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Mbaga

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Mbaga
In Mbaga (auch Mbaga-Manka genannt) haben wir das dörfliche Leben in den Pare-Bergen kennengelernt, wie in Di’s Artikel ausgeführt.
Hier einige Impressionen:

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Dalla! Dalla!

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Wie an anderer Stelle erwähnt wurde, bin ich ein großer Fan lokaler Privat-Nahverkehrssysteme, weil das Reisen mit ihnen eine so authentische Erfahrung ist. Die Minibusse, Fahrradrikschas oder Lastwagen, die so treffende Namen tragen wie Becak, Bemo oder Pete-Pete, sind Salatschleudern des Lebens. Ich behaupte, wenn man etwas über die Kultur eines Landes erfahren möchte, lernt man auf einer 30-Minuten-Fahrt im Bemo mehr als bei einem Tag im Nationalmuseum.

In Tanzania hat der „lokale Transport“ viele Formen, aber nur einen Namen: Dalla-Dalla.

Auf Zanzibar besteht das Dalla-Dalla häufig in einem kleinen Lastwagen mit Führerhaus und Ladefläche, wobei letztere innen mit einer umlaufenden Sitzbank und einem Dach versehen ist. Der Innenraum ist mit schönen bunten Tapeten ausgekleidet. Im Dalla-Dalla finden 15 Leute bequem Platz. Das hält die Betreiber nicht davon ab, bis zu 30 hineinzuquetschen.

Nehmen wir an, wir wollen zusammen mit einem Bündel Holz, einem Fahrrad und den Einkäufen vom Markt von A nach B.

Also schauen wir uns zunächst im Dalla-Dalla-Terminal nach einem Vehikel der passenden Linie um. Dalla-Dalla fahren auf einer festgelegten Strecke, was man anhand der aufgeklebten Liniennummer und Endstation leicht erkennen kann.

Dann wählen wir gezielt ein Gefährt, das noch nicht zu voll ist, aber schon ein paar Fahrgäste enthält (das Dalla-Dalla wird nicht losfahren, bis es einigermaßen gefüllt ist). Für uns „Mzungu“ besteht eine weitere Herausforderung darin, möglichst den korrekten Geldbetrag zur Hand zu haben, denn sonst kann es passieren, dass man das Doppelte zahlt.

Nach kurzer Wartezeit (etwa nach 5 oder 30 Minuten) geht es los, Fahrer und Servicemitarbeiter nehmen ihre Plätze ein. Der Fahrer sitzt im Führerhaus und fährt (logischerweise). Neben ihm können zwei Fahrgäste Platz nehmen, allerdings sind diese Plätze so wertvoll, dass sie in der Regel immer schon an gute Bekannte des Fahrers vergeben sind.

Der Servicemitarbeiter bleibt hinten bei den Fahrgästen. Er kassiert das Geld ab und hilft beim be- und entladen. Auf der Strecke gibt es keine festen Haltestellen. Leute, die zusteigen wollen, stehen an der Straße und winken. Brav hält unser Dalla-Dalla an (wieso hält der an?? Wir sind doch schon übervoll!!) und lädt weitere Reissäcke und Holzbündel aufs Dach, während weitere Frauen, verschleiert mit strahlend bunten Tüchern und Korbtaschen in der Hand, die enger werdenden Sitzplätze einnehmen. Männer geben, ganz Gentleman, ihren Platz für Frauen frei und stellen sich hinten auf das Trittbrett zum Servicemitarbeiter. Immerhin haben sie dort frische Luft. Ab einer Belegung von 20 Personen riecht es, sagen wir, ziemlich intensiv nach, sagen wir, Mensch.

Irgendwann bemerkt man, dass die Füße kribbeln. Aber inzwischen sitzt man so eng, dass man keine Chance hat, die Füße oder sonst irgendetwas zu bewegen. Das Gute dabei ist, dass man nicht mehr hin- und herrutschen kann, wenn das Dalla-Dalla kamikazemäßig ein anderes überholt. Irgendwann versucht man nicht mehr, eine bequeme Position zu finden, sondern ergibt sich in seine Lage, lehnt sich entspannt gegen den Nebenmann, mit dem man auch ggf. ein Schwätzchen halten kann, und übt ansonsten meditative Observation der gebotenen Realität. Man kann auch lesen – wenn man das Buch hervorgeholt hat, als man sich noch bewegen konnte.

