt, vor allem aber im Hafen von Bima (Sumbawa). Oder dass man in meinem Alter echt verloren hat, wenn man noch nicht verheiratet ist und Kinder hat. Ich muss erzählen, wo ich Bahasa Indonesia gelernt habe. Auf Bali. Oh – Bali. Da waren die meisten noch nicht, aber sie wissen, dass es dort Nachtleben und Drogen gibt, und außerdem Geisterbeschwörung und „Black Magic“. Das mag wohl sein. Aber wir haben dafür „White Magic“. Alle sind von uns verzaubert und wollen uns mit ihren Handykameras knipsen.

Paulus ruft mich. Er hat arrangiert, dass ich auf die Brücke kommen darf. Dort schüttelt mir Käptn Mohammad Djahuri die Hand, und ich kann zuschauen wie er und seine Crew das Schiff in den Hafen von Luwok steuern, der so klein ist, dass nur ein Schiff darin Platz hat. Der Käptn sagt „sepuluh kiri“ (10 links) und die Crew ruft „sepuluh kiri!“ und betätigen irgendwelche Instrumente. Für mich das reine Wunder, dass dieser Riesenhaufen Stahl schließlich langsam andockt, ohne irgendetwas zu zertrümmern.

Am Abend des dritten Tages schauen wir uns von der Cafeteria aus die Einfahrt in den Hafen von Gorontalo an. Es ist 22:00 Uhr und längst dunkel. Vom Festland hören wir viel Geschrei, können aber nicht erkennen, wieso. Komisches Volk hier. Außerdem fahren sie hier mit seltsamen Gefährten, die aussehen wie Becaks (Fahrradrikscha), aber mit einem Moped bestückt sind. Daher heißen sie Bentor, von Becak und Motor. Dede versichert, dass es diese Gefährte nur hier in Gorontalo gibt, sonst nirgendwo. Toll, dass man in einer Stadt, deren Namen ich bis gestern nicht kannte, ein eigenes Verkehrsmittel erfunden hat. Überhaupt ist es zwar verwirrend aber auch schön, dass der öffentliche Nahverkehr in Indonesien, der größtenteils aus Becaks und Bemos (Sammeltaxis) besteht, noch so un-globalisiert ist. An jedem Ort heißen die Gefährte anders und sie sehen auch immer etwas anders aus.

Am vierten Tag ist die Reise schon zu Ende. Schade! Wo wir uns grade dran gewöhnt hatten. Über eine wackelige Treppe wanken wir aufs Festland. Paulus winkt uns hinterher. Er und seine Leute müssen die Maschine überholen, und am nächsten Tag fahren sie wieder zurück nach Bali. Diana und ich winken zurück und machen uns auf nach Manado, wo die Bemos Microlet heißen.

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Mein Dickes B

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Nach fast sechseinhalb Jahren betrete ich ihren Boden und atme ihre Luft, diese wunderbare Mischung aus Räucherstäbchen und Mopedabgasen, Blumen und verbrennendem Plastikmüll. Ah – Bali.

Der nächste Eindruck: zerbrochene Kanaldeckel, Australier mit Surfboards oder Bierbäuchen und Bintang Bier T-Shirts, und ein bedrängendes Überangebot an Transport (Motorbike / Taxi), Sonnenbrillen, Massagen und kopierten DVDs. Ah – Kuta.

Hier hat sich nichts geändert. Das Verkehrschaos tobt, Müll wird überall auf die Straße entsorgt, und es bleibt ein Rätsel, was sie hier wollen, all die Touristen, darunter ich. Ich will zunächst nur etwas Internet-Anschluss und in Sams Werkstatt eine Ledertasche machen.

Sam ist ein Bekannter von Diana. Er kommt aus einem kleinen Dorf in Java. Vor 6 Jahren hatten wir sein Dorf sogar besucht. Jetzt ist er verheiratet und hat zwei Kinder, wohnt aber immer noch in dem gleichen 1-Zimmer-Apartment in Kuta. Etwa 25 qm für eine Familie. Um den flachen Bungalow-Bau herum läuft eine geflieste Terrasse. Davor ein Garten mit Bananen und Gemüse und getretenen Wegen, wo die Kinder auf Fahrrädern umherfahren und die Frauen ihre Babies im Kinderwagen schaukeln. Im betonierten Eingangsbereich der eingezäunten Wohnanlage wird abends ein Volleyballnetz aufgespannt, scheinbar auf Initiative einiger junger Frauen, denn Männer habe ich dort noch nicht spielen sehen. Die sitzen in ihren Garagen-Werkstätten, fertigen Leder-Handtaschen oder Schuhe oder malen Bilder und schauen sich dabei die WM im Fernsehen an.
In Sams Werkstatt den Nachmittag zu verbringen ist eine Freude, denn erstens kann ich etwas Neues dabei lernen, und zweitens bringt es mich weg von dem touristischen Overkill in Kuta. Am zweiten Tag kann ich von einem Nachbar ein Fahrrad ausleihen, und habe mich damit hochgearbeitet auf das Mobilitätslevel der Indonesier. Die sind zwar immer noch schneller mit ihren Motorbikes, aber zumindest bin ich schnell genug, um den Händlern zu entwischen und das Angebot „Transport!“ erübrigt sich ebenfalls von selbst. (Bloß rufen sie mir jetzt nach “Transport – how much!?” in Anspielung auf meinen gepolsterten Fahrrad-Gepäckträger).

