rss
twitter
  •  

Dream on…

| Posted in Laos |

2

Neulich fragte Mitch, ein gutmütiger Tasmanier mit rotem Gesicht und Rastafrisur, wie lange wir schon hier seien. Ich schätzte, eine Woche. Mike, unser Gastgeber, korrigierte auf neun Tage. Mitch lächelte und sagte „lost track a little bit, eh?“. Ich dementierte. Hier im Dreamtime Eco Retreat haben wir nicht den Faden verloren, sondern den Weg gefunden.

Seit Beginn unserer Reise (und davor natürlich erst recht) bin ich nie wirklich zur Ruhe gekommen. Es gab immer so viel zu tun. An den meisten Orten blieben wir zwischen 3 und 6 Tagen. Davon brauchte ich einen Tag, um einen Blogbeitrag inkl. Fotos zu verfassen. Etwa einen Tag verbrachte ich mit diversen Arbeiten, wie Programmieren, Internet-Recherche, Wäsche waschen, mit Freunden telefonieren, etc. Und die restliche Zeit verbrachte ich damit, neue Fotos und Erlebnisse zu sammeln. Da ich also ständig eine Liste von ToDos im Kopf hatte, musste ich in Momenten der Ruhe nie lange überlegen, sondern setzte mich an den Computer. So auch hier. Allerdings bekam ich am zweiten Tag ein Problem. Der Akku war leer – und hier gibt es keinen Strom. Unsicher gab ich mein wertvolles Gerät in die Hände von Mikes Bruder Simon. Er erledigt Fahr- und Bringdienste und wohnt nahe der Stadt. Er würde das Laptop zu Hause aufladen und am nächsten Tag wieder bringen.

Ich wachte früh auf an meinem ersten Laptop-freien Morgen. Ich beschloss, die Kühle des Morgens zu nutzen und in den Wald zu gehen. Der hier angrenzende Wald ist großenteils von Bambus dominierter Sekundärwald. Schmale Pfade, manchmal unter dem Laub kaum erkennbar, winden sich hindurch. Wir befinden uns in der späten Trockenzeit, und das Laub knirscht wie Kartoffelchips unter den Füßen. Oft hören und sehen wir nachts Waldbrände, die aber zum Glück meist nur im Auflodern eines einzigen (allerdings bis 10m hohen) Bambusbüschels bestehen und schnell wieder abklingen. Nicht weit außerhalb des Dreamtime-Geländes führt der Pfad steil bergab und kreuzt einen kleinen Bach mit einem Wasserfall. Jetzt tröpfelt er nur. Aber es genügt für die Frösche zum planschen und für die Vögel zum trinken und baden. Hier saß ich eine Stunde und erfreute mich an der frischen Luft. Als ich zurück kam, war Frühstückszeit. Inzwischen hatte die Hitze übernommen. Die Zikaden spielten eine Kreissägen-Sinfonie. An weitere Ausflüge in die Umgebung in der prallen Mittagssonne war nicht zu denken, und ich fühlte mich ausgebremst, blockiert. Ich konnte nicht „nichts“ tun. Also fragte ich Mike: „was kann ich machen“?

So verbrachte ich die nächsten zwei Stunden damit, die Außenwände eines Bungalows mit einer Mischung aus Natur-Latex und Sägespänen zu stopfen, wo Löcher und Risse klafften. Es war eine einfache Tätigkeit und ich war dankbar für das Gefühl, etwas Nützliches zu tun. Als ich fertig war und erfuhr, dass mein Laptop angekommen war, fühlte ich keinen allzu starken Drang, es anzuschalten.

Dreamtime ist der in die Wirklichkeit umgesetzte Traum von Mike. Mike kommt aus Israel. Zumindest hat er dort die meiste Zeit seiner Jugend verbracht, nachdem seine Eltern von Belgien nach Israel gezogen waren, der Religion wegen. Vor zehn Jahren zog er aus, die Welt zu bereisen, erst Süd- und Mittelamerika, dann Asien und Australien, er war fünf Jahre unterwegs. Während seiner Reisen wurde ihm klar, dass er möglichst nah bei und im Einklang mit der Natur leben wollte. Ein Leben in Israel schien ihm nicht mehr möglich. Inzwischen hatte sein Bruder sich in Laos niedergelassen und eine Familie gegründet. Als er seinen Bruder vor drei Jahren in Laos besuchte und eine Weile bei ihm wohnte, ergab sich die Gelegenheit, ein passendes Stück Land für seine Ideen zu kaufen.