Endlich dürfen wir aussteigen. Wir sagen wir dem Servicemitarbeiter Bescheid, worauf dieser gegen die Karosserie hämmert, bis der Fahrer die Zeichen erkennt und anhält. Dann klettert der Servicemitarbeiter aufs Dach und lässt das Bündel Holz und das Fahrrad heruntersegeln. Die Einkäufe hatten wir ja in der Korbtasche, auf der mangels Platz ein anderer Fahrgast gesessen hatte. Nun reichen wir unsere Tasche schon mal durch und gehen im gebückten Gang (Achtung – Kopfstoßgefahr! Der Innenraum ist nur etwa 1,30m hoch) zum Ausstieg, während wir versuchen, nicht auf die Eierkartons, Fahrgastfüße und lebenden Hühner zu treten.

Draußen saugen wir die frische Luft ein – geschafft!

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Das Traumschiff

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Ich stehe am Hafen von Makassar auf einer überdachten Terrasse und warte auf die Ankunft der Tilongkabila, einem Passagierliner der Pelni-Flotte, der im 2-Wochen-Takt die Strecke Benoa (Bali) – Bitung (Nord-Sulawesi) bedient. Draußen schüttet es gerade aus Eimern, was für die Jahreszeit ungewöhnlich ist, denn wir sind in der Trockenzeit (man munkelt etwas von Klimawandel). Da ich die einzige „Weiße“ weit und breit bin, stehen etwa 15 Leute um mich herum, und einige sprechen mit mir. Woher, wohin, warum. (Woher: aus Bali. Wohin: nach Manado. Warum nicht mit dem Flugzeug: weil.) Ich erwähne, dass meine Freundin früher losgefahren und bereits auf dem Schiff ist, dass ich sie hier treffen möchte, und nun halten 15 Leute Ausschau nach Diana. Schließlich mit Erfolg.

Diana ist froh, einen Landgang machen zu können, denn während der 2-tägigen Überfahrt von Bali nach Makassar hatte sie sich praktisch nicht bewegen können, weil das für 1000 Personen ausgelegte Schiff zeitweise mit 2000 Leuten „leicht“ überfüllt war. Glücklicherweise jedoch hat sie sich gleich mit der Crew angefreundet und bewohnt nun die Kabine des 1. Ingenieurs, während mir bei meiner Ankunft das Schlafzimmer des Chefingenieurs zugeteilt wird. Der Chefingenieur heißt Paulus (er ist Christ und kommt aus Yogyakarta). Er sieht in seiner Latzhose wie ein dicker Teddybär aus. Paulus hat mir seine Schlafkabine überlassen im Austausch für tägliche Englisch-Konversation. Mit brennendem Interesse lauscht er meinen Erzählungen aus Deutschland und fragt mich über alles Mögliche aus, vom Wetter über das Sozialsystem bis zur Funktionsweise unserer Heizungen. Er hofft, dass er bald einmal für seine Firma nach Deutschland fahren kann und findet es etwas schade, dass ich nichts über Papenburg an der Ems berichten kann, dem Ort wo die Tilongkabila gebaut wurde.

Ich bin erkältet und verbringe den ersten Tag schlafend und schniefend im Bett. Am zweiten Tag traue ich mich raus. Alle schauen mich neugierig an. Das muss wohl daran liegen, dass sonst keine Touristen an Bord sind, oder auch daran, dass ich Chili-Pflaster auf die Schläfen geklebt habe (hilft angeblich gegen Erkältung). Die Tilongkabila läuft gerade (tuut tuut) in den Hafen von Bau Bau ein, und ich schaue zu, wie die Leute draußen eine Gangway an die haushohe Schiffswand heranschieben. Viele Träger in Blaumännern helfen dabei, richten aus, korrigieren. Dann öffnet sich der Bauch des Schiffs und die ersten Träger stürmen unter lautem Gejohle an Bord. Scheint, als sei ihnen ein Job sicher.

