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Abenteuer Tazara

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Auf der Strecke Dar-es-Salaam – Kapiri Mposhi haben wir 1860 Kilometer mit dem Zug zurückgelegt. Wir wurden mehrfach gewarnt, offenbar sind die Verspätungen der Tazara-Linie legendär (Verspätungen der Deutschen Bahn sind ein Witz dagegen). Trotzdem haben wir uns nicht abschrecken lassen und stürzten uns ins Bahn-Abenteuer: Dar-es-Salaam – Mbeya – Kapiri Mposhi (Gesamtkosten: ca. 35EUR – daran könnte sich die Bahn ein Beispiel nehmen)

Eine Chronik

Freitag, 15.10.10, Abfahrt in Dar-es-Salaam

Tazara steht für Tanzania Zambia Railway und das länderverbindende Schienensystem samt Bahnhöfen und Zügen wurde in den 70er Jahren von den Chinesen gebaut, ursprünglich als Exportweg für sambisches Kupfer. Die Tazara-Linie hat einen eigenen Bahnhof in Dar-es-Salaam (es gibt noch ein, zwei andere Bahnstrecken in Tansania, die aber von anderen Bahnhöfen abfahren). Die Chinesen scheinen sich indes an der Sowjet-Architektur inspiriert zu haben, als sie die hellblaue würfelförmige Wartehalle konstruierten, die so riesig ist, dass sie verlassen aussieht, selbst wenn sie voll Leute sitzt, und so hoch ist, dass niemand mehr in der Lage ist, die Decke zu putzen. Leider wurde nach der glorreichen Einweihung der Bahnstrecke die Wartung etwas vernachlässigt, was sich beispielsweise in den sanitären Anlagen niederschlägt.

Die Abfahrt in Dar-es-Salaam verspätet sich um 4 Stunden, was kein Grund für schlechte Laune ist. Ich wollte sowieso noch ins Internet-Café und die Cafeteria lädt zum Mittagessen ein (Reis, Spinat, Bananengeschnetzeltes). Die Wartehalle füllt sich zusehends mit Leuten, die ihre bunten Tücher auf dem Boden ausbreiten, um dort zwischen ihren Bündeln, Koffern und Säcken noch ein Nickerchen zu machen. Wir gesellen uns dazu, denn die „First-Class Lounge“ ist abgeschlossen (vermutlich wegrationalisiert).

Pünktlich um 17:00 Uhr öffnen sich die Tore der Wartehalle, und wir strömen alle zum Gleis, wo der lang ersehnte Zug steht, frisch geputzt und bereit für die Fahrt, die planmäßig (netto) etwa 48 Stunden dauern wird.

Samstag, 16.10.10, unterwegs durch Tansania

So stellt man sich Zugfahren vor. Gemütlich mit etwa 40 km/h vorwärtsrattern und dabei die Landschaft vorbeiziehen lassen, die hier im südtansanischen Hochland zerklüftete Hügel, Grasland, niedrige Bäume und hier und da einen mächtigen Baobab zu bieten hat. Am Abend essen wir im Bord-Bistro (Reis mit Hühnchen) und trinken Kilimanjaro-Bier (Wahlspruch: If you can’t climb it, drink it). Danach lassen wir uns in unseren Bettchen auf der oberen Etage des 4er-Schlafwagens in den Schlaf rütteln. Morgens bekommen wir Milch-Tee und Toast mit Ei ins Abteil geliefert, wir fahren ja schließlich erste Klasse. Wir haben festgestellt, dass die Abteile geschlechtergetrennt belegt werden. Unsere Abteilgenossin hat ihren Mann dabei, der muss allerdings woanders nächtigen. Er kommt ab und zu vorbei, dann streiten sie über irgendwas (vielleicht ist die Separation gar nicht so schlecht). Um der dicken Luft zu entkommen, gehen wir wieder ins Bord-Bistro und unterhalten uns mit den beiden anderen Touristen, die recht interessante Geschichten zu erzählen haben. B. kommt aus Deutschland und arbeitet jetzt als Zimmermann auf einer kleinen Insel vor Mosambik, von der er uns permanent vorschwärmt. A. kommt aus Spanien und hat die letzten Jahre für „Ingenieure ohne Grenzen“ in Nicaragua Wasserprojekte gemacht. So fliegen die Stunden dahin, bis wir nach ziemlich exakt 24 Stunden Fahrt pünktlich in Mbeya ankommen.

In Mbeya machen wir Zwischenstation. Wir haben hier zum ersten Mal erfolgreich einen Couchsurfing-Aufenthalt organisiert bei zwei Deutschen, die als Freiwillige in einer Schule Computer-Unterricht geben. Das interessiert uns, und die beiden erweisen sich auch als sehr nette Gastgeber. Wir haben endlich mal die Chance, etwas zu kochen (Reis, Auberginen-Tomaten-Gemüse und Avocadosalat), was nach der Fleisch-Diät im Zug sehr erfreulich ist. So verbringen wir die Tage bis zur Abfahrt des nächsten Zuges bei M. und F., die uns die Sehenswürdigkeiten von Mbeya zeigen, zum Beispiel den Markt, wo man Second-Hand-Klamotten aus Europa in super Zustand für sehr wenig Geld kaufen kann. Mbeya ist eine der größten Städte Tansanias, aber das merkt man ihr nicht an. Breit, weit, aber nicht hoch, wirkt sie ziemlich provinziell.