Es ist ein Grundstück von 15ha Wald, durch den ein Bächlein fließt, 25 km von Vientiane den Mekong aufwärts. Im ersten Jahr schaute er sich den Wald an und trat Pfade aus. Im zweiten Jahr brachte er Arbeiter und baute Hütten, fünf für Gäste und eine für sich und ein Restaurant. Im dritten Jahr begannen Touristen zu kommen, meist Backpacker, die die Werbung in Vientiane gesehen hatten. So wie wir.

Und was haben wir nun alles gemacht in den zwei Wochen?

Essen
das Essen war eine Freude, denn Mike ist auch ein ziemlich guter Koch, zuständig für die westliche Küche, und seine Küchenmädels für die laotische. Crêpes mit selbstgemachter Mango-Marmelade, Spaghetti Bolognese, Burger aus Büffelhackfleisch. Manchmal hatten wir spezielle Menüs, z.B. ein Lao-Dinner mit Klebreis, Auberginenbrei, Mekong-Fisch, gegrilltem Schweinespeck und Papayasalat. Ein saarländisches Dinner mit Reibekuchen und Apfelkompott. Ein israelisches (naja, sagen wir, nahöstliches) Dinner mit Hummus und Fladenbrot, wohlgemerkt, alles selbstgemacht (an diesem Tag verbrachte ich 3 Stunden in der Küche, um Sesamsamen im Mörser zu Tahine zu verarbeiten).

Tiere beobachten
wir sahen eine Menge Tiere, hauptsächlich Insekten, Reptilien und Vögel. Ich lernte schon am ersten Abend, dass die in Tonhöhe variierenden „hu-hu-hu“-Rufe vom Coucal-Bird (verwandt mit unserem Kuckuck, s. Wikipedia) stammen und auch alle anderen Rufe von Vögeln stammen, nicht von Affen, wie ich bis dahin geglaubt hatte. Das einzige Säugetier, das ich sah, war eine Ratte, die mir über die Füße lief, auf der Flucht vor einer kleinen Schlange.

Und Schach spielen, lesen, Gitarre spielen, über Gott und die Welt reden, Scrabble spielen, spazieren gehen, über das Leben nachdenken, Fahrrad fahren… ist doch schon eine Menge!

Exkurs: einige Tiere, die mir besonders gut gefallen haben:

Geckos: Wikipedia
Sie wohnen im Wald, aber auch in den Häusern. Im Restaurant lebte ein Weibchen (denn Weibchen rufen nicht), das abends den Kopf unter der Terrasse raus streckte. Nachts hörten wir die Geckos der Umgebung und konnten ihre Rufe unterscheiden. Z.B. der Gecko in Mikes Haus, der fast 30cm groß ist und immer dreimal Anlauf nimmt, bevor er „Tokeeee – Tokeeee – Tokeeee “ usw. macht. Geckos rufen meist zwischen vier und achtmal. Dabei ist zu beachten, dass es regnen wird, wenn er eine ungerade Zahl ruft. Wenn er eine Zahl über 7 ruft, bringt das Glück.

Rote Ameisen:
Sie wohnen in den Bäumen und bauen sich Nester aus den Blättern. Dabei biegen sie Blätter um (sie reißen sie nicht ab) und kleben die Nahtstellen mit Seide zusammen. Die Seide wird von den Ameisenlarven produziert. So machen sie ein Blätternest, das etwa 30 cm Durchmesser haben kann, oder auch ganz klein sein kann, je nachdem, welche Blätter sie vorfinden. Die Eier dieser Ameisen schmecken säuerlich und finden in der laotischen Küche Verwendung, wir haben sie allerdings nicht probiert.

Termiten:
Sie tragen den Sand auf die Bäume und machen sich damit ihre eigenen „unterirdischen“ Gänge. Dann nagen sie die Rinde ab. Manche Termitenarten fressen auch trockenes Laub. Man hört sie nachts auf dem Boden knuspern. Wenn man sie aufstört, schlagen sie ihre Köpfchen auf die Blätter, und zwar alle zusammen und in wechselnder Lautstärke, so dass es sich anhört wie ein anschwellender, dann nachlassender Trommelwirbel.