Aus den Lautsprechern schallt eine Durchsage über das Schiff: Sehr geehrte Fahrgäste, heute empfiehlt die Cafeteria Ayam Bakar KFC (Hühnchen nach KFC Art) oder Bakso (Suppe mit Fleischbällchen). Wir haben uns schon mit den Jungs von der Cafeteria angefreundet. Wenn wir kommen, geben sie uns einen Tee aus. Dede kommt aus Bandung (das „Paris von Java“) und hat innen braune, außen blaue Augen. Ali ist vom Volk der Bugis, ein Seefahrervolk aus Süd-Sulawesi und früher gefürchtete Piraten. Sogar der Ausdruck Bogieman kommt von der der legendären Grausamkeit dieses Volkes. Ali sieht aber ziemlich harmlos aus. Sam kommt aus Tanah Toraja, einer sehr ursprünglichen Gegend in Zentral-Sulawesi, wo die Leute Häuser wie Schiffe bauen und einem seltsamen Totenkult frönen (dazu später mehr). Meines Wissens nach hat Sam jedoch keine tote Oma zuhause sitzen.

Das Bordleben entwickelt seinen eigenen Rhythmus. Nachdem wir die Cafeteria auf Deck 7 besucht haben, laufen wir eine Runde über Deck 6, an der Moschee und dem Film-Theater vorbei (heute: Prince of Persia). Dann runter auf Deck 5 und rein in die Ekonomi Class im Innern des Schiffes (das wäre normalerweise unser Los gewesen, Matratzenlager mit 50 Mann ohne nennenswerte Belüftung). Vorbei am Gemischtwarenladen (Obst, Kleider, Spielsachen etc.) und dann wieder rauf auf Deck 6, auf einer Bank niederlassen und lesen oder das Meer und die Küste betrachten. Zwischendurch schlurfe ich in die Kabine und finde ein leckeres Essen vor, das der Zimmerservice für mich dagelassen hat. Abends sitze ich mit Paulus auf der Couch und schaue Fernsehen, entweder die Fußball WM oder seine Lieblingssendung Termehek-mehek, die vom Wiederfinden verlorener Familienmitglieder handelt.

Wenn wir draußen sind, dauert es meistens nicht lange, bis sich jemand dazugesellt. Mancher kann englisch, wie Ketut aus Bali, der in einem Hotel arbeitet und in Sulawesi seine Schwiegereltern besucht. Er diskutiert mit uns die Probleme mit seinem 16-jährigen Sohn, der oft die Schule schwänzt, aufmüpfig ist und ewig am Computer hockt. Er ist überrascht, als wir ihm versichern, dass Eltern in Deutschland in etwa die gleichen Probleme haben.
Die meisten Passagiere, die mit uns reden wollen, können jedoch kein Englisch, und so muss ich alles geben, um aus meinem bescheidenen Vokabular in Bahasa Indonesia Konversation zu machen. So erfahre ich interessante Dinge. Zum Beispiel, dass es Taschendiebe an Bord gibt, vor allem aber im Hafen von Bima (Sumbawa). Oder dass man in meinem Alter echt verloren hat, wenn man noch nicht verheiratet ist und Kinder hat. Ich muss erzählen, wo ich Bahasa Indonesia gelernt habe. Auf Bali. Oh – Bali. Da waren die meisten noch nicht, aber sie wissen, dass es dort Nachtleben und Drogen gibt, und außerdem Geisterbeschwörung und „Black Magic“. Das mag wohl sein. Aber wir haben dafür „White Magic“. Alle sind von uns verzaubert und wollen uns mit ihren Handykameras knipsen.

Paulus ruft mich. Er hat arrangiert, dass ich auf die Brücke kommen darf. Dort schüttelt mir Käptn Mohammad Djahuri die Hand, und ich kann zuschauen wie er und seine Crew das Schiff in den Hafen von Luwok steuern, der so klein ist, dass nur ein Schiff darin Platz hat. Der Käptn sagt „sepuluh kiri“ (10 links) und die Crew ruft „sepuluh kiri!“ und betätigen irgendwelche Instrumente. Für mich das reine Wunder, dass dieser Riesenhaufen Stahl schließlich langsam andockt, ohne irgendetwas zu zertrümmern.