Es wird Zeit, wieder Indonesisch zu praktizieren. Auf dem Weg zum Flughafen, am Strandweg entlang (der einzige nichtmotorisierte Weg Balis und damit sehr zu empfehlen für Fahrradfahrer) halte ich an und kaufe einen Bubur Kacang Hijau (in süßer Kokosmilch zu Brei gekochte grüne Mungbohnen) und setze mich zu den Anderen nieder, die im Schatten eines Baumes Opfergaben basteln. Schon werde ich gefragt. „Dari mana“ (woher), „Ke mana“ (wohin), „Berapa lamu di sini“ (wie lange hier) undsoweiter. Ich schlage mich gut. Erst als andere Touristen vorbeikommen, merke ich, dass ich es mit einem der gefürchteten Sonnenbrillenverkäufer und einigen Strand-Masseurinnen zu tun habe. Aber mir bieten sie ihre Produkte nicht an. Jetzt tut es mir leid, dass ich ihresgleichen normalerweise immer nur als Nervensägen betrachte. Und schon ein paar Worte Bahasa Indonesia gepaart mit dem touristisch unüblichen Konsum eines Bubur Kacang Hijau können alles ändern. Zum Abschied rufen sie mir nach „Selamat jalan“ (gute Fahrt) und „Hati-hati ya“ (schön vorsichtig). Juhu! Angekommen in Indonesien.

Und genaugenommen ist der Verkehr auch nicht so schlimm. Nachdem ich diesen Artikel auf Zeit Online gelesen habe, der davon handelt, alle Verkehrsregeln abzuschaffen und stattdessen Rücksicht walten zu lassen, da kann ich nur sagen: Indonesien ist schon soweit!

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Tschüs Klaus…

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Es war eine schöne Zeit mit Klaus. Schwer beladen mit Kokosnüssen und Sarongs ist er nach Hause geflogen.
Aber obwohl er nur kurze Zeit in Indonesien weilte, hat er auf Gili Terawangan seine Spuren hinterlassen:

klaus

Ticket to the Moon

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Nein, hier geht es nicht um den Konsum bewusstseinserweiternder Pilze, wie sie auf den „Gili“-Inseln vor Lombok gern so beworben werden. Bei unserem Ticket to the Moon handelt es sich um eine Fahrkarte zu einer Schiffsreise von Lombok nach Flores, Deck-Klasse.

Wir hatten uns aus Kostengründen für das Schlafen unter den Sternen statt in einer Kabine entschieden, und je näher der Tag der Abreise kam, desto mehr bezweifelte ich, ob dies eine gute Entscheidung war. Wusste ich doch, dass Klaus einen gewissen Komfort nicht verabscheute.

Leider oder auch zum Glück hatten wir die drei Tage vor der Abreise auf Gili Terawangan in einem zweifelhaften Guesthouse direkt am Pier verbracht, weil strömender Regen bei der Ankunft uns die erstbeste Herberge wählen ließ. Das Bettzeug roch nach nassem Hund, Klimaanlage gab es nicht. Das Deckengewölbe bewohnte eine riesige Spinne, die auf einem Eierpaket saß, das jeden Moment eine Hundertschaft Nachkommen entlassen konnte. Ich hatte auf einem Moskitonetz bestanden, allerdings waren die Maschen so dicht, dass der Ventilator kaum ein Lüftchen hineinblasen konnte. Nach dieser Erfahrung freuten wir uns auf unseren Deckplatz, weil dieser zumindest etwas mehr Luftzirkulation versprach.