Spinnen:
Es gibt unheimlich viele Arten, und die meisten halten sich zurück. Ich hatte glücklicherweise kein unangenehmes Erlebnis mit einer Spinne, obwohl ich auch irgendwann realisieren musste, dass eine dicke braune in unserem Haus wohnte. Die dicken braunen Spinnen kommen nachts raus. Sie sitzen immer mehr oder weniger an denselben Stellen und jagen vorbeikommendes Getier. Ihre Augen reflektieren das Licht, wenn man sie anleuchtet. Dadurch sieht man sie wenigstens gleich, wenn man mit der Kopflampe herumläuft. Im Wald gibt es eine Spinnenart, die sehr große Netze bauen kann und deren Fäden so fest sind, dass man sie kaum durchtrennen kann.

Abgesehen davon haben wir gesehen: Skorpione, eine Kobra, kleine rote, blaue und grüne Vögel, einen riesigen Adler (der in vielleicht 5m Entfernung auf einem Ast landete, und ich hatte keine Kamera zur Hand!), unheimlich viele Schmetterlingsarten, winzige nette Bienen, fiese Wespen, Libellen, Ameisenjungfern, Frösche und verschiedene Echsen.

www.dreamtime-laos.com

Get the flash player here: http://www.adobe.com/flashplayer

Ethnologische Studien in Vang Vieng

| Posted in Laos |

4

Mit fast 50 verschiedenen Volksgruppen und bis zu 120 Untergruppen sind in Laos mehr Ethnien zu Hause als in jedem anderen Land Südostasiens. In Vang Vieng kann man eine ganz besondere ethnische Minderheit studieren, die sich dort in großer Zahl angesiedelt hat. Die Backpacker.

Die Backpacker sind eine kaukasische Volksgruppe, die ursprünglich aus Mitteleuropa, Nordamerika und Australien stammt. In Südostasien bevölkern sie hauptsächlich die Küstengebiete Thailands, sie sind aber auch in der Bergwelt Nordthailands heimisch, sowie in kleineren Ansiedlungen in Laos, Vietnam und Kambodscha.

Die Backpacker leben nomadisch und ziehen in losen Verbänden von Guesthouse zu Guesthouse. Sie folgen dabei uralten Wanderrouten, die in ihrem wichtigsten Ratgeber und Regelwerk, dem „Lonely Planet“ verzeichnet sind. Archäologische Funde lassen vermuten, dass auch der Mondzyklus eine Auswirkung auf die Reiseroute ausübt. Unbestritten und von Wissenschaftlern noch nicht ganz geklärt, kann man zu jedem Vollmond eine Ansammlung von bis zu 30.000 Backpackern auf der thailändischen Insel Koh Phangan beobachten.

Die erste Wanderbewegung nach Südostasien setzte in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts ein, die damaligen Einwanderer nannten sich Hippies. Auf die Hippies folgten die heutigen Backpacker, die sich allerdings in Kultur und Lebensweise stark von ihren Urvätern unterscheiden.

Aufgrund dessen können zwei Untergruppierungen unterschieden werden. Die „Hippie-Backpacker“: sie knüpfen an der Tradition ihrer Ahnen an und beschäftigen sich mit Bewusstseinserweiterung, spirituellen Lehren, Meditation und Joga, und sie ernähren sich vegetarisch auf den lokalen Märkten.

Die neuzeitlichen oder „gemeinen Backpacker“: sie beschäftigen sich mit Bewusstseinsverringerung unter Zuhilfenahme alkoholischer Getränke, die sie traditionell aus kleinen Eimern trinken. In Vang Vieng kombinieren sie dies mit dem sogenannten „Tubing“. Ein nur hier vorkommender Kult, bei dem Vertreter beiderlei Geschlechts in aufgepumpten LKW-Reifen flussabwärts treiben. Vor diesem täglichen Ritual bemalen sie sich die Körper mit mystischen Zeichen, legen Kopf- oder Armbinden an, nehmen mit cannabinoiden Substanzen versetzte „Happy“ Pizza zu sich und Mixgetränke auf Laolao-Basis (laotischer Reiswhisky).

Die gemeinen Backpacker sind an ihrer Tracht leicht zu erkennen. Männer tragen Flipflops, Surf-Shorts und T-Shirts mit Aufdruck der lokalen Biermarke. Frauen tragen Flipflops, Surf-Hotpants und T-Shirts mit dem Aufdruck „In the Tubing Vang Vieng“. Die Hippie-Backpacker (beiderlei Geschlechts) tragen Pluderhosen und Rastalocken.

Hippie-Backpacker und gemeine Backpacker leben im Allgemeinen friedlich zusammen. Sie vermischen sich aber nicht mit anderen am Ort vertretenen Volksgruppen, wie z.B. Laoten oder die gefürchteten Mittelklasse-Touristen. Letztere sind in Vang Vieng auf dem Vormarsch und bedrohen die Backpacker-Population. Schon wird so manche Bambushütten-Siedlung niedergerissen, um Platz zu machen für die ausladenden Betonkonstruktionen der Touristenresorts. Wie in der Vergangenheit schon des Öfteren geschehen, könnte dies die Backpacker in die unzugänglichen Bergregionen zurückdrängen, wo sie unter ungünstigen Bedingungen ein trauriges Dasein fristen müssten. Manche Ethnologen sprechen sich dafür aus, für die Backpacker ein Reservat einzurichten, wo sie weiterhin ihre Kultur ausleben können.

Heute jedoch kann man noch die authentische Backpacker-Kultur kennenlernen, und jedem der sich dafür interessiert, sei es empfohlen, auf der Reise mal einen Abstecher nach Vang Vieng zu machen.

Get the flash player here: http://www.adobe.com/flashplayer

Luang Prabang und die Fütterung der Mönche

| Posted in Laos |

0

Dummmmmmmmmmm
Dummmmmmmmmmm
Dummmmm
Dummm
Dum
Du-du-du-dum

So klingt es, wenn bei Anbruch der Dämmerung in den Wats die Trommeln geschlagen werden. Luang Prabang, die alte Königsstadt am Zusammenfluss von Nam Khan und Mekong, erwacht an einem dunstigen kühlen Februar-Morgen.

Es liegt ein Rauchschleier über der Stadt, typisch für die späte Trockenzeit, wenn die Bauern die Überbleibsel der Ernte auf den Feldern verbrennen oder dem Wald durch Brandrodung neue Felder abringen. Rauch, der nach Holz riecht und in den Augen brennt und die Sonne rot aufgehen lässt.

Wie es die Tradition verlangt, versammeln sich die Frauen, in Sarongs gekleidet, am Straßenrand und rollen ihre Matten aus. Dann machen sie es sich bequem, stellen ein geflochtenes Körbchen mit Klebreis bereit und warten auf den täglichen Almosengang der Mönche.

Die UNESCO-geschützten Straßenzüge von Luang Prabang atmen Geschichte. An keinem anderen Ort reihen sich so viele Wats – Tempelanlagen mit buddhistischem Kloster – aneinander. Luang Prabang ist seit seiner Gründung die religiöse Hauptstadt von Laos, von hier hat sich der Theravada-Buddhismus im Land verbreitet und hier wird er bis heute ehrfürchtig praktiziert.

Der Reiz dieses Kleinods im Norden von Laos ist nicht unentdeckt geblieben. Neben Mönchen prägen heute Touristen das Stadtbild, die die Wats und Museen besichtigen, in Restaurants Pizza, Spaghetti und laotisches Essen genießen und sich auf dem Abendmarkt mit Souvenirs eindecken. Fester Bestandteil des Reiseplans ist weiterhin, dem morgendlichen Almosengang der Mönche beizuwohnen, und das frühe Aufstehen kann nur die wenigsten davon abhalten.

An diesem Morgen habe auch ich den Wecker gestellt, um dieses Stück lebendiger Kultur zu erleben. Von der Mama meines Guesthouses Phonthida weiß ich wie es abläuft. Die Frauen (theoretisch könnten es auch die Männer tun, aber diese kommen bekanntlich nicht früh genug aus dem Bett) bereiten den Klebreis in den traditionellen geflochtenen Körben zu. Gelegentlich bringen sie auch Schokoriegel, Ovaltine-Päckchen, Blumendekoration und kleine Klebreis-Päckchen in Bananenblättern mit. Die Mönche kommen in einer langen Reihe an den Wartenden vorbei und halten ihre Schale auf, und so wird jedem eine Hand voll gegeben. Danach gehen die Mönche ins Kloster zurück. Mama Phonthida bereitet jetzt noch Obst vor, das sie in den Tempel bringt. Im Kloster wird das Essen aufgeteilt und die Mönche nehmen um 11:00 Uhr die einzige Mahlzeit des Tages zu sich.

Nachdem ich das Ritual in unserer Straße miterlebt habe, empfiehlt meine Guesthouse-Mama, zur Hauptstraße zum größten Wat zu gehen. Dort kommen rund 200 Mönche vorbei, eine richtige Prozession. Also mache ich mich auf, vorsichtshalber mit Kamera bewaffnet, obwohl ich sie nicht unbedingt zu benutzen gedenke. An der Hauptstraße zeigt sich schon ein ganz anderes Bild. Der ganze Gehweg ist mit Matten ausgelegt, dutzende Leute sitzen herum. Touristen suchen nach guten Perspektiven und der richtigen Einstellung für das Morgenlicht. Verkäufer von Klebreis hoffen auf ein Geschäft mit Touristen. Eine Gruppe von Leuten, die sich karierte Schärpen umgelegt haben und so gar nicht nach laotischen Anwohnern aussehen, fällt mir auf. Ich frage nach ihrer Herkunft und sie antworten, aus Thailand. Sie sind mit einer Reisegruppe unterwegs und haben die Fütterungsstation hier organisieren lassen, wollen heute noch weiter nach Vientiane. Fröhlich fotografieren sie sich gegenseitig. Natürlich fragen sie gleich, ob ich mitmachen möchte, ich lehne aber aus Respektsgründen zunächst ab. Das können sie nicht auf sich sitzen lassen, und bald tut sich einer hervor, indem er mir feierlich die Schärpe umlegt und mir sein Klebreis-Körbchen gibt, mich auf eine Matte setzt und schon bin ich mittendrin statt nur dabei.

Aufgeregt erblicke ich die ersten orange gekleideten Gestalten und forme mit den Händen das erste Klebreis-Bällchen. Dann geht alles ganz schnell. Essensausgabe im Schnelldurchlauf. Reis ins Schälchen – nächster. Reis ins Schälchen – nächster. Manche haben das Schälchen schon so voll, das ich den Reis auf den Haufen pressen muss. Bei anderen erblicke ich Geld in der Almosenschale – ausnahmslos thailändische Baht-Scheine. Die Mischung von Geld und Reis scheint mir keine besonders hygienische zu sein. Aber vielleicht hat sich diese Praxis in Thailand durchgesetzt. In Kambodscha war es uns auch aufgefallen, dass in der Almosenschale nur Geld liegt. Mama Phonthida fand die Vorstellung komisch. Eigentlich dürfen die Mönche gar kein Geld besitzen.
Die Mönche empfangen nicht nur, sie geben auch. Am Straßenrand sitzen ein paar ziemlich verwahrlost aussehende Kinder, die Plastiktüten aufhalten. Ab und zu geben die Mönche etwas von ihrer Beute ab, so dass die Plastiktüten am Ende recht prall gefüllt sind. Wahrscheinlich ernähren sie die ganze Familie davon.
Abgesehen von den Auslösegeräuschen der Kameras verläuft das ganze Ritual in Stille. Als mein Körbchen leer ist, schieße auch ich noch ein paar Fotos. Mit verschiedenen Aufnahmen im Kopf, die ich noch ablichten möchte, krieche ich umher (man sollte niemals höher stehen als die Mönche). Und als ich auf einmal aufschaue, sind die Mönche weg – und die Thailänder auch.

So kehre ich zu meinem Guesthouse zurück. In dem guten Gewissen, auch mal was für mein Karma getan zu haben.

Get the flash player here: http://www.adobe.com/flashplayer

Go Laos

| Posted in Laos |

6

Nun sind wir also in Laos. Wir legten die Strecke zwischen Sapa und Luang Prabang in mehreren Etappen zurück, aber keiner der Orte lud uns zum Verweilen ein. Dien Bien Phu dürfte für Kenner der Indochina-Geschichte interessant sein, weil dort die berühmte Schlacht stattfand, bei der die Franzosen ihre Rolle als herrschende Macht in der Region endgültig verloren. Heute kann man diverse Schlachtfelder, Panzer und anderes Kriegsgerät besichtigen und ein monströses Unabhängigkeitsdenkmal betrachten (angeblich das größte Denkmal in Vietnam). Wir ließen hier höflichst anderen den Vortritt. Es war kalt und regnete, als wir abends in Dien Bien Phu ankamen, und wir gedachten, früh am nächsten Morgen weiterzufahren, der Wärme entgegen.

Der Grenzübergang nach Laos liegt in den Bergen auf einem hohen Pass. Wir kamen um 7 Uhr morgens dort an und fanden ein zugiges, ungeheiztes Gebäude mitten im Nichts vor, in dem wir uns aus Vietnam abmeldeten und ein weiteres gleichartiges Gebäude, in dem wir uns in Laos anmeldeten. Mein ursprünglicher Plan, die letzten vietnamesischen Dong für ein Frühstück loszuwerden ging insofern nicht auf, als es auf der Strecke keinen einzigen Laden gab.

Zielort des Busses war Muang Khua, ein kleines Dorf am Fluss Nam Ou, über den es keine Brücke gab. Der Bus ließ uns am Fluss aussteigen, und wir mussten in kleinen Kanus übersetzen. Ich fragte mich, was aus meinem Laptop werden würde, wenn mein Gepäck ins Wasser fiele. Muang Khua konnte ein nettes Dorf sein, aber unser Wohlbefinden wurde dadurch beeinträchtigt, dass wir noch keine laotischen Kip besaßen (und das am Freitag nachmittag, die Bank gerade geschlossen) und dass es immer noch verdammt sau kalt war! Wir zogen alles an was wir hatten und setzten uns bei etwa 10 Grad in eines der offenen Terrassen-Restaurants. Und beschlossen, nichts wie weiter.

Nach einer weiteren 10-stündigen Busreise landeten wir abends um 22:30 in Luang Prabang und konnten uns daher gleich ein Bild von dem Nachtleben machen. Es gibt keins. Wir klingelten ein paar Guesthouse-Besitzer aus den Betten und erhielten schließlich ein Bett für die Nacht in einem 6-Bett-Schlafsaal. Am nächsten Tag erfuhren wir auch, wieso alles geschlossen war. In Laos muss man per Gesetz um 0 Uhr spätestens zu Hause sein. Sämtliche Restaurants und Kneipen legen einem daher schon um 23 Uhr wortlos die Rechnung auf den Tisch.

Am nächsten Tag fanden wir ein nettes Guesthouse mit Familienanschluss, gratis Tee, Kaffee, Bananen und WLAN nahe dem Nam Khan Fluss. Vom Balkon aus konnte man die goldene Stupa auf dem Berg Phu Si sehen. Nun waren wir angekommen. Und verfielen sofort in einen Nichtbewegungszustand, für die nächste Woche würden wir keine touristischen Aktivitäten planen, sondern alles nachholen was vernachlässigt worden war. Wäsche waschen, Emails schreiben, arbeiten, Aktien checken, Blog schreiben, Fußnägel lackieren, Haare schneiden usw. usf.

Und wie ist der erste Eindruck von Laos?

Die ersten Tage liefen wir grinsend wie Honigkuchenpferde durch die Stadt und erzählten jedem der es hören wollte (oder auch nicht), wie viel besser es uns hier gefiele. Das wurde meist mit einem wissenden Lächeln quittiert. „Das sagen die meisten“. Warum? Schwer zu sagen.

Es ist diese Atmosphäre der Unbekümmertheit. Man kann hier die Leichtigkeit des Seins spüren, während man in Vietnam die Energie des wirtschaftlichen Fortschritts atmet.

Aber es liegt auch am Straßenverkehr: Natürlich gibt es in Laos generell weniger Verkehr, weil es viel dünner besiedelt ist als Vietnam. Aber der eigentliche Grund, warum ich hier durch die Straßen gehen kann ohne einen Nervenzusammenbruch zu bekommen, ist – in Luang Prabang ist Hup-Verbot! Ja, und es stimmt. Keiner hupt! Himmlische Ruhe.

Get the flash player here: http://www.adobe.com/flashplayer