Am Abend des dritten Tages schauen wir uns von der Cafeteria aus die Einfahrt in den Hafen von Gorontalo an. Es ist 22:00 Uhr und längst dunkel. Vom Festland hören wir viel Geschrei, können aber nicht erkennen, wieso. Komisches Volk hier. Außerdem fahren sie hier mit seltsamen Gefährten, die aussehen wie Becaks (Fahrradrikscha), aber mit einem Moped bestückt sind. Daher heißen sie Bentor, von Becak und Motor. Dede versichert, dass es diese Gefährte nur hier in Gorontalo gibt, sonst nirgendwo. Toll, dass man in einer Stadt, deren Namen ich bis gestern nicht kannte, ein eigenes Verkehrsmittel erfunden hat. Überhaupt ist es zwar verwirrend aber auch schön, dass der öffentliche Nahverkehr in Indonesien, der größtenteils aus Becaks und Bemos (Sammeltaxis) besteht, noch so un-globalisiert ist. An jedem Ort heißen die Gefährte anders und sie sehen auch immer etwas anders aus.

Am vierten Tag ist die Reise schon zu Ende. Schade! Wo wir uns grade dran gewöhnt hatten. Über eine wackelige Treppe wanken wir aufs Festland. Paulus winkt uns hinterher. Er und seine Leute müssen die Maschine überholen, und am nächsten Tag fahren sie wieder zurück nach Bali. Diana und ich winken zurück und machen uns auf nach Manado, wo die Bemos Microlet heißen.

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Mein Dickes B

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Nach fast sechseinhalb Jahren betrete ich ihren Boden und atme ihre Luft, diese wunderbare Mischung aus Räucherstäbchen und Mopedabgasen, Blumen und verbrennendem Plastikmüll. Ah – Bali.

Der nächste Eindruck: zerbrochene Kanaldeckel, Australier mit Surfboards oder Bierbäuchen und Bintang Bier T-Shirts, und ein bedrängendes Überangebot an Transport (Motorbike / Taxi), Sonnenbrillen, Massagen und kopierten DVDs. Ah – Kuta.

Hier hat sich nichts geändert. Das Verkehrschaos tobt, Müll wird überall auf die Straße entsorgt, und es bleibt ein Rätsel, was sie hier wollen, all die Touristen, darunter ich. Ich will zunächst nur etwas Internet-Anschluss und in Sams Werkstatt eine Ledertasche machen.

Sam ist ein Bekannter von Diana. Er kommt aus einem kleinen Dorf in Java. Vor 6 Jahren hatten wir sein Dorf sogar besucht. Jetzt ist er verheiratet und hat zwei Kinder, wohnt aber immer noch in dem gleichen 1-Zimmer-Apartment in Kuta. Etwa 25 qm für eine Familie. Um den flachen Bungalow-Bau herum läuft eine geflieste Terrasse. Davor ein Garten mit Bananen und Gemüse und getretenen Wegen, wo die Kinder auf Fahrrädern umherfahren und die Frauen ihre Babies im Kinderwagen schaukeln. Im betonierten Eingangsbereich der eingezäunten Wohnanlage wird abends ein Volleyballnetz aufgespannt, scheinbar auf Initiative einiger junger Frauen, denn Männer habe ich dort noch nicht spielen sehen. Die sitzen in ihren Garagen-Werkstätten, fertigen Leder-Handtaschen oder Schuhe oder malen Bilder und schauen sich dabei die WM im Fernsehen an.
In Sams Werkstatt den Nachmittag zu verbringen ist eine Freude, denn erstens kann ich etwas Neues dabei lernen, und zweitens bringt es mich weg von dem touristischen Overkill in Kuta. Am zweiten Tag kann ich von einem Nachbar ein Fahrrad ausleihen, und habe mich damit hochgearbeitet auf das Mobilitätslevel der Indonesier. Die sind zwar immer noch schneller mit ihren Motorbikes, aber zumindest bin ich schnell genug, um den Händlern zu entwischen und das Angebot „Transport!“ erübrigt sich ebenfalls von selbst. (Bloß rufen sie mir jetzt nach “Transport – how much!?” in Anspielung auf meinen gepolsterten Fahrrad-Gepäckträger).