Bevor wir die Schiffsreise beginnen konnten, mussten wir mit einem Bus zur Ostküste von Lombok gefahren werden. Unterwegs schenkte uns der Reiseveranstalter Perama ein T-Shirt mit der aufgedruckten Geographie unserer Reise, der kleinen Sunda-Inseln. Zur Orientierung: Lombok ist die Insel östlich von Bali. Danach kommt Sumbawa und dann Flores. Zwischen letzteren beiden liegen die kleineren Inseln Komodo und Rinca, Heimat der possierlichen Komodowarane, die zu besuchen eines der Highlights unserer Reise sein wird. Derart vollgestopft mit Hintergrundwissen betreten wir in Labuhan Lombok unser Schiff, ein „Pinisi“ nach sulawesischem Stil. Traditionell segeln diese vom Volk der Konjo auf Sulawesi entwickelten Schiffe über den Ozean, aber unseres ist natürlich mit Motor, GPS und Sitzklos ausgestattet.

Der erste Tag lässt sich so gut an, dass Sorgen über die bevorstehende Schlafstätte in weite Ferne rücken. Wir halten auf „Perama Island“, einer kleinen unbewohnten Insel vor Lombok, umgeben von weißem Sandstrand, wo unser umweltbewusster Reiseveranstalter sich für die Unterwasserwelt engagiert. Von hier aus werden verschiedene Aktivitäten in den umliegenden Fischerdörfern organisiert, die Fischer werden über umweltgerechtes Verhalten aufgeklärt und man versucht, sie mit Booten und Netzen auszustatten, um sie vom Dynamitfischen abzubringen. Wir lernen, dass 20% unseres Reisepreises in solche sozialen Projekte fließen und als ob wir uns dadurch nicht schon gut genug fühlen würden, dürfen wir auch noch eine Koralle pflanzen zur Wiederaufforstung der Riffe.

Danach ist Schnorcheln, Rumlümmeln und Beach-Volleyball angesagt, gefolgt von einem Fisch-Barbecue und Lagerfeuerromantik mit Gitarre. So lernen wir unsere Mitreisenden etwas näher kennen. Es ist eine bunte Mischung.

  • ein englisches Pärchen auf Asienreise (kommen gerade vom Trekking in Nepal). Voll ausgestattet mit Funktionskleidung (abzippbar, schnell trocknend und in Khaki-Tönen gehalten) und professionellen Wanderschuhen, Schnorchelausrüstung, Unterwasserkamera und riesigem Fernglas zur Vogelbeobachtung.
  • Ein Indonesier (genau einer), der in Jakarta lebt und etwas unter seinem chinesischen Aussehen leidet, weil er nicht nur auf Englisch angesprochen sondern zudem mit Touristenpreisen bedacht wird.
  • eine Hobby-Fotografin (Funktionskleidung s.o., dazu Weste mit vielen Taschen), die die meiste Zeit ein 2,5 kg schweres Teleobjektiv auf alles richtet, was sich bewegt (oder auch nicht).
  • Ein amerikanisches Pärchen, das sich in jedes Abenteuer stürzt, seit sie durch die Ausreise aus den USA zum ersten Mal ihren Horizont auf die Restwelt erweitert haben.
  • drei braungebrannte, blonde Schwedinnen mit flatterhaften Neo-Hippie-Gewändern und bunten Bikinis, vermutlich der Traum der schlaflosen Nächte von
  • James, einem hedonistischen Weltreisenden, Engländer und Immobilienmakler
  • … und noch etwa 15 mehr, darunter Klaus und ich

Als wir gegen 9 das Schiff aufsuchen, werden direkt Matten für die Nacht ausgelegt. Ungefähr 12 Mann müssen sich im Unterdeck sardinenartig in zwei Reihen auf dem Boden einrichten. Klaus und ich zögern nicht lange, nehmen unsere Matten und ziehen auf das Oberdeck, wo wir unter freiem Himmel und ohne nennenswerte Reling, die uns am Über-Bord-Gehen hindern könnte, im Rhythmus der Wellen träumen können. Nachts werden wir von etwas Spritzwasser getroffen, aber sonst verläuft die Nacht ohne Zwischenfälle, und wir verbessern unsere Technik, sodass auch das uns nicht mehr beeinträchtigen kann.

Mit dem ersten Licht des Tages wachen wir auf und frühstücken Kaffee und Erdnussbutterbrote, während die Sonne aufgeht. Unser nächstes Ziel ist die Insel Satonda, eine vulkanische Insel, die – abgesehen von einer großen Flughunde-Population – unbewohnt ist. Der Krater des Vulkans enthält einen dunklen salzigen See, in dem wir schwimmen können. Das Wasser ist sehr warm und von kleinen unscheinbaren Fischchen bewohnt, die es allerdings, wie die Vogelbeobachterin mich aufklärt, nirgendwo außer hier gibt.

Den Rest des Tages verbringen wir auf dem Schiff, denn wir müssen Kilometer machen. Komodo wartet.
Nach einer ruhigen Nacht erblicken meine Augen uraltes Grasland. Wie die Landschaft sich verändert hat! Vom dichten Grün auf Bali zum von Wald und Vulkan dominierten Lombok, und nun im ersten Licht des Tages die Savanne von Komodo. Wir sind alle etwas aufgeregt. Erdnussbutterbrote werden geschmiert, Wanderschuhe geschnürt und Kameras eingepackt. Unser Guide Nardin erklärt nochmal, dass mit Komodo-Waranen nicht zu spaßen ist. Sie können schon mal einen Menschen verschlingen, wenn er ihnen nicht sympathisch ist. Und was ist zu tun, wenn mich ein Waran verfolgt? Wegrennen? Der Waran ist schneller. Ins Meer springen? Der Waran kann schwimmen. Auf einen Baum klettern? Der Waran kann auf Bäume klettern. Die Lösung: Zickzack laufen, Haken schlagen. Da kommt der 100 kg schwere Waran nicht mit. Und natürlich die Waffe des Rangers: ein Stock mit zwei Enden. Um dem Waran in die empfindlichen Stellen zu pieksen. Nach diesen beruhigenden Nachrichten fühle ich mich am sichersten, wenn ich hinter der Hobby-Fotografin bleibe. Sie kann mit ihrem Gepäck nicht so schnell rennen und an ihr ist im Zweifel auch mehr dran.

Nach den ersten zaghaften Schritten über Komodo-Boden werden wir lockerer und vergessen über der Betrachtung schreiender Kakadus und Nestern der Großfußhühner (Megapodius reinwardt) fast die Warane. Als wir an einem besonders schönen Aussichtspunkt die Bucht unter uns knipsen, ruft plötzlich jemand, „Da ist einer!“ Tatsächlich. Was von weitem aussieht wie ein trockenes Stück Holz, entpuppt sich als etwa 2 m langer Waran, der bewegungslos im Gras liegt und uns unverwandt anstarrt. Nun klicken natürlich die Kameras. Jedoch soll diese Begegnung die einzige bleiben – bis zur Rangerstation. Dort lungert beständig Echsenvolk herum und wartet auf Fischköpfe, Hühnerknochen und dergleichen, denn auch für sowas ist sich ein Waran nicht zu schade, wenn gerade kein Reh oder Büffel zu haben ist. Früher wurden die Warane gefüttert. Zweimal pro Woche brachte man ihnen eine Ziege. Dann wurden die Touristen in einen Käfig gesperrt und konnten aus sicherem Abstand beobachten, wie die Warane sich um die Ziege stritten und jeder an einem Ende zog, bis sie gerecht geteilt war. Vor 12 Jahren wurde diese Praxis gestoppt, denn man bemerkte, dass die Warane das Jagen aufgegeben hatten und nur noch an der Futterstelle faul herum lagen und darauf warteten, dass ihnen die gebratenen (nein, rohen) Ziegen ins Maul flogen.

Mit Erinnerungen und Komodowaran-T-Shirts beladen gehen wir zurück zum Schiff, das uns zur anderen Seite von Komodo bringt, einem Strand, der wegen seiner rötlichen Färbung „pantai merah“ genannt wird und zu den weltbesten Schnorchelplätzen gehört. Schnorcheln gehört eigentlich zu unserem Pflichtprogramm bei jeder Gelegenheit. Es gibt unglaublich viel zu sehen. Bunte Korallen, Schwämme, Tausende von Fischen, an anderen Stellen Schildkröten und Mantarochen. Das Meer ist meistens so klar, dass man den eigenen Schatten noch am 15m tiefen Meeresboden deutlich sieht.

Gegen Nachmittag legen wir in Labuan Bajo an, einem ziemlich unattraktiven Hafenstädtchen im Westen der Insel Flores. Die Straßen sind nach einem heftigen Gewitterschauer nass und der unbefestigte Straßenrand hat sich in Matsch verwandelt. Auch hier wie in ganz Indonesien sind Gehwege nicht vorgesehen, weil sowieso niemand zu Fuß geht. Wir sehen kaum Hotels oder Restaurants, was ich eigentlich von meiner Floresreise vor 6 Jahren anders in Erinnerung hatte. Gab es nicht all die Restaurants am Hang über der Hauptstraße, wo man Hot Plate bestellen und den Sonnenuntergang über der Bucht betrachten konnte? Jetzt finden wir nur ein Restaurant dieser Art, es ist ziemlich westlich-schick eingerichtet und als wir ankommen, finden wir drei Tische von unseren Mitreisenden besetzt, die die Gelegenheit nutzen, aus der Essens-Routine auszubrechen. An Bord bekommen wir nämlich mittags wie abends Reis, Nudeln, Gemüse, Soja in Form von Tofu oder Tempeh, knochige Hähnchenstücke und Wassermelone. Nicole aus Kanada isst einen Pfannkuchen, James der Immobilienmakler streitet mit der Bedienung, weil seine Spaghetti so lange dauern. Wir entscheiden uns für Pizza.