Wir besuchen auch den Bahnhof von Mbeya, um uns ein Ticket für die Weiterfahrt zu kaufen. Der Bahnhof ist so ausgestorben wie eine 50er Jahre-Bauruine, das liegt aber nur daran, dass an diesem Tag kein Zug fährt (es fahren zwei Züge pro Woche durch). Ob der Bahnbeamte uns nicht ganz verstanden hat oder es andere Hürden gibt, ist nicht mehr nachvollziehbar, jedenfalls bekommen wir nur ein Ticket bis zur Grenze, und auch nur 3. Klasse.

Mittwoch, 20.10.10, planmäßige Abfahrt aus Mbeya

Der nächste Zug fährt gemäß Plan vier Tage später und wir finden uns pünktlich um 12:00 Uhr am Bahnhof von Mbeya ein. Ein paar Kanadier begrüßen uns herzlich, können uns aber keine Infos zu unserem Zug geben, weil sie auf den Zug in die andere Richtung nach Dar-es-Salaam (14:00 Uhr) warten. Natürlich finden wir nach kurzer Recherche heraus, dass wieder eine Verspätung von etwa 4 Stunden anliegt, aber das hatten wir als nunmehr alte Zugfahrhasen ja schon mit eingeplant und machen noch einen Abstecher in die Stadt zwecks Essen und Internet. Zurück am Bahnhof sind die Kanadier immer noch am Warten. Unser Zug rollt nach kurzer Zeit ein. Wir beziehen die 3. Klasse, die sogar recht komfortabel ist mit Sitzen etwa wie im Inter-City 2. Klasse plus Fernseher. Die Fahrt bis zur Grenze dauert ja nur 4 Stunden. Danach können wir ja in die 1. Klasse wechseln. Aber – der Zug fährt nicht ab. Was ist los?

Auf der Strecke habe es einen Unfall gegeben. Man könne nicht losfahren, solange die Unfallstelle nicht geräumt ist. Der Zug in die andere Richtung komme auch nicht durch.

Schön. In diesem Fall quartieren wir uns zunächst mal in ein leeres 2. Klasse Schlafwagenabteil ein und legen uns hin. Am nächsten Morgen blinzeln wir im ersten Sonnenlicht nach draußen und sehen – immer noch den Bahnhof von Mbeya. Darunter die Kanadier, die wenig erholt am Gleis sitzen.

Gegen 9:00 Uhr trifft ein Wartungszug mit müde aussehenden Arbeitern ein. Kurz darauf fahren wir los.

Donnerstag, 22.10.10, On the rail again

Na also, alles läuft wie am Schnürchen. Wir kutschieren durch die nunmehr eher flache und trockene Landschaft Tansanias, haben ein 2. Klasse-Abteil für uns allein und endlich mal Zeit, die GEO von vorne bis hinten zu lesen. Nun plagen uns nur noch 3 Probleme:
1. Ein deutscher Tourist, der uns jedes Mal auf dem Gang abgreift (Typ: Rentenalter, komplette Safarimontur, mit Reiseerfahrung, die er uns in Form von Tipps wie „ich buche ja immer 2. Klasse, da lernt man die interessanten Leute kennen“ oder „da müssten Sie mal die Züge in Kenia sehen, da ist Kaffee trinken wie Zähneputzen“)
2. Zunehmender Wassermangel, einmal zum Waschen (wenn das Wasser für die sanitären Anlagen aufgefüllt wird, ist es immer innerhalb weniger Stunden alle) und einmal zum Trinken (unsere Vorräte sind aufgebraucht, und im Restaurant gibt es nur Halbliter-Flaschen zu recht hohem Preis)
3. Geldmangel, denn zum einen haben wir unsere ganzen Schillings schon in Kwachas getauscht, in der irrigen Annahme, dass wir am selben Abend noch in Sambia ankämen. Zum anderen ist es auch noch viel zu wenig, um unsere drei Mahlzeiten pro Tag zu bestreiten.

Aber für alle Probleme gibt es eine Lösung – der Deutsche verrät uns im Vertrauen „ich wasche mich ja immer an dem Reservoir außen am Zug, wenn er steht“, was unser Wasserproblem eindämmt. Geld tauschen wir im Zug zu einem gerade noch akzeptablen Kurs. Dafür schleicht sich ein 4. Problem in unser unbeschwertes Bahnleben, oder besser, es haut uns den Kaffee aus den Tassen – gegen 14:30 springt ein Waggon aus den Gleisen. Stillstand. Leute springen heraus, schauen sich das Unglück an, beraten, telefonieren.

Der Deutsche kommt von der Unfallstelle zurück: „ich hab denen gesagt, die sollen die hinteren Waggons abkoppeln“. Ein Glück haben wir ihn dabei. Allein wären die sicher nicht auf die Idee gekommen.

Er führt weiter aus: „Ich hab mir Mittagessen bestellt, was soll man sonst machen. Naja, ich wär ja ins Restaurant gegangen, aber man hat mir davon abgeraten, das Abteil zu verlassen. Hier herrscht ja gerade Hungersnot. Und die Typen in meinem Abteil gefallen mir auch gar nicht.“

Nach einer Stunde fahren wir weiter, nachdem die die Erstklässler von hinten in die vorderen Waggons migriert sind und die hinteren Waggons abgekoppelt sind.

Wir rattern durch die trockene Landschaft, an Dörfern vorbei, winken den winkenden Kindern zurück und fragen uns, ob sie Hunger haben? Der Deutsche ist sicher und wirft einige 500-Schilling-Noten aus dem Fenster.
Leider währt die Fahrt nur kurz. Am Bahnhof von Tunduma halten wir an. Es ist der Grenzort nach Sambia.

Die Nacht

Wir stehen am Bahnhof von Tunduma. Die Grenze ist in Sichtweite und doch unerreichbar, zumindest für unseren Zug, dem momentan die Lok fehlt. Wann man weiterfahren könnte, ist nicht sicher, aber man weiß, dass es „lange“ dauern wird (ein afrikanisches „lange“). Ich steige aus dem Zug, um die Zähne zu putzen. Sämtliche sanitäre Anlagen sind so trocken wie das tansanische Buschland kurz vor der Regenzeit, aber – wie ein tansanischer Buschlandbewohner – weiß ich, wie an Wasser zu kommen ist. Man muss nur die Wassertonne unter dem Zug finden. Ich drehe den Hahn auf und das Wasser sprudelt glucksend heraus. Es ist eine helle Nacht. Ein fast voller Mond steht senkrecht über dem Zug, dessen Insassen zumeist schon in den Schlaf gefallen sind, einige lautstark schnarchend. In der Ferne liegt der Ort Tunduma, dem in unserem Reiseführer keine Zeile gewidmet ist, außer in der Sektion über Grenzübergänge (Tansania-Sambia, geöffnet 9:00 – 18:00 Uhr). Wie üblich in Tansania, gibt es keinerlei Straßenbeleuchtung. Die Häuser der Wohlhabenderen sind mit kleinen Neonröhren bestückt, die in der Ferne funkeln wie Sterne. Das Wohnviertel, das sich an den Hang unter der Bahntrasse schmiegt, beherbergt offenbar keine Reichen. Die kleinen Häuser liegen vollkommen still und dunkel, und das Mondlicht lässt ihre Wellblechdächer silbern glänzen.

Freitag, 22.10.10, Am Morgen

Wie Seegurken schmiegen sich unsere schlafbesackten Körper an die Bettliegen, als die Tür des Abteils unsanft geöffnet wird mit einem durchdringenden Morgengruß „Immigration Zambia!“ Ein kurzer Blick aus dem Fenster ergibt, dass wir immer noch in Tunduma stehen. Die Einreisebeamten drücken uns ihre Stempel in die Pässe. Endlich wieder offiziell (nachdem wir schon beim Einstieg in Mbeya ausreisegestempelt worden waren, befanden wir uns die letzten 39 Stunden im Nirgendwo).

Freitag, 22.10.10, nirgendwo zwischen Makasa und Mpika

Auf einer solchen Fahrt kann man ansatzweise ermessen, wie unermesslich Afrika ist. Irgendwo in Sambia fahren wir stundenlang durch Buschland, ohne viel mehr als ein paar strohgedeckte Hütten zu sehen, die wie Pilze in der Landschaft stehen.

Immer wieder sehen wir Rauchschwaden, schlägt uns die Hitze von Buschfeuern ins Gesicht, die jetzt gegen Ende der Trockenzeit gelegt werden, um nährstoffreichen Boden für die kommende Wachstumsphase zu gewinnen. Die Feuer verzehren nur Laub und trockenes Gras. Die Bäume, die schon junge hellgrüne Blätter ausgetrieben haben, bleiben unversehrt.

Ab und zu halten wir an einer kleinen Ortschaft an. Dort haben sich die Hütten zu größeren Gruppen zusammengerottet, plus einige Betonhäuser mit Wellblechdächern. Autos, geteerte Straßen, Industrie, sucht man hier vergebens. Ob es hier Elektrizität gibt? Kann ich mir nicht vorstellen. Also kein Fernsehen? Aber wie laden sie ihre Handys auf? Vielleicht haben sie einen Generator im Dorf. Oder – keine Handys? Nein, soweit wollen wir nicht denken, wir sind ja hier nicht in der Steinzeit. Wie nach kurzer Zeit ein Sendemast mit Sat-Schüsseln und Handy-Antennen beweist.

Samstag, 23.10.10, Ankunft in Kapiri Mposhi

Die Endstation Kapiri Mposhi erreichen wir um 4 Uhr nachts. Die Zugbegleiterin weckt uns. Schlaftrunken sammeln wir unsere Habseligkeiten ein. Der Deutsche warnt uns vor Taschendieben: „ich habe ja mein Geld immer unter dem Hemd, da müssen die erst mal ran kommen“. Aber die erwartete Massenhysterie bleibt aus. Offenbar sind selbst die Taschendiebe beim Warten eingeschlafen. Auf dem Parkplatz stehen nur ein Bus und ein paar Minibusse. Der Deutsche kommt uns entgegen: „ich hab hier schon eingecheckt, ich nehme ja immer den großen Bus. Kostet 40.000 Kwacha“. Brav folgen wir in den großen Bus und hoffen auf eine schnelle Fahrt nach Lusaka. Nur fährt der Bus nicht ab. Die Einheimischen checken es zuerst – es sind nicht alle Plätze besetzt und ein halbvoller Bus fährt in Afrika nicht. Die Chancen stehen nicht gerade rosig, dass um 4 Uhr morgens in diesem Kaff noch irgendjemand auf die Idee kommt, nach Lusaka fahren zu wollen. Also steigen die Leute aus und in den Minibus nebenan ein, der fast voll ist. Jetzt erkennt auch der Deutsche seine Chance, und er ergreift sie – schnappt sich den letzten Sitz im Minibus und ward nicht mehr gesehen. Zurück bleiben wir, drei Amerikanerinnen und zwei einheimische Frauen. Wir müssen den zweiten Minibus nehmen und für die leeren Sitze aufkommen – 85.000 Kwacha pro Person. Wenigstens hält der dann unterwegs nicht mehr an…

Samstag, 23.10.10, 9:00 Uhr: Ankunft in Lusaka

Endlich! Wir sind wohlbehalten angekommen. Außer einem hübschen Bluterguss am Oberarm (das Schiebefenster hatte sich gelöst, während ich Mantafahrermäßig am Fenster saß) habe ich keine Blessuren davongetragen. Und Dianas anfängliche Magenverstimmung hat sich in der frischen Zugluft kuriert.

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Feel the spirit

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Jeder weiß, dass man in Kiswahili gern auf i endende Wörter bildet. Vor allem englische Wörter.

So bekommt man das Bier coldi, zum Mittag gibt es chipsi, man kauft sich ein ticketi und fühlt sich insgesamt goodi (nur die lokalen Zigaretten der Marke Embassy werden Embass’ ausgesprochen – also ohne i)

Aber das beste i-Wort ist Konyagi: der National-Alkohol mit Gin-Geschmack, billig, gut verträglich und Heilmittel für so ziemlich jede Krankheit geeignet.

Am besten wirkt Konyagi, wenn man dazu stundenlang Musik der Marke “Bongo Flava” anhört (angesagt bei allen Tansaniern zwischen 11 und 51):
http://www.youtube.com/watch?v=Ro-TDiie_wE

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Sansibar oder der letzte Hund

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Wir saßen in Stone Town in unserem Lieblingsrestaurant Lukmaan, und aßen wie immer Pilao mit Spinat und Hähnchen Biriani. Tranken dazu den Avocado-Mix-Saft und Gewürz-Milch-Tee.

Schauten auf das Treiben auf der Straße. Frauen in schwarzen Bui-Buis, manchmal mit bunten Tüchern ergänzt. Männer in weiß. Schulmädchen in schwarz-weiß, sie sehen wie kleine Nonnen aus. Ein paar Touristen auf dem Weg zum Sklavenmarkt (gibt’s da heute was umsonst?). Aus der Moschee gegenüber schreit ein wenig begabter Imam, dass es nur einen Gott gibt. Ein paar Lastenzieher, ein Polizeiposten neben der Bank, Taxifahrer, und die Männer nebenan vom Kuku-Chipsi Stand sitzen wie immer vor dem Laden und schälen Kartoffeln.

Dann kam der Hund. Es war ein kleiner weißer Wuschelzwerg, den ein Mädchen in einer Plastikschale im Arm hielt, besorgt, ob sie den Hund ins Restaurant bringen könnte oder nicht.
„Wo habt ihr den Hund her?“
„Der ist aus dem Guesthouse, wo wir arbeiten“.
„Arbeiten?“.
So erfuhren wir von Paje, einem Dorf an der Ostküste von Sansibar, wo ein von Kokospalmen gesäumter Traumstrand für Postkarten posiert. Und von Teddy’s Place, seit drei Wochen der Arbeitsplatz von L. und J., einem jungen Pärchen aus Berlin. Das Guesthouse wurde von deutschen Investoren aufgebaut, die jeweils für ein halbes Jahr zwei Leute aus Deutschland hinschicken, um den Laden zu managen.

Wir entschlossen uns kurzerhand, einen Abstecher dorthin zu machen. Während der einstündigen Fahrt im Dalla-Dalla überholten uns immer wieder Trucks und Dalla-Dallas vollgestopft mit Leuten, die schrien und johlten, als ob sie auf dem Karnevalsumzug wären und auch so auffällig gekleidet waren, in gelb-grün.

Endlich erreichten wir Teddy’s Place, verschwitzt von einem 10-minütigen Fußmarsch von der Straße bis zu unserem Ziel, aber beim Anblick des Meers verflog die Müdigkeit schnell. Haben die Weichspüler der Sorte „Aprilfrisch“ hineingekippt? Wie kann es SO türkis sein? Und der Sand, das ist doch – Mehl! SO fein und weiß. Und wir sprechen hier nicht von Vollkornmehl.

Selbst die Hütten waren innen mit Sandboden (also gar kein Boden) ausgestattet, obwohl wir die einzige Steinhütte bekamen. Es waren sogenannte Bandas, Hütten aus Palmwedeln geflochten. Die Ziegenhautstühle vor der Hütte luden zum Entspannen ein, und aus der Bar tönte, vermischt mit dem Meeresrauschen, sanfte Musik… von den fantastischen Vier. Ja, an diesem Ort konnte man es ein paar Tage aushalten.

Das Meer kommt gegen Nachmittag. Dann kann man auch darin schwimmen. Um die Mittagszeit ist es noch weit draußen. Wenn man sich von der unerbittlichen Helligkeit nicht abschrecken lässt, kann man ein wenig hinaus spazieren durch diese surreale blau-weiße (aber ganz un-bayrische) Landschaft. Draußen im seichten Wasser kann man dann die Frauen beobachten, wie sie Meeresalgen anbauen. Sie rammen Holzstöcke in den Grund, der den Pflanzen halt gibt. Wenn sie erntereif sind, holen sie sie säckeweise aus dem Wasser und verkaufen sie an Handelsfirmen, die sie nach USA oder Europa exportieren, wo man Geliermittel (agar agar), Kosmetik und vieles mehr daraus macht. Man kann sich ein Stängelchen abbrechen und naschen, es schmeckt knackig und salzig und, naja, etwas algig.

Am ersten Nachmittag jedoch sahen wir den Strand kaum vor lauter gelb-grün. Aha, hier sind sie also alle. Es handelte sich um eine Wahlkampf-Rallye, und gelb-grün (in Deutschland undenkbar) ist hier momentan an der Macht, denn es sind die Farben der regierenden Partei Chama Cha Mapinduzi (CCM) von Präsident Kikwete.

Am Strand spricht uns jemand an (was im Übrigen ständig passiert) und nach ein wenig Pingpong mit Jambo – Jambo, Mambo – Poa, Karibu – Asante usw. erklärt er uns, dass die CCM-Partei aller Voraussicht nach (und wie auch schon die vergangenen Jahrzehnte) die landesweiten Wahlen gewinnen wird, die am 31. Oktober stattfindet. Und dass man hier mal sehen könne, wie zivilisiert in Tanzania alles zugehe, daran könnten sich Kenia und Ruanda mal eine Scheibe abschneiden. Nur zwei Wochen bis zur Wahl, und kaum Ausschreitungen! Keine Skandale, keine Hasspredigten, naja abgesehen von Chadema-Führern (die Opposition), die ihre Anhänger dazu aufriefen, Blut zu vergießen, sollten sie die Wahl verlieren. Das stelle man sich mal vor aus dem Mund von Guido Westerwelle vor. Deshalb sind wir, trotz aller Friedlichkeit, froh, dass wir zur Wahl aller Voraussicht nach schon in Sambia weilen werden.

Und der Hund? Ist so weiß, dass man ihn im Sand kaum erkennt und sieht seinem zukünftigen Leben als Wachhund an einem Traumstrand dieser Welt entgegen. Ein Hundeleben könnte schlimmer sein.

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Heja Safari

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Wir planen eine Safari.

Im Planen sind M, Di und ich ein gutes Team. Di hat die Kontakte (z.B. einen Xing-Freund namens Kiliman-Rudi), M überwacht das Budget und ist schnell im Rechnen, und ich bewahre die Ruhe, wenn uns wieder ein Schlepper in einen dubiosen Souvenirladen locken möchte, wo (Geheimtipp!) die billigste, beste und schönste Safari angeboten wird. Wir erhalten schließlich einen Tipp für Kessy Brothers in der High Street.

Das Büro von Kessy Brothers liegt in einem Multifunktionshaus. Man muss durch ein ziemlich karg eingerichtetes Restaurant, vor dessen Panoramafenster abends Zanzibar-Pizza und Fleischspieße brutzeln; vorbei an einer Hotelrezeption in einen langen Gang; an einem Lagerraum voll Zelte, Schlafmatten und Klappmöbeln vorbei; und kurz vor dem Frisör links abbiegen. Dann steht man in einem Raum mit mehreren Schreibtischen, an denen die Angestellten, die gerade nicht auf Tour sind, im Internet surfen. Herr Kessy bietet uns zu unserer 4-Tage-Safari durch Lake Manyara, Ngorongoro-Krater und Serengeti auch noch eine kostenlose Nacht in seinem Hotel an, na also. Er bekommt den Zuschlag und 560$ pro Nase. Wir verfallen in hektisches Währungen-Umrechnen und ATM-Plündern.

Tag 1

Am nächsten Morgen um 5 Uhr hilft uns der Haus-Massai Asmani, unser Gepäck auf den Landrover zu hieven. Es sind dabei:
- Hilary, der Reiseleiter und Fahrer;
- Deo, der Koch;
- Dimitrj (Name geändert), der slowenische Weltreisende, der normalerweise nichts Touristisches macht;
- M, Di und ich.

Nach kurzer Kaffeepause in Arusha (eine Stadt, die verpasst zu haben keine Sünde scheint) fahren wir in das beschauliche Örtchen Mto wa Mbu (was soviel heißt wie Fluss mit vielen Moskitos) und ziehen für diese Nacht in ein Guesthouse mit Garten, wo Deo gleich anfängt, das Mittagessen zu kredenzen. Für die Wartezeit gibt es Popcorn und Kekse. Danach Reis, Gemüsesoße und gegrilltes Hähnchen. Dimitrj kennt das alles schon, denn er kommt gerade von einer Kilimanjaro-Besteigung, die verpflegungsmäßig wohl ganz ähnlich ausgestattet ist.

Das erste Tier

Das allererste Tier ist ein Storch. Auf dem Weg zum Nationalpark „Lake Manyara“ passieren wir Bäume, die durch das Nisten hunderter Störche weiß getüncht sind. Das andere allererste Tier ist ein Affe (Blue Monkey), der in Scharen die Tourismus-Info am Eingang des Parks unsicher macht.

Das erste Tier ist eine Giraffe. Oh! Wir bewundern sie, als hätten wir noch nie eine Giraffe gesehen. Dieses Muster, diese Augen, dieser Gang. In Tanzania stehen Giraffen ja für Schönheit. Dimitrj macht mal ein Bild.

Das nächste Tier ist ein Elefant. Steht da einfach so im Wald! Der Elefant nimmt ein Staubbad, er kratzt mit den Füßen den trockenen sandigen Boden etwas auf, nimmt eine Portion in den Rüssel und pustet es sich über. Er ist nicht allein. Nach und nach taucht ein Elefant nach dem anderen aus dem Dickicht auf, passiert den Weg, macht Station beim Staubbad und verschwindet dann wieder im Wald. Auch ein kleines ist dabei, das sich erst nicht so recht traut. Elefanten können sich eigentlich nicht besonders gut im Unterholz verstecken, aber trotzdem sieht man sie erst kurz bevor sie da sind. Man hört sie aber am Knacken der Äste. Plötzlich knacken die Äste lauter als zuvor, und zu unserem Staunen kommt ein riesiger Elefant zum Vorschein, offenbar die Leitkuh. Sie bleibt vor unserem Auto stehen und schaut uns an, wie wir so auf Elefanten-Augenhöhe aus dem Auto gaffen. Sie hebt den Rüssel und gibt uns zu verstehen, dass wir uns anständig verhalten sollen. Im Geiste versprechen wir lieb zu sein. Der Elefant wendet sich ab und geht zum Staubbad. Mist – wir waren so eingeschüchtert, dass keiner sich traute, den Auslöser zu drücken. Nur Diana hat alles gefilmt.

Das Gebiet des Lake Manyara Nationalparks ist auf der einen Seite durch die Ufer des gleichnamigen Sees und auf der anderen Seite durch die hohen Klippen des afrikanischen Grabenbruchs auf natürliche Art begrenzt. Der Park ist im Vergleich zu Serengeti & Co. winzig, aber sehr vielfältig und landschaftlich schön. Riesige Baobabs strecken ihre wurzelartigen Äste in den Himmel. Der See hat selbst keinen Zugang, denn es geht ihm ein großes sumpfiges Gebiet voraus, wo Nilpferde, Pelikane und Flamingos leben. M packt das Teleobjektiv aus.

Tag 2

Wir tauchen in eine Wolke ein, die am Kraterrand des Ngorongoro hängt. Wolken scheinen hier keine Seltenheit zu sein. Die Bäume in der geisterhaft vernebelten Landschaft haben lange Moosbärte. Wir arbeiten uns hinauf auf den Kraterrand und können ab und zu einen Blick auf das Kraterinnere stehlen, das wir heute nicht besichtigen werden. Wir fahren weiter durch die Ngorongoro Conservation Area, die an die Serengeti anschließt.
In der Ngorongoro Conservation Area leben Wildtiere zusammen mit den Kühen und Ziegen der Massai. Ab und zu passieren wir ein Massai-Dorf, das aus kleinen Lehmhütten besteht, eingezäunt von dornigem Gebüsch. Manchmal steht vor dem Massai-Dorf ein Jeep. Dann sind die Touristen zu Gast, und es wird ein Hüpf-Tanz aufgeführt.

Den Wald haben wir schon lange hinter uns gelassen. Das Land ist trocken, staubig und zusehends flach. Die rote Erde ist blass geworden.

Bald stehen wir vor dem Tor zur Serengeti, bald fahren wir durch, und bald sehen wir – Nichts. Und zwar nichts, soweit das Auge reicht. Schlagartig fällt mir ein, warum Serengeti „das endlose Land“ heißt.
Bei näherem Hinsehen entpuppt das Nichts sich als Grasland. Bei noch näherem Hinsehen liegen drei Löwen darin und hecheln in der Hitze. Nur wenige Meter abseits der Straße liegen die Überreste eines Zebras. Wir zücken die Kameras. Dimitrj glaubt nicht an einen Zufall. Das Zebra habe man absichtlich dort abgelegt, damit die Löwen sich zur Touristenfreude in der Nähe der Straße aufhalten.

Bei einer Antilope, die fotogen auf einem kleinen Erdhügel steht, witzeln wir, dass sie bestimmt dort angebunden wurde. Nun – scheu sind die Tiere hier wirklich nicht. Deutsche Wald- und Wiesenbewohner halten sich wesentlich mehr zurück als ein Dikdik, ein Pumba-Schweinchen oder ein Schakal, die alle vollkommen entspannt ihrer Wege gehen. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass von unseren Autos keinerlei Gefahr ausgeht. Im Gegensatz zu deutschen Spaziergängern mit jagdfreudigem Hund an der Leine (und ggf. sogar mit einem Jagdgewehr).

Die Serengeti ist Schauplatz der großen Wanderung. Etwa zwei Millionen Tiere, hauptsächlich Gnus und Zebras, wandern im Mai auf unbürokratische Art und ganz ohne Visum (dank der East African Community (EAC)) nach Kenia aus und im Oktober wieder nach Tanzania ein. Als wir die Serengeti besuchen, herrscht aus diesem Grund Gnumangel. Das Gras ist vertrocknet. An manchen Stellen beginnt jedoch neues Grün zu sprießen, das in der kommenden kleinen Regenzeit die Tiere wieder in diese Gegend locken wird.

Gegen Abend treffen wir im Seronera Camp im Zentrum der Serengeti ein. Wir bauen unser Zelt auf und finden uns dann in einer Art Affenkäfig zum Abendessen ein. Auch die Küche, in der die Safari-Köche sich jetzt ein Kochduell liefern, ist vergittert. Ansonsten ist das Camp offen. Es gibt wirklich keinen Zaun. Haben wir nicht vorhin noch einen Löwen gesehen? Wahnsinn! Deo, der Koch, beruhigt uns, er behauptet, die Löwen mieden das Camp, weil es nach Menschen riecht. Einzig die Büffel könnten uns hier gefährlich werden. Ich mache mir keine großen Sorgen. Aber einige Safaristen sind ängstlich geworden und trauen sich nicht mehr alleine aufs Klo.
Ich denke darüber nach, wie wenig wir über Tiere wissen und wie sehr dieses Unwissen unsere unverhältnismäßige Angst vor ihnen fördert. Als ob ein zufällig vorbeischlendernder Löwe gezielt die Leute aus den Zelten holen und töten würde. Vermutlich würde von einer vielbefahrenen Straße mehr Gefahr ausgehen als von diesem Ort.

Die Thomson-Antilopen zum Beispiel, die als Beutetiere zu Recht ängstlich sein könnten, rennen nicht kopflos umher, wenn sie einen Löwen sehen. Sie grasen ganz normal weiter und verkneifen sich auch nicht das Klo. Sie achten lediglich darauf, einen Sicherheitsabstand einzuhalten.

Tag 3

Die Weite der Serengeti, das Wechselspiel von Sonne und Wolken, Grasschattierungen und einzelnen Bäumen, ist ein Erlebnis für sich. Dimitrj findet es bloß öd.

Unser Jeep brettert inzwischen wieder durch die Conservation Area zum Ngorongoro Kraterrand.

Deo macht uns darauf aufmerksam, dass die Nacht auf dem Kraterrand sehr kalt werden wird, und schlägt vor, einen Vorrat an Konyagi anzulegen, einem lokalen Gin. Tatsächlich liegt das Camp Simba in luftiger Höhe. Man kann von hier aus in den Krater sehen, wenn Wolken und Gestrüpp es zulassen. Die Sonne scheint warm. Auf der weitläufigen Wiese grasen ein paar Zebras. Einige Massai stehen umher, und wollen uns Ketten verkaufen. Sie fragen uns, ob wir den Elefant sehen wollen.

Der Elefant kommt durch den Wald herauf und schaut sich zunächst auf der kleinen Müllhalde um, die sich hinter dem Küchenkäfig angesammelt hat. Dann rückt er weiter vor bis zu dem Wasserreservoir, wo er ein paar Rüssel voll nimmt. Er weiß genau, wie er den Rüssel oben in die Öffnung stecken muss, um an das erfrischende Nass zu kommen. Touristen stehen mit offenem Mund staunend umher, aber manche posieren in unmittelbarer Nähe des Elefanten und lassen somit ihren Wagemut fotografisch dokumentieren.

Tag 4

Hilary treibt uns um 5 Uhr morgens in den Landrover, denn im Krater zahlt es sich aus, zu den ersten zu gehören. Heute fahren wir nämlich endlich rein, in den berühmten Ngorongoro-Krater, das Überbleibsel eines eingebrochenen Vulkans.

Das Licht der aufgehenden Sonne strahlt auf einen See im Zentrum des Kraters. Den kühlen Wind um die Nase, die Natur vor der Linse, daran könnte ich mich gewöhnen.

Hier gelingt es uns, die Big 5 vollzumachen. Löwe, Leopard, Elefant und Büffel hatten wir in der Serengeti schon abgefrühstückt. Jetzt zeigen sich, allerdings in der Ferne und nur mit Fernglas zu erkennten, zwei Spitzmaulnashörner, die hier noch in einer bescheidenen Population von etwa 20 Stück überlebt haben.
Dimitrj kann das nicht begeistern. Er schwärmt jetzt von einem Safari-Zoo in Indien, wo einem die Giraffen das am Eingang gekaufte Futter aus der Hand fressen. Manchem kann man es eben nie recht machen.

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In Afrika ticken die Uhren anders

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Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn wenn es in Tanzania 7 Uhr ist, dann sagt der Afrikaner 1 Uhr. Denn er verwendet die Greenwich Mean Time. Und das afrikanische Greenwich liegt in Ghana.

Afrika steckt also voller Überraschungen. Zum Beispiel Äthiopien. Ein Land, über das ich ein Bild hatte, ohne mich je informiert zu haben. Das Bild ist geprägt von Hungersnot und Dürre. Über Hunger wurde nämlich in meiner Kindheit im Fernsehen berichtet (ich muss etwa 6 gewesen sein), und seitdem kam keine neue Berichterstattung hinzu. Jetzt schaute ich beim Landeanflug auf Addis Abeba aus dem Fenster und stellte fest, Äthiopien ist grün! Auch der Flughafen von Addis Abeba ist angenehm, modern und voller Äthiopier, die mit einer Mischung aus afrikanischen und arabischen Zügen ausgesprochen gut aussehen.

Und dann, Tanzania. Schwarz-Afrika. Werden wir sofort beklaut werden, wenn wir ankommen? Wird uns gleich eine Tsetse-Fliege die Schlafkrankheit verpassen? Wird uns der Taxifahrer in eine zwielichtige Township bringen, wo die Polizei niemals vorbeikommt, um uns bis auf die Unterhose zu erleichtern?

Nein. Am Kilimanjaro-Flughafen im Norden von Tanzania ist in etwa so viel los wie am Flughafen von Zweibrücken in der Pfalz, nur dass auf dem Parkplatz mehr Offroader stehen und es keinen Germanwings Schalter gibt. Die einzige kriminelle Handlung, die zu beobachten ist, besteht in einer Taxifahrer-Preisabsprache ($50 für die Fahrt nach Moshi) in Kombination mit der Lüge, es gebe keinen Bus (der steht weiter hinten auf dem Parkplatz).

Von Moshi aus kann man den Kilimanjaro sehen, aber nur am frühen Morgen und manchmal am Nachmittag, wenn sich die Wolken verziehen. Jeder fragt uns, ob wir den Kilimanjaro, den höchsten Berg Afrikas, bestiegen haben oder besteigen wollen, aber wir wollen nicht. Die Tour dauert 5-7 Tage und der letzte Abschnitt davon fällt in die Kategorie Augen zu und durch, denn weil man auf 6000m Höhe unweigerlich Kopfweh und Höhenkrankheit bekommt und keine Akklimatisierung vorgesehen ist, will man es einfach nur hinter sich bringen, und schnell wieder runter. Dies und die Tatsache, dass der Spaß etwa $1000 kostet, bestätigt uns darin, lieber unten zu bleiben. Wir geben ja schon genug Geld aus für unsere Safari (Bericht folgt).

Moshi ist ein kleines Städtchen, das außer dem Bergsteiger-Tourismus hauptsächlich als Marktplatz für die Dörfer aus dem Umland dient. Die Frauen verkaufen aufgetürmte Orangen, Tomaten und Avocados, die Maasai verkaufen Heilmittelchen in Schraubdosen und die Schneider sitzen dicht an dicht an ihren Nähmaschinen und nähen Anzüge, Röcke und Blusen, was das Zeug hält.

Was haben wir also in den ersten Tagen in Tanzania gelernt?
- Es gibt abends keine Straßenbeleuchtung in Moshi, und wenn man von den Scheinwerfern entgegenkommender Autos zusätzlich geblendet wird, kann man leicht in ein Kanalloch fallen.
- Vor dem ATM steht ein Wachmann mit einem Gewehr
- In Moshi haben die Missionare ganze Arbeit geleistet. Die meisten Einwohner sind christlich und gehen sonntags in die Kirche (siehe Fotostrecke).
- Zum Essen gibt es Fleisch. Zum Beispiel gegrillte Ziege, gegrilltes Hähnchen mit Pommes (Kuku Chipsi) oder Ziegeneintopf
- Will man kein Fleisch, dann gibt es Ugali (Maispampe) mit Bohnen und grünem Gemüse oder Reis mit Bohnen und grünem Gemüse
- Es gibt auch Martabak, aber hier heißt es Sansibar-Pizza
- Die erste Kommunikation in Kisuaheli führen:
Karibu – Asante.
Mambo? Poa.
Habari? Salama.
Undsoweiter. Damit ist nichts gesagt, aber schon viel gewonnen.

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