Es wird Zeit, wieder Indonesisch zu praktizieren. Auf dem Weg zum Flughafen, am Strandweg entlang (der einzige nichtmotorisierte Weg Balis und damit sehr zu empfehlen für Fahrradfahrer) halte ich an und kaufe einen Bubur Kacang Hijau (in süßer Kokosmilch zu Brei gekochte grüne Mungbohnen) und setze mich zu den Anderen nieder, die im Schatten eines Baumes Opfergaben basteln. Schon werde ich gefragt. „Dari mana“ (woher), „Ke mana“ (wohin), „Berapa lamu di sini“ (wie lange hier) undsoweiter. Ich schlage mich gut. Erst als andere Touristen vorbeikommen, merke ich, dass ich es mit einem der gefürchteten Sonnenbrillenverkäufer und einigen Strand-Masseurinnen zu tun habe. Aber mir bieten sie ihre Produkte nicht an. Jetzt tut es mir leid, dass ich ihresgleichen normalerweise immer nur als Nervensägen betrachte. Und schon ein paar Worte Bahasa Indonesia gepaart mit dem touristisch unüblichen Konsum eines Bubur Kacang Hijau können alles ändern. Zum Abschied rufen sie mir nach „Selamat jalan“ (gute Fahrt) und „Hati-hati ya“ (schön vorsichtig). Juhu! Angekommen in Indonesien.

Und genaugenommen ist der Verkehr auch nicht so schlimm. Nachdem ich diesen Artikel auf Zeit Online gelesen habe, der davon handelt, alle Verkehrsregeln abzuschaffen und stattdessen Rücksicht walten zu lassen, da kann ich nur sagen: Indonesien ist schon soweit!

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Tschüs Klaus…

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Es war eine schöne Zeit mit Klaus. Schwer beladen mit Kokosnüssen und Sarongs ist er nach Hause geflogen.
Aber obwohl er nur kurze Zeit in Indonesien weilte, hat er auf Gili Terawangan seine Spuren hinterlassen:

klaus

Singapur macht keine halben Sachen

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Nach dem Motto „Erwarte nichts und lasse dich dann positiv überraschen“ kam ich ohne Erwartungen am Changi Airport Singapur an. Eigentlich nicht GANZ ohne Erwartungen. Von anderen Reisenden hatte ich erfahren, dass Singapur eine vollklimatisierte langweilige Blase im abenteuerlichen Restasien ist. Von Singapurern habe ich erfahren, dass es nichts zu sehen gibt („Ihr wollt nach Singapur kommen? Warum? Bestimmt zum shoppen?“). Aus der Presse habe ich erfahren, dass es in Singapur die Prügelstrafe gibt und man kein Kaugummi kauen darf.
Natürlich fiel als erstes die Sauberkeit auf. Wir standen auf dem Bahnsteig und schauten uns um – nicht nur um den richtigen Zug in die Stadt zu finden, sondern auch um zu verifizieren, dass tatsächlich keine hässlichen Kaugummi-Flecken den blitzblank gewienerten Granitboden verunzieren. Eine chinesische Familie, bestehend aus Mutter, Baby und Opa sprach uns an, erklärte uns den Weg in die Stadt, schenkte uns noch einen Metroplan und schob uns in den nächsten Zug. Wir lobten Singapur, die Organisation, die Sauberkeit usw. Die junge Mutter antwortete, jaja, alles schön und gut, aber manchmal auch ein bisschen zu viel. Deswegen hieße es ja auch „Singapore is a fine city“. Im doppelten Sinn des Wortes. Da wir weder im Zug aßen (500 $), noch rauchten (1000 $), noch Drogen mitführten (Todesstrafe), noch schwarz fuhren oder Durian-Früchte hatten, entspannten wir uns ein wenig. Ich dachte nur etwas bang an die Kaugummis, die in meinem Rucksack schlummerten und hoffte, dass zumindest deren Import nicht verboten war. Wir kamen in einem netten Hostel mit blitzblank weiß gefliesten Böden, Zugangscodes zu jedem Gang und Plastikfrühstück am Rande von Little India unter.

Little India
Little India ist logischerweise von Indern bevölkert, man findet dort Hindu-Tempel, Läden wo man sich mit Saris oder Punjabi Suits, Goldschmuck oder den letzten Bollywood-DVDs eindecken kann, Restaurants aller indischen Küchen. Es fühlt sich also an wie Indien – nur ohne Kühe, Ziegen und Hühner, ohne Sadhus und Bettler und Menschen die auf der Straße leben, ohne gammligen Müll, ohne Mopeds und Rikschas und in Kamikazemanier fahrender und schwarze Rauchwolken ausstoßender LKWs. In Singapur halten sich alle an die Regeln. Das kann einem fast Angst machen. Keiner schmeißt Müll weg. Keiner hupt. Keiner fährt bei Rot durch. Ganz gemütlich läuft man durch die Straßen, schaut sich das Leben an, geschäftig aber nicht chaotisch, exotisch aber nicht belästigend, hält bei der Gemüseauslage eines Ladens, kauft ein paar Mangos, Singapur ist wunderbar!