Auf dem Rückweg nach Lombok haben wir Glück. Delfine kommen in Sicht. Die Amerikanerin hatte gerade noch erzählt, dass die Delfine in Hawaii viel zutraulicher seien, was wahrscheinlich daran läge, dass sie dort nur auf freundliche Menschen träfen, während sie in Asien in manchen Gegenden gejagt würden. Als ob sie es gehört hätten, entscheiden sich zwei Delfine, ihr einen Strich durch die Theorie zu machen und kommen zu unserem Schiff. Sie schwimmen direkt vor den Bug und lassen sich ein paar Minuten lang von der Bugwelle den Rücken massieren, tauchen ab und zu auf, kreuzen sich gegenseitig. Das ganze Schiff ist natürlich in Aufruhr, aber Klaus und ich hocken glücklicherweise an der vordersten Spitze des Schiffs und können das Schauspiel betrachten.

In dieser Nacht beleuchtet der Vollmond das Meer. Gegen Morgen betrachten wir den Monduntergang, und kurz darauf den Sonnenaufgang. Jetzt könnte ich glatt noch ein paar Tage bleiben, auf dem Schiff.

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Singapur macht keine halben Sachen

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Nach dem Motto „Erwarte nichts und lasse dich dann positiv überraschen“ kam ich ohne Erwartungen am Changi Airport Singapur an. Eigentlich nicht GANZ ohne Erwartungen. Von anderen Reisenden hatte ich erfahren, dass Singapur eine vollklimatisierte langweilige Blase im abenteuerlichen Restasien ist. Von Singapurern habe ich erfahren, dass es nichts zu sehen gibt („Ihr wollt nach Singapur kommen? Warum? Bestimmt zum shoppen?“). Aus der Presse habe ich erfahren, dass es in Singapur die Prügelstrafe gibt und man kein Kaugummi kauen darf.
Natürlich fiel als erstes die Sauberkeit auf. Wir standen auf dem Bahnsteig und schauten uns um – nicht nur um den richtigen Zug in die Stadt zu finden, sondern auch um zu verifizieren, dass tatsächlich keine hässlichen Kaugummi-Flecken den blitzblank gewienerten Granitboden verunzieren. Eine chinesische Familie, bestehend aus Mutter, Baby und Opa sprach uns an, erklärte uns den Weg in die Stadt, schenkte uns noch einen Metroplan und schob uns in den nächsten Zug. Wir lobten Singapur, die Organisation, die Sauberkeit usw. Die junge Mutter antwortete, jaja, alles schön und gut, aber manchmal auch ein bisschen zu viel. Deswegen hieße es ja auch „Singapore is a fine city“. Im doppelten Sinn des Wortes. Da wir weder im Zug aßen (500 $), noch rauchten (1000 $), noch Drogen mitführten (Todesstrafe), noch schwarz fuhren oder Durian-Früchte hatten, entspannten wir uns ein wenig. Ich dachte nur etwas bang an die Kaugummis, die in meinem Rucksack schlummerten und hoffte, dass zumindest deren Import nicht verboten war. Wir kamen in einem netten Hostel mit blitzblank weiß gefliesten Böden, Zugangscodes zu jedem Gang und Plastikfrühstück am Rande von Little India unter.

Little India
Little India ist logischerweise von Indern bevölkert, man findet dort Hindu-Tempel, Läden wo man sich mit Saris oder Punjabi Suits, Goldschmuck oder den letzten Bollywood-DVDs eindecken kann, Restaurants aller indischen Küchen. Es fühlt sich also an wie Indien – nur ohne Kühe, Ziegen und Hühner, ohne Sadhus und Bettler und Menschen die auf der Straße leben, ohne gammligen Müll, ohne Mopeds und Rikschas und in Kamikazemanier fahrender und schwarze Rauchwolken ausstoßender LKWs. In Singapur halten sich alle an die Regeln. Das kann einem fast Angst machen. Keiner schmeißt Müll weg. Keiner hupt. Keiner fährt bei Rot durch. Ganz gemütlich läuft man durch die Straßen, schaut sich das Leben an, geschäftig aber nicht chaotisch, exotisch aber nicht belästigend, hält bei der Gemüseauslage eines Ladens, kauft ein paar Mangos, Singapur ist wunderbar!

Chinatown
Hier fragt man sich zunächst: „Warum hat eine von Chinesen dominierte Stadt eine Chinatown?“. Anwort: Natürlich zum Geld verdienen. Die Chinatown ist ein Viertel voll hübscher kleiner Häuser, hauptsächlich mit (China-)Restaurants und Läden gefüllt. Ich weiß nicht, wie viele Chinesen in Chinatown leben, aber anders als Little India „von Indern – für Inder“ scheint Chinatown eher „von Chinesen – für alle die Geld haben und es ausgeben wollen“ zu sein. Wir nähern uns Chinatown von der Marina aus. Es ist fünf Uhr und aus den umliegenden Bürotürmen stürmen Banker und Berater heraus. Sie tragen heute keine Anzüge, sondern Laufschuhe, kurze Hosen und T-Shirts, auf denen Cisco, Deloitte oder ähnliches aufgedruckt ist, weil JPMorgan zum Citylauf aufgerufen hat. Nachdem wir uns zwischen den Bankern und deren Glas- und Stahlpalästen und einer weiteren Palastbaustelle durchgewühlt haben, bietet sich die erste Möglichkeit, in eine kleine Seitenstraße einzubiegen, die Telok Ayer Street. Kleine bunte Reihenhäuser, darin kleine Öko-Läden, Massagestudios oder Antiquitätengeschäfte, eine andere Welt, alternative Szene, Nauwieserviertel, die Bürotürme schauen ihnen skeptisch über die Schulter. In diesen ruhigen Straßen umherzuschlendern, die später Richtung MRT (Metro)-Station geschäftiger werden, in einen taoistischen Tempel hineinzuschnuppern, und später die Chinesen-Mall zu finden, mit einem wahnsinnigen Angebot an nachgemachten Designersachen und authentischem Essen (z.B. Entenzungen und Schweineschwänze), Singapur ist vielfältig!

Straßenküche
Es ist nicht jedermanns Sache, an einem Straßenstand zu essen. Während ich selbst bisher kein Problem damit hatte, ist mein momentaner Begleiter, der nicht namentlich genannt werden will (nennen wir ihn Klaus), selbstbekennender Hygienefreak und immer etwas pingelig, weniger geneigt, das erstbeste Saté von einem umherfahrenden Fleischspießgriller zu nehmen. Aber Singapur wäre nicht Singapur, wenn sie nicht auch das geregelt hätten. Alle mobilen oder festeingerichteten Küchen in den Foodcourts und Märkten der Stadt sind mit einer Sauberkeits-Plakette ausgestattet, die die Bezeichnung A, B, C oder D trägt. Dabei steht A für supersauber, B für ziemlich sauber, C für einigermaßen sauber und D für nicht ganz so sauber aber immer noch besser als der Standard in Indonesien. Da haute sogar Klaus rein und bestellte sich zum Baozi mit Algensalat noch eine Kokosnuss. Singapur ist sauber!

Zoo
Der Zoo von Singapur ist eines der Highlights in der ohnehin von Highlights geplagten Stadt. Schon die Website ist einen Besuch wert. Und dann die Landschaft, Singapur ist tropisches Regenwaldgebiet, und überall wo gerade nichts zubetoniert ist, wachsen riesige Pflanzen von üppigem Grün.

Wenn man zum Zoo will, muss man die MRT zur Haltestelle Ang Mo Kio nehmen und von dort einen Bus. Daher fragt der freundliche Fahrkartenverkäufer, nachdem man die MRT-Station nennt, ob man denn zum Zoo möchte und erklärt dann den Weg, während er einen Zettel überreicht, auf dem die Beschreibung nochmals abgedruckt ist. So ist nämlich Singapur. Kein Herumfragen, worauf man von 3 Leuten in 4 verschiedene Richtungen geschickt wird. Sondern proaktiv. Straightforward. Und kommt man an der MRT-Station an, sagen sie einem auch noch, dass man den Bus gar nicht braucht, sondern mit dem kostenlosen Shuttle fahren kann, wenn man gleich ein Eintrittsticket inkl. Tramfahrt kauft, und das Ticket ist nicht gefälscht, alles ganz transparent. Sie haben uns eine Tramfahrt angedreht, und wir freuen uns sogar.

Zunächst brauchten wir keine Tramfahrt, denn der Zoo ist so aufgebaut, dass vom Hauptweg links oder rechts ein kleiner Weg abgeht, der zu einem bestimmten Thema führt – wie Australian Outback, Afrikanische Savanne, Regenwald oder Primatenzone. Durch ein schlaues Konzept von natürlichen Barrieren wie Wassergräben, Mauern und mit Draht präparierten Bäumen wird der Blick durch unschöne Gitterstäbe vermieden. Manche Tierchen bewegen sich auch mehr oder weniger frei durch den Zoo oder man kann ihnen im Themengehege begegnen. So z.B. das Regenwald-Gehege (einer meiner Favoriten), ein auf Baumhöhe abgezäunter Bereich, in dem sich Flughunde, Papageien, Schmetterlinge, Kattas und ein Faultier tummeln. Ein Highlight waren auch die Orang Utans, die sich durch die Baumkronen schwangen und die sehr seltenen Nasenaffen, die übrigens nur auf Borneo vorkommen und von den Malaien Orang Belanda („Niederländer“) genannt werden. Als sich dann wolkenbruchartig der Himmel öffnete und uns daran erinnerte, dass wir uns im REGENwald befinden, lösten wir glücklich unsere Tramfahrt ein. Singapur ist grün!

Shopping
Die zweite Nationalobsession der Singapurer gleich nach Essen ist Shopping. In Singapur wird nicht gefragt, ob jemand ein iPhone hat oder nicht, sondern ob er eine grüne oder pinke HelloKitty-Hülle dafür hat. Um auch dieses Stück Singapur-Kultur einmal mitzuerleben, machten wir uns auf zur Orchard Rd. An dieser Straße reiht sich ein siebenstöckiges Shopping-Center an das nächste, wobei vermutlich jede Etage eines jeden Shoppingcenters den Geschäftsumfang der Saarbrücker Bahnhofstraße besitzt. Leider ist aber auch das Warenangebot fast so begrenzt wie das der Bahnhofstraße. Singapur ist verliebt in Europa. Es finden sich sämtliche französische, italienische und spanische Designer (und nur die). Von Mango und Zara über Roberto Cavalli und D&G bis Chanel und Prada. Wenn mir schon von außen die Louis Vuitton-Taschen entgegen grinsen, will ich gar nicht erst rein. Also beschränkten wir uns darauf, die Architektur und multifarbig-LED-beleuchteten Fassaden zu bestaunen. Ein Glück – so haben wir wenigstens Geld gespart!

Manchmal fragte ich mich aber schon, wer das ganze Zeug eigentlich kaufen soll? Die Antwort fand sich in einer Zeitung, die ich am nächsten Morgen im Hostel las. Darin stand: Singapur liebt chinesische Touristen, denn sie kommen, um Geld auszugeben (1,4 Mill. S$ in 2009). So ist die Geschichte einer Reisegruppe aus Wenzhou überliefert, die die Regale eines Louis Vuitton Shops leerräumten, als sie an einem einzigen Nachmittag Produkte im Wert von 300.000 S$ kauften. So geht Shopping chinese style. Singapur macht keine halben Sachen!

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Noch ein Wort zu Malaysia

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Nachdem Malaysia KEIN Land war, das auf meiner Reiseliste stand, ich dort aber umständehalber drei Wochen verbracht habe, versuche ich mir einen Reim auf dieses Land zu machen.
Bei der Ankunft in Malaysia fallen zwei Dinge auf:
1. Malaysia ist ein muslimisches Land (schon am Flughafen empfiehlt sich die „Bank Islam“ zum Geldwechseln, Frauen laufen verschleiert herum, Moscheen an jeder Straßenecke usw.) und
2. Malaysia ist ein modernes Land.
Letzteres könnte man vielleicht auch von Thailand sagen, aber Malaysia ist irgendwie – seriöser. Malaysia hat Autobahnen wie in Deutschland. Voll Mittelklasse-Autos. Keine Hundertschaften von Mopeds, keine Fahrradrikschas, keine Schlaglöcher. Malaysia will bis 2020 ein „entwickeltes“ Land sein (Vision 2020). Malaysia hat Rassenkonflikte (wer nicht), gibt aber allen Rassen Platz, mit dem Slogan 1Malaysia. Und Malaysia ist auch ein Urlaubsland. Allerdings hauptsächlich für Malaien und Araber.

Ein Beispiel: Pulau Redang ist eine Insel an der Ostküste der malaiischen Halbinsel, gesegnet mit weißen Stränden, tropischem Regenwald und traumhaften Korallenriffen. Angeblich steht das Eiland auf der Liste der 10 schönsten Inseln der Welt (nach welchen Kriterien entscheidet man sowas?!?). Vielleicht stellt man sich nun vor, hier in einer Hängematte zwischen zwei Kokospalmen die Tage zu vertrödeln, unterbrochen von Fisch-Barbecue und einem Schwimmchen im türkisblauen Meer. Weit gefehlt. Pulau Redang ist eine Insel für Pauschaltouristen. Und zwar ausschließlich. Eine Pauschalreise nach Pulau Redang, die bereits ab 80 EUR in der nächstgelegenen Stadt auf dem Festland, Kuala Terengganu, gebucht werden kann, beinhaltet die Überfahrt auf die Insel, zwei Übernachtungen, zwei Schnorchel-Ausflüge und Vollpension. Ohne Pauschalreiseticket ist es schlicht und einfach NICHT möglich, auf die Insel zu gelangen. Auch Verlängerungstage sind eher nicht erwünscht (und daher überteuert). Wahrscheinlich ist keinem Malaien je eingefallen, länger als die standard 3Tage-2Nächte auf dieser Insel zu bleiben. Zeit ist Geld und Urlaub ist kostbar. Und übrigens, für die Zukunft plant man die Begrenzung des Touristenstroms auf 160.000 pro Jahr, um durch die erzeugte Exklusivität mehr Geld zu scheffeln… äh nein, um die Riffe zu schützen, natürlich!

Kuala Lumpur (zu deutsch “schlammige Flussmündung”), die Hauptstadt von Malaysia, hat mir auf Anhieb gefallen. Eine facettenreiche Stadt, in der man sich leicht einfügt. Die meisten sprechen gutes Englisch, allein schon weil die 52% Chinesen, 39% Malaien und 6% Inder meist Englisch als kleinsten gemeinsamen Nenner haben. Die Stadt hat ein funktionierendes Verkehrssystem mit Metro, Monorail (a.k.a. Skytrain), Zug und Bus (auch das ist nicht selbstverständlich, siehe Phnom Penh, siehe Saigon). Die vielen Einwanderer haben ihre Landesküche mitgebracht, so kann man zwischen wunderbaren Gerichten wählen, z.B. südindische Dosas, chinesische Claypots und malaiisches Fischkopfcurry. Kein Moloch wie Bangkok, ist Kuala Lumpur (noch) überschaubar und ziemlich grün. Auf jeder nicht zubetonierten Fläche wachsen riesige Bäume, Palmen, Grünpflanzen, das tropische Gewächshaus-Klima lässt das Leben nur so explodieren. Der Vogelpark von Kuala Lumpur (angeblich der größte Freiflug-Vogelpark der Welt) und überhaupt alle Grünflächen sind wunderschön. Kuala Lumpur – eine Stadt in der man leben könnte.

Malaysia erstreckt sich über die Halbinsel südlich von Thailand und den Westteil der Insel Borneo. Borneo – was für ein Name. Endlose Regenwälder, Orang Utans, Stämme ehemaliger Menschenfresser und Kopfjäger, die vielleicht noch immer im Urwald leben? Auch hier sieht die Wahrheit anders aus. In etwa die Hälfte der Landfläche (zumindest des malaiischen Teils) ist für Ölpalmenplantagen kultiviert worden, eine der Haupteinnahmequellen des Landes. Orang Utans kann man im Orang Utan Rehabilitation Centre besichtigen, das im Übrigen ganz easy mit einem AirAsia Billigflug Kuala Lumpur – Sandakan zu erreichen ist, und die Kopfjäger (nunja, das ist nun Spekulation) jagen wahrscheinlich Touristen mit ihren Souvenirs hinterher.
Ich war noch nicht auf Borneo, habe diese Infos aber aus erster Hand, dem AirAsia Travel3Sixty Magazin entnommen. Und, will ich immer noch nach Borneo? Ich könnte mir jetzt einreden, dass es im indonesischen Teil Borneos anders zugeht, die Anreise zwei Tage dauert mit abgewrackten Minibussen und kaum Touristen und wilde Natur usw. Aber bleiben wir auf dem Teppich. Wilde Natur gibt es höchstens noch dort, wo sie wirklich schwer erreichbar ist oder wo es so ungemütlich ist, dass weder Touristen noch Einheimische dahin wollen und wo auch keine Landwirtschaft in irgendeiner Form möglich ist.

Das Schöne am Reisen ist ja, dass man sich von allen möglichen Illusionen befreit. Vielleicht deshalb will ich immer noch nach Borneo.

Ein paar Eindrücke aus Kuala Lumpur:

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