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Rothemden in Bangkok – die Regierung macht ernst

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Seit Wochen schon demonstrieren die Rothemden auf Bangkoks Straßen. Gleich um die Ecke in der Ratchadamnoen Straße, am Democracy Monument, konnten wir sie Tag und Nacht hören. Als ich zum ersten Mal hinging, kam mir die Protestbewegung wie ein Volksfest vor. Die Leute schlenderten an Infoständen entlang, kaufen sich rote T-Shirts, saßen auf Picknickdecken vor der Bühne und hörten sich die Reden an. Nachts schliefen sie auf Matten auf den Bürgersteigen, denn die meisten Demonstranten kommen nicht aus Bangkok, sondern aus dem ländlichen und armen Nordosten Thailands.

Die Proteste wurden initiiert von der Vereinigten Front für Demokratie gegen Diktatur (UDD) und dahinter steckt der ehemalige Präsident Thaksin. Der als korrupt geltende Thaksin wurde bei einem (allerdings vom König genehmigten) Putsch im Dezember 2008 abgesetzt und hält sich seitdem im Exil auf. Es weiß zwar niemand so genau, wo Thaksin sich aufhält (letztens war von Saudi-Arabien die Rede, er lebte sogar eine Zeitlang in Bonn), aber es gelang ihm, an die 100.000 Protestanten auf die Straße zu holen und bei Laune zu halten. Angeblich erhält jeder Demonstrant Geld für seinen Einsatz, außerdem gibt es kostenloses Essen – mancher munkelt, dass die meist in Armut lebenden Demonstranten nur deswegen hier sind. Auch ich war dieser Idee nicht abgeneigt.

Bis gestern.

Gestern war es anders. Als ich gegen 13:00 Uhr auf der Terrasse meines Hostels in einer Seitenstraße der Thanon Tanao saß, kam auf einmal Krach und Geschrei auf, und ein paar Leute rannten aufgeregt durch die Straße. Unsere Guesthouse-Chefin machte ein besorgtes Gesicht und ließ den Rolladen hinunter. Ich zog mich erstmal in mein Zimmer zurück, und dachte, nach zwei Stunden würde es vorbei sein.

Gegen 16:00 Uhr wagte ich mich wieder hervor und ging auf die Straße, in der Absicht, etwas zum essen zu finden. Die kleine Seitenstraße war direkt rechts von unserem Hostel mit Tischen, Bänken und Blumenkübeln provisorisch abgesperrt, also wendete ich mich nach links. Als ich auf die Tanao-Straße kam, fand ich alle Läden geschlossen vor, und jede Menge Leute auf der Straße, Rothemden, Zuschauer und Touristen, die alles knipsten (so auch ich). Ich ging bis zur großen Kreuzung zur Ratchadamnoen Straße und mischte mich unter die Leute. Einige Rothemden sprachen mich an, weil ich eine Kamera hatte und machten mir mit Handzeichen deutlich, dass ich alles dokumentieren sollte – vor allem die Militärhubschrauber, die immer tiefer über uns ihre Kreise zogen.

Ich fragte mich: Warum tun Regierungen eigentlich so etwas Dummes?

Ich bin bestimmt kein Kenner der Landespolitik, aber aus dem was verschiedene Leute mir erzählt haben, weiß ich, dass Thaksin kein Unschuldslamm ist. Die Aktionen zu seiner Rehabilitierung fand ich mehr als fragwürdig und die Protestanten hielt ich für leicht beeinflussbare Landeier, denen man mal eine Ladung Kunstdünger schickt und sich damit ihre lebenslange Unterstützung sichert.

Aber wie ich da mit den Leuten am Boden stand und der schwarze Militärhubschrauber über uns kreiste, musste ich mich einfach auf die Seite der Rothemden stellen. Diese Arroganz, dieses Zurschaustellen von Macht, diese Nicht-Kommunikation, stattdessen das wortlose Abwerfen von Tränengas, das hat auch mich sauer auf die Regierung gemacht. Solche Aktionen können doch nicht dazu beitragen, dass Leute wieder friedlich nach Hause gehen, es kann nur in noch mehr Hass, Gewaltbereitschaft und Motivation zum Kampf münden. Und so war es dann auch. Die Rothemden waren zwar nicht wirklich bewaffnet, aber sie gingen mit Stöcken und Metallschienen auf die Soldaten los, und dachten gar nicht daran, sich einfach vertreiben zu lassen.

Den Rest des Abends verbrachte ich hinter Gittern in meinem Guesthouse. Wir hörten die ganze Nacht Schüsse (angebl. Gummigeschosse) und ab und zu eine Granate. Manchmal stieg uns das Tränengas in die Nase. Manche Touristen liefen draußen auf der Straße rum und mischten sich unter die Pressefotografen, aber ich blieb drinnen. Ab und zu brandete das Geschrei auf und dann wurden die Leute in unseren kleinen Soi hineingespült wie eine Welle. Und wenn es ruhiger wurde, trieben sie wieder zurück an den Ort des Geschehens. Direkt neben unserer Straßensperre hatten sich die Militärs verschanzt. Einmal schleppten sie einen Verletzten vorbei.

Mit dem Geräusch der Schüsse ging ich ins Bett und stellte mir vor, wie es ist, wenn “richtiger” Bürgerkrieg ist.

Heute morgen wachte ich früh auf, und beschloss, mir das Ausmaß der Zerstörung anzusehen. Es war jetzt ruhig, die Soldaten waren weg, aber die Rothemden immer noch da, ihre Entschlossenheit nur noch größer. Sie fegten die Straßen und warteten ab, was geschehen würde. Sie erklärten mir, dass das Militär keineswegs nur mit Gummigeschossen bewaffnet war, sondern scharf geschossen hatte, und sie zeigten mir Einschusslöcher und Blutflecken auf der Straße. Eine Frau zeigte auf die Panzer, die das Militär gestern auf der Straße zurückgelassen hatte und bemerkte, dass auch sie mit ihren Steuern diese Panzer finanziert hatte und sagte “My tax kills me”. Was soll man dagegen sagen.

Laut Tagesschau starben elf Menschen, darunter ein ausländischer Journalist – gut dass ich drin geblieben bin!

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Alltag in Bangkok

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Da ich in den letzten Tagen eine Art regelmäßigen Tagesablauf hatte, habe ich mal eine kleine Fotostory von meinem täglichen Weg zum Massage-Kurs gemacht.

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Koh Chang Animal Project

| Posted in Reportage, Thailand |

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Wie ein Engel sieht sie nicht aus, Lisa, US-Amerikanerin um die 50, wie sie in Shorts und OP-Hemd auf ihrer Terrasse steht, in der einen Hand eine Zigarette und in der anderen das Telefon, in das sie laut und langsam Thai-Wörter spricht, ab und zu unterbrochen von einem Schimpfwort auf englisch. Die Thais mögen ihr Temperament fürchten, aber für die Tiere ist sie der rettende Engel. Allemal ist sie auf Koh Chang bekannt wie ein bunter Hund.

Lisa leitet, oder besser, Lisa ist die Koh Chang Animal Foundation, die sich statt Foundation derzeit “Project” nennt, weil der offizielle Foundation Status von der Regierung noch nicht genehmigt ist. Lisa kam vor acht Jahren auf die Insel, um als Tauchlehrerin zu arbeiten. Als sie jedoch sah, in welch schlechtem Zustand die Hunde und Katzen auf der Insel waren, wollte sie etwas dagegen tun. 2002 gründete sie das Hilfsprojekt als nicht-profitables Unternehmen zur gesundheitlichen Versorgung von Tieren und zur Information der Bevölkerung. Seither kümmert sie sich um Tiere in Not, versorgt Wunden und impft. Fast jeden Tag kastriert sie Hunde und Katzen. Bei meinem Besuch konnte ich drei Kastrationen von weiblichen Katzen beobachten.

Viele Thais halten eine Katze oder einen Hund. Um die Tiere vor ungewolltem Nachwuchs zu bewahren, geben manche ihnen Medroxyprogesterone, ein Mittel, das Frauen alle drei Monate einnehmen, um nicht schwanger zu werden. Diese Maßnahme verfehlt allerdings ihre Wirkung, wenn der Zyklus nicht eingehalten wird. Wenn ein Tier dann trächtig wird, wird es häufig auf die Straße gesetzt, weil man sich nicht mit dem unvermeidbaren Nachwuchs auseinandersetzen möchte. Damit erfolgt der soziale Abstieg zum Straßenköter bzw. -katze und es folgen Verwahrlosung, Krankheiten und noch mehr Nachwuchs. Diesen Teufelskreis versucht Lisa zu durchbrechen. Sie macht sich dabei keine Illusionen. Trotz der vielen Operationen könne sie die Geburtenrate allenfalls vor dem Ansteigen bewahren, meint sie.

Ein anderes Problem ist die Fehlbehandlung von Krankheiten durch die Besitzer, wenn auch gut gemeint. Viele Leute geben ihren Tieren Paracetamol, wenn sie krank sind. Sie wissen nicht, dass das für die Tiere Gift ist, und sie rechnen auch nicht damit, dass eine Tablette, die für einen erwachsenen Menschen gedacht ist, für eine 3kg schwere Katze nicht ganz die richtige Dosis ist. So brachte man ihr einmal eine Katze mit einem auf das dreifache angeschwollenen Gesicht durch Paracetamol-Vergiftung. Lisa ließ sie drei Tage am Tropf, bis sie wieder normal war. Manche Tiere werden auch absichtlich vergiftet oder verstümmelt. Lisa hält ein Kätzchen, dem eine Vorderpfote fehlt. Es hatte versucht, einen Fisch zu stehlen, und die Fischfrau hatte ihm die Pfote abgehackt.

Lisa wird für ihre Dienste nicht immer bezahlt. Manche Leute können das Geld für die Behandlung nicht aufbringen, und manche wollen auch einfach nicht. Lisa weist dennoch niemanden ab, denn das Wohl der Tiere ist ihr wichtiger, sie sagt “Ich bin nicht für die Menschen hier, sondern für die Tiere”.

Der Operationssaal sieht alles andere als klinisch aus, ist es doch gleichzeitig auch Büro und Wohnzimmer. Überall liegen oder streifen Katzen herum, zugelaufene, kranke oder vom Besitzer nicht mehr abgeholte Tiere, die hier eine Bleibe gefunden haben. Trotzdem arbeitet Lisa hier hochprofessionell, mit den Mitteln die ihr zur Verfügung stehen. Sie konnte einige Firmen gewinnen, die ab und an Impfstoffe und Materialien spenden. Bei den Operationen unterstützt sie Dan, ein Schwede, der seit einem halben Jahr freiwillig bei ihr arbeitet. Bald muss er zurück nach Schweden. Was macht sie dann? “Komischerweise”, sagt sie, “taucht immer wieder aus dem Nichts jemand auf, der die Arbeit fortführt.” Hoffentlich bleibt ihr dieses Glück erhalten, damit die Tiere von Koh Chang auch weiterhin auf ihren rettenden Engel zählen können.

Info:
Das Koh Chang Animal Project befindet sich im Dorf Klong Son auf der thailändischen Insel Koh Chang.
Spenden werden garantiert dem richtigen Zweck zugeführt und werden dringend gebraucht, da die Organisation ohne offiziellen “Foundation” Status nicht in der Lage ist, öffentlich um Spenden zu werben. Benötigt wird auch Operationsmaterial und Medikamente. Weitere Infos unter http://www.kohchanganimalproject.org/

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Dschungel für Fortgeschrittene

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Hoffentlich seid ihr alle gut ins neue Jahr gerutscht!
Wir hatten einen etwas abenteuerlichen Jahresbeginn, denn wir brachen wiederum zu einer Dschungeltour auf – diesmal 2tägig mit dem Ziel den höchsten Berg der Insel zu erklimmen, dort Silvester zu feiern, zu übernachten und am nächsten Tag wieder zurück zu laufen.
Am 31.12. machten wir uns in einer Gruppe von 6 Leuten auf den Weg. Ein Finne mit seiner thailändischen Freundin, eine Schweizerin auf Weltreise, unser inzwischen liebgewordener Dschungelführer Raht, Diana und ich. Dass es diesmal kein ganz so entspannter Spaziergang wird, wurde spätestens klar, als das Gepäck verteilt wurde. Jedem wurden 5 Liter Wasser zugeteilt, die man zum trinken, waschen und kochen brauchen würde, sowie Zelte für je 2 Personen. Zusammen mit meinem restlichen Gepäck hatte ich so bestimmt 11 kg zu schleppen.
Und dann der Aufstieg auf den Gipfel. Sowas wie Serpentinen hat man hier noch nicht erfunden, es ging also geradewegs steil den Berg hoch. Dieser ist dicht bewaldet, und links und rechts des Pfads stehen junge Bäume, an denen man sich festhalten und hochziehen kann. Ohne diese Bäume hätte mein Gepäck mich wahrscheinlich so nach hinten gezogen, dass ich geradewegs wieder runtergekugelt wäre. Nach dem ersten solchen Aufstieg standen wir auf einem kleineren Gipfel von wo aus wir unser endgültiges Ziel sehen konnten. Dazwischen allerdings eine Schlucht. Nun mussten wir auch noch einen steilen Felshang hinunter, wobei uns ein von einem Bäumchen herabhängendes Seil zur Hilfe kam. Nachdem hier alle mit dem Leben davongekommen waren, mussten wir noch einmal steil hinauf, und wir waren oben. Hier in ca. 700m Höhe war es deutlich kühler, und es gab viele wilde Orchideen und sogar fleischfressende Pflanzen.

Raht machte mit seiner Machete etwas Platz für die Zelte, und dann sammelten wir Holz und Steine für das Lagerfeuer. Nun konnten wir zum gemütlichen Teil übergehen. Die von mir hochgeschleppte Flasche Wein aufmachen, Geschichten erzählen und Erdnüsse und gerösteten Seetang knabbern. Und was unser Raht alles für uns herauf gebracht hat. Nudeln “Tom Yam” Geschmack in Bechern, die man mit heißem Wasser in Nudelsuppe verwandeln konnte. Kaffeepulver und Brot für das Frühstück, Reissuppe von Knorr, einen Topf, Holzkohle, Feuerwerkskörper und Wunderkerzen. Kein Wunder, dass der Arme ganz fertig war.
Es war ein schöner Abend, aber wir waren doch geschlaucht von dem anstrengenden Tag. So beschlossen wir, bereits um 11 Uhr abends die Feuerwerkskörper abzuschießen und schonmal im Geiste mit Australien mitzufeiern. Danach gingen wir ins Bett und verpennten den Jahresbeginn. Gegen 7 Uhr wachten wir auf und machten erst mal das Feuer an für Kaffee. Danach streiften wir etwas durch die Gegend, wo es einen wundervollen View Point gab, von dem aus man bis nach Kambodscha schauen konnte.
Als wir uns an den Abstieg machten, waren wir alle froh, 5-6 kg weniger Gepäck zu haben, und konnten uns beschwingt an den Bäumen herab hangeln. Nachdem wir auch den Felsaufstieg am Seil wieder alle überlebt hatten, machten wir noch einen Abstecher zu einem Bergbach, wo wir in einem kleinen Pool schwimmen konnten. Nun packte der Finne eine Taucherbrille aus. Wir mussten darüber lachen, dass er zur Gipfeltour die Taucherbrille eingepackt hatte, aber dann wollte sie doch jeder mal ausprobieren. Es war ein tolles Erlebnis. Unter Wasser sah der Waldboden mit den braunen Blättern fast genauso aus wie über Wasser. Große Bäume am Rand des natürlichen Felsbeckens streckten ihre kleinen Wurzeln ins Wasser und Fische schwammen umher. Das Wasser war ganz klar und hatte vielleicht 20 Grad – was für eine Erfrischung nach der anstrengenden Tour. An diesem Abend freuten wir uns sehr auf ein gebratenes Hähnchen und unser weiches Bett.

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Im Dschungel

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Der Dschungelkönig von Koh Chang – endlich stand er leibhaftig vor uns. Seit wir den Artikel in der ZEIT über den Monkey Man gelesen hatten, wollten wir nur ihn und keinen anderen an unserer Seite, wenn wir in den Dschungel von Koh Chang eintauchen. Bei jeder Gelegenheit fragten wir Leute, ob sie denn den Monkey Man kannten und ernteten nur Kopfschütteln. Dann endlich wusste eine Frau von einer Reiseagentur was – und sie zauberte den Prospekt hervor von Raht, dem Monkey – äh nein, Jungle Man! So nennt er sich nämlich. Kleiner Fehler der ZEIT-Redaktion oder journalistische Freiheit?

Raht kutschierte uns erst mal ganz un-könighaft mit einem Truck zum Anfang des Dschungelpfads. Dann sprühte er uns mit Moskitospray aus Pumpsprühflaschen ein und teilte uns Proviant zu – Eine Flasche Wasser, ein Softdrink (Nescafe oder Red Bull), ein Schokoriegel und ein Reisgericht. Dann klärten wir kurz die Nationalitäten der Anwesenden – eine französische Familie, eine norwegische Familie, ein deutsches Pärchen, ein holländisches Pärchen, und ich – allein, denn Diana war erkältet und wollte die Strapazen nicht auf sich nehmen.

Nun endlich konnte es losgehen. Wir gingen auf schmalen Pfaden bergauf. Häufig blieben wir stehen, damit Raht uns etwas erklären konnte. Das war gut, denn beim Wandern musste man ständig auf den Boden schauen, damit man nicht stolperte. Zuerst passierten wir zahlreiche Kautschuk-Bäume, die eingeritzt waren, so dass ihr weisser Kautschuksaft in dafür aufgestellte Behälter tropfte. Dann kamen wir durch einen Bambus-Wald, der mit seinen senkrecht wachsenden Stengeln aussah wie ein überdimensionales Mikadospiel. Zwischendurch zeigte Raht uns z.B. wie man an einer Affenleiter (Liane) hochklettert oder welche Pflanzen man gegen Malaria kaut. Alle waren guter Laune und sorgten mit fröhlichem Getrampel und Geschrei dafür, dass kein wildes Tier (und auch sonst kein Tier) uns zu nahe kam. Plötzlich aber ermahnte Raht uns, still zu sein. Keine 7 Meter entfernt, sagte er, gebe es eine Tarantel und wenn wir ganz vorsichtig hinschleichen, könnte er sie uns zeigen. Oh Schreck! Ich hatte den Gedanken, dass es hier Vogelspinnen gibt, bis zuletzt erfolgreich verdrängt, und nun sollte ich bis auf wenige Meter an das Tierchen heranschleichen! Aber vielleicht könnte ich hier meine Spinnenphobie besiegen. Als wir ankamen, sahen wir erst mal nur die Höhle, ein ordentliches rundes Loch von etwa 5cm Durchmesser, mit Spinnenfäden verschlossen. Raht riss ohne viel Aufhebens die Tür mit einem Zweiglein weg. Dann steckte er den Zweig in die Höhle hinein und zog ihn zurück, so etwa wie man mit einer Katze spielt. Auf einmal kam das Tierchen dann raus. Es stellte sich an der Türschwelle auf, streckte 4 Arme hoch und machte eine Drohgebärde, die soviel sagte wie “Du kommst hier net rein”. Raht, der natürlich am nächsten dran war, liess sich jetzt von jedem die Kamera geben und machte je ein Foto von dem Biest. Danach verzog es sich wieder in seiner Höhle und wir gingen weiter. Ein Glück hatte auch ich die Begegnung gut überstanden, aber Raht erzählte, manchmal sei die Spinne auch schon aus der Höhle raus und in die Meute reingesprungen. Ich kann mir den Tumult danach gut vorstellen.

Unser Weg wurde jetzt steiler und erforderte etwas Klettertechnik. Dann kamen wir an einen kleinen Wasserfall, der aus etwa 10m herunterstürzte in ein schmales Felsenbassin, das wiederum 9m tief ist. Hier konnten wir nach Herzenslust planschen und von den Felsen hinunterspringen. Das Wasser war angenehm kühl und klar. Schön erfrischt machten wir uns wieder an den Abstieg. Es konnten noch zwei Tiersichtungen vermerkt werden. Eine kleine grüne Schlange, die im Geäst sass, und eine kleine Katze, die schreiend an unserem Mittagspausenplatz wartete. Wie diese Katze in den Dschungel gekommen ist, war mir schleierhaft, aber offensichtlich wollte sie wieder raus. Nachdem sie von meinem Mittagessen schon das ganze Hähnchen und Ei und sogar Tofu und Reis gegessen hatte, fühlte sie sich etwas besser. Raht meinte, ich solle sie dalassen, er würde sie füttern wenn er vorbei kommt. Aber als wir aufbrachen, warf ich sie mir über die Schulter und nahm sie mit. Die Katze klammerte sich an mir fest und schaute neugierig in die Gegend, machte aber keine Anstalten, wegzulaufen. Als ich sie am Boden absetzte, lief sie neben mir her wie ein Hund. Ich hatte sie nach kurzer Zeit liebgewonnen und überlegte schon, wie ich sie auf meiner Reise weiter mitnehmen könnte, vor allem am Grenzübergang nach Kambodscha. Als wir dann an die erste Siedlung kamen, ein paar ärmliche Häuser von Kautschuksammlern, fragte Raht die anwesenden Kinder, ob sie die Katze aufnehmen wollten. Sie grapschten sich das Tier gleich und so liess ich sie dort schweren Herzens zurück.

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Jungle Life

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Vielen Dank für die vielen Weihnachtsgrüße!
Hier ein paar weitere Impressionen von Koh Chang, darunter einige Sonnenuntergänge, Straßen, das Fischerdorf Bang Bao und unser offizielles Weihnachtsfoto.
Morgen brechen wir in den Dschungel auf, und zwar zu dieser Tour: http://www.zeit.de/reisen/2009-12/thailand-ko-chang
Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut, um den Monkey Man aus dem Zeit-Artikel zu finden, und morgen nimmt er uns mit in den Wald!

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Ko Chang

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Seit dem 19.12.2009 sind wir auf Ko Chang, eine Insel im Golf von Thailand nahe der kambodschanischen Grenze. Die Reise dorthin dauerte ca. 12 Stunden, obwohl die Entfernung nicht allzu gross ist. Man muss aber zunaechst mit dem Ueberland-Bus 350 km von Bangkok nach Laem Ngop, dann mit der Faehre uebersetzen, und auf der Insel mit Sammel-Taxi zum gewuenschten Ziel kommen. Unser Ziel war Bai Lan Bay, weil sich das im Reisefuehrer gut angehoert hat. Ko Chang ist keine Insel wie jede andere. Bis in die 90er Jahr militaerisches Sperrgebiet, besteht sie praktisch komplett aus undurchdringlichem Dschungel. Es gibt nur eine Strasse an der Kueste entlang, die einmal rum fuehrt. Im Inneren der Insel gibt es keinerlei Strassen oder Siedlungen. Deshalb hat sich dort eine Fauna und Flora erhalten, die auf dem Festland gar nicht mehr zu finden ist. Leider oder auch zum Glueck ist die Insel jetzt dem Tourismus zugaenglich, und an der Kueste, vor allem an den schoenen Straenden, wurden viele Resorts gebaut. Dass man Ko Chang im Reisefuehrer als “naechstes Phuket” bezeichnet, hat mich schon vor der Ankunft deprimiert. Aber gluecklicherweise ist es von Phuket doch noch meilenweit entfernt, und der Urwald wurde zum Naturschutzgebiet erklaert. Ich habe noch nie den Urwald so nah gespuert. Unser “Hotel” besteht aus Huetten am Hang, und weil wir die letzte noch freie Huette bekommen haben, muessen wir besonders weit hoch klettern. Das hat allerdings den Vorteil, dass wir uns auf unserer Terrasse inmitten von tropischen Baumwipfeln wiederfinden, zwischen denen weiter hinten das Meer zu sehen ist. Die Huette ist offen, d.h. ueberall gibt es Belueftung, und auch die Waende bestehen nur aus einem Palmengeflecht. Das ist sehr angenehm und viel besser als Klimaanlage, ausserdem hoeren wir so die Dschungelgeraeusche nachts. Es zirpt und zwitschert die ganze Nacht. Abends jagen Fledermaeuse zwischen den Baeumen. Morgens hoeren wir ein Vogelkonzert.
Wenn wir in den naechsten Ort “Lonely Beach” wollen, muessen wir ca. 300m an der Strasse entlang gehen. Nachts ist sie nicht beleuchtet, so dass wir immer Taschenlampen dabei haben. Die Strasse ist sehr huegelig und kurvig, Autos und Mopeds kriechen die Anstiege hoch, und rollen dann schwunghaft wieder hinunter.
An diesem schoenen Ort werden wir noch ein paar Tage bleiben. Zunaechst sind wir mit einen Tauchkurs beschaeftigt (Padi Open Water Diver), und dann wollen wir natuerlich noch in den Dschungel.
Am 24.12. werden wir unseren Tauchkurs abschliessen und haben dann was zu feiern, abgesehen von Weihnachten natuerlich.
Von hier aus wuensche ich schon mal euch allen Frohe Weihnachten!

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Toepfern, Thai-Massage und Traffic

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In den letzten Tagen haben wir weitere Abenteuer in Bangkok erlebt. Diana hat mir die Stadt gezeigt, in der sie vor 4 Jahren ein halbes Jahr gelebt hat.
Wir waren auf Ko Kret, eine Insel noerdlich der Stadt im Fluss Chao Phraya, die fuer ihre Toepfereien bekannt ist. Die Insel ist bei Touristen kaum bekannt. Deshalb sahen wir, an der Endhaltestelle des Linienbootes angekommen, zunaechst keine Moeglichkeit, auf die Insel zu kommen. Dann sprach uns eine Gruppe von Frauen an, die ebenfalls vorhatten, diese Tour zu machen, und dazu schon ein Boot gechartert hatten. Wir schlossen uns der Gruppe an. Es waren 5 Frauen aus unterschiedlichen Orten in Thailand, die sich vor 40 Jahren beim Lehrerinnen-Seminar in Bangkok kennengelernt hatten. Jetzt waren sie in Rente und haben sich in Bangkok wieder getroffen, um den Urlaub gemeinsam zu verbringen. Eine der Frauen konnte ganz gut englisch und sie kuemmerte sich sehr nett um uns und erklaerte und uebersetzte uns alles.
Die Insel war sehr idyllisch, und wir konnten bei der Herstellung von Tontoepfen zuschauen, aber komischerweise waren die meisten Geschaefte geschlossen. Anschliessend bekamen wir die Moeglichkeit, die Fische zu fuettern. Dazu konnte man sich an einem Stand ein Weissbrot oder eine Tuete Trockenfutter kaufen und zuschauen wie sich die fetten Welse im Wasser um die Brocken balgten. Wie man uns erklaerte, ist das Fische-fuettern aehnlich wie das Voegel-freilassen eine buddhistische Tradition, um “Verdienst anzuhaeufen”.
Am Abend goennten wir uns eine Thai Massage und einen Frisoerbesuch. Ich habe jetzt eine Thai Frisur!

Mittlerweile habe ich auch mal die Rush-Hour einer 10-Millionen-Stadt erlebt. Vorgestern um 16:00 kamen wir aus dem Wat Po und hatten gerade nichts zu tun, also setzten wir uns in einen Bus, um zum Siam Square zu den Shopping Malls zu fahren. (Es war die Linie 47, “sii-jet” wie ich bereits gelernt habe). Die Strecke betraegt ca. 5 km. Nach kurzer Zeit fiel mir auf, dass es nicht besonders schnell voran geht. Nach etwa 30 min. hatten wir hoechstens 1 km geschafft. Als wir an einen Verkehrsknotenpunkt kamen, ging ueberhaupt nichts mehr. Die Verkehrsteilnehmer denken nicht im Traum daran, den Motor abzustellen, immer bereit, in eine eventuell sich auftuende Luecke vorzustossen. So konnten die Abgase ungehindert durch die offenen Fenster eindringen, was das Atmen trotz vors Gesicht gehaltenem Schal etwas unangenehm machte. Ich frage mich bei dieser Gelegenheit immer wieder, ob und wie sehr diese Gesichtsmasken von Nutzen sind, die die Asiaten gerne auf der Strasse oder bei Schweinegrippegefahr tragen. Nach etwa 60 min. gaben wir auf und verliessen den Bus, um zu Fuss nach Hause zu gehen.

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Ankunft in Bangkok

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Die Anreise nach Bangkok bestand in einem ereignislosen Flug über Bahrain. Da es kaum Entertainment gab, vertrieb ich mir die Zeit mit dem Versuch die Menükarte auf arabisch zu lesen und mit meinem neuen Buch “Das Ende ist mein Anfang” von Tiziano Terzani (schon halb fertig). Diana holte mich in Bangkok am Flughafen ab, obwohl sie dafür recht früh aufstehen musste. Danach waren wir beide müde und legten uns erst mal hin. Wir wohnen in einer Seitenstraße der Khao San Road, der Rucksacktouristen-Meile schlechthin. Keiner hat dort so einen tollen Koffer wie ich ;) .

Die ersten zwei Tage in Bangkok verbrachten wir ziemlich ruhig. Wir besuchten den Lumpini-Park, wo die Reichen ihre Joggingrunden drehen, und die Shopping-Malls um den Siam Square, wo die Reichen ihr Geld loswerden. Wir haben uns jedoch weder sportlich betätigt, noch wurden wir Geld los, außer beim Essen und Taxifahren. Gestern waren wir in einem Barbecue-Restaurant, wo man ein Gerät auf den Tisch bekommt, das aus einer gewölbten Metallplatte mit einer Rinne außen rum besteht. Dort wird Brühe eingefüllt. Auf der Metallplatte grillt man Fleisch und Fisch, und in der Brühe kochen die Gemüse. Nach einigem Üben hat es auch ganz gut geschmeckt.

Vor einigen Tagen hatte ich mich gewundert, dass ich noch gar nicht “Last Christmas” im Radio gehört hatte. Das habe ich jetzt nachgeholt. In den Shopping Malls dudeln den ganzen Tag Weihnachtslieder, und die Dekoration ist auch sehr einfallsreicht. Die Thais fotografieren sich gern gegenseitig in Gesellschaft von Schneemännern und als Nikoläuse verkleideten Pandabären.

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