Chinatown
Hier fragt man sich zunächst: „Warum hat eine von Chinesen dominierte Stadt eine Chinatown?“. Anwort: Natürlich zum Geld verdienen. Die Chinatown ist ein Viertel voll hübscher kleiner Häuser, hauptsächlich mit (China-)Restaurants und Läden gefüllt. Ich weiß nicht, wie viele Chinesen in Chinatown leben, aber anders als Little India „von Indern – für Inder“ scheint Chinatown eher „von Chinesen – für alle die Geld haben und es ausgeben wollen“ zu sein. Wir nähern uns Chinatown von der Marina aus. Es ist fünf Uhr und aus den umliegenden Bürotürmen stürmen Banker und Berater heraus. Sie tragen heute keine Anzüge, sondern Laufschuhe, kurze Hosen und T-Shirts, auf denen Cisco, Deloitte oder ähnliches aufgedruckt ist, weil JPMorgan zum Citylauf aufgerufen hat. Nachdem wir uns zwischen den Bankern und deren Glas- und Stahlpalästen und einer weiteren Palastbaustelle durchgewühlt haben, bietet sich die erste Möglichkeit, in eine kleine Seitenstraße einzubiegen, die Telok Ayer Street. Kleine bunte Reihenhäuser, darin kleine Öko-Läden, Massagestudios oder Antiquitätengeschäfte, eine andere Welt, alternative Szene, Nauwieserviertel, die Bürotürme schauen ihnen skeptisch über die Schulter. In diesen ruhigen Straßen umherzuschlendern, die später Richtung MRT (Metro)-Station geschäftiger werden, in einen taoistischen Tempel hineinzuschnuppern, und später die Chinesen-Mall zu finden, mit einem wahnsinnigen Angebot an nachgemachten Designersachen und authentischem Essen (z.B. Entenzungen und Schweineschwänze), Singapur ist vielfältig!

Straßenküche
Es ist nicht jedermanns Sache, an einem Straßenstand zu essen. Während ich selbst bisher kein Problem damit hatte, ist mein momentaner Begleiter, der nicht namentlich genannt werden will (nennen wir ihn Klaus), selbstbekennender Hygienefreak und immer etwas pingelig, weniger geneigt, das erstbeste Saté von einem umherfahrenden Fleischspießgriller zu nehmen. Aber Singapur wäre nicht Singapur, wenn sie nicht auch das geregelt hätten. Alle mobilen oder festeingerichteten Küchen in den Foodcourts und Märkten der Stadt sind mit einer Sauberkeits-Plakette ausgestattet, die die Bezeichnung A, B, C oder D trägt. Dabei steht A für supersauber, B für ziemlich sauber, C für einigermaßen sauber und D für nicht ganz so sauber aber immer noch besser als der Standard in Indonesien. Da haute sogar Klaus rein und bestellte sich zum Baozi mit Algensalat noch eine Kokosnuss. Singapur ist sauber!

Zoo
Der Zoo von Singapur ist eines der Highlights in der ohnehin von Highlights geplagten Stadt. Schon die Website ist einen Besuch wert. Und dann die Landschaft, Singapur ist tropisches Regenwaldgebiet, und überall wo gerade nichts zubetoniert ist, wachsen riesige Pflanzen von üppigem Grün.

Wenn man zum Zoo will, muss man die MRT zur Haltestelle Ang Mo Kio nehmen und von dort einen Bus. Daher fragt der freundliche Fahrkartenverkäufer, nachdem man die MRT-Station nennt, ob man denn zum Zoo möchte und erklärt dann den Weg, während er einen Zettel überreicht, auf dem die Beschreibung nochmals abgedruckt ist. So ist nämlich Singapur. Kein Herumfragen, worauf man von 3 Leuten in 4 verschiedene Richtungen geschickt wird. Sondern proaktiv. Straightforward. Und kommt man an der MRT-Station an, sagen sie einem auch noch, dass man den Bus gar nicht braucht, sondern mit dem kostenlosen Shuttle fahren kann, wenn man gleich ein Eintrittsticket inkl. Tramfahrt kauft, und das Ticket ist nicht gefälscht, alles ganz transparent. Sie haben uns eine Tramfahrt angedreht, und wir freuen uns sogar.

Zunächst brauchten wir keine Tramfahrt, denn der Zoo ist so aufgebaut, dass vom Hauptweg links oder rechts ein kleiner Weg abgeht, der zu einem bestimmten Thema führt – wie Australian Outback, Afrikanische Savanne, Regenwald oder Primatenzone. Durch ein schlaues Konzept von natürlichen Barrieren wie Wassergräben, Mauern und mit Draht präparierten Bäumen wird der Blick durch unschöne Gitterstäbe vermieden. Manche Tierchen bewegen sich auch mehr oder weniger frei durch den Zoo oder man kann ihnen im Themengehege begegnen. So z.B. das Regenwald-Gehege (einer meiner Favoriten), ein auf Baumhöhe abgezäunter Bereich, in dem sich Flughunde, Papageien, Schmetterlinge, Kattas und ein Faultier tummeln. Ein Highlight waren auch die Orang Utans, die sich durch die Baumkronen schwangen und die sehr seltenen Nasenaffen, die übrigens nur auf Borneo vorkommen und von den Malaien Orang Belanda („Niederländer“) genannt werden. Als sich dann wolkenbruchartig der Himmel öffnete und uns daran erinnerte, dass wir uns im REGENwald befinden, lösten wir glücklich unsere Tramfahrt ein. Singapur ist grün!

Shopping
Die zweite Nationalobsession der Singapurer gleich nach Essen ist Shopping. In Singapur wird nicht gefragt, ob jemand ein iPhone hat oder nicht, sondern ob er eine grüne oder pinke HelloKitty-Hülle dafür hat. Um auch dieses Stück Singapur-Kultur einmal mitzuerleben, machten wir uns auf zur Orchard Rd. An dieser Straße reiht sich ein siebenstöckiges Shopping-Center an das nächste, wobei vermutlich jede Etage eines jeden Shoppingcenters den Geschäftsumfang der Saarbrücker Bahnhofstraße besitzt. Leider ist aber auch das Warenangebot fast so begrenzt wie das der Bahnhofstraße. Singapur ist verliebt in Europa. Es finden sich sämtliche französische, italienische und spanische Designer (und nur die). Von Mango und Zara über Roberto Cavalli und D&G bis Chanel und Prada. Wenn mir schon von außen die Louis Vuitton-Taschen entgegen grinsen, will ich gar nicht erst rein. Also beschränkten wir uns darauf, die Architektur und multifarbig-LED-beleuchteten Fassaden zu bestaunen. Ein Glück – so haben wir wenigstens Geld gespart!

Manchmal fragte ich mich aber schon, wer das ganze Zeug eigentlich kaufen soll? Die Antwort fand sich in einer Zeitung, die ich am nächsten Morgen im Hostel las. Darin stand: Singapur liebt chinesische Touristen, denn sie kommen, um Geld auszugeben (1,4 Mill. S$ in 2009). So ist die Geschichte einer Reisegruppe aus Wenzhou überliefert, die die Regale eines Louis Vuitton Shops leerräumten, als sie an einem einzigen Nachmittag Produkte im Wert von 300.000 S$ kauften. So geht Shopping chinese style. Singapur macht keine halben Sachen!

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Vipassana oder Die Kunst zu Leben

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Also was haben wir gemacht, in diesem Vipassana Kurs, was ist das überhaupt, und wozu das Ganze?

Unser Tagesablauf wird vom Gong bestimmt. Zum ersten Mal wird er um 4 Uhr morgens geschlagen. Dann müssen wir aufstehen und uns für die erste Meditation um 4:30 fertig machen. Natürlich mit einem Lächeln im Gesicht – schließlich lernen wir hier Equanimity, Gleichmut. Die 10 Stunden Meditation am Tag fließen langsam dahin und sind nur unterbrochen von einem Frühstück, Mittagessen, Teepause und Diskurs. Um 21:00 dürfen wir uns zum letzten Gongschlag zurückziehen.

In den ersten Tagen war es mit meinem Gleichmut noch nicht so weit her. Knieschmerzen, rülpsende Chinesen und Schlafattacken während der Meditation machten mir das Leben schwer. Aber der Reihe nach…

Am 14.4. reisten wir per Überlandbus von Kuala Lumpur nach Kuantan, nahe der Ostküste Malaysias, wo das Zentrum Dhamma Malaya ganz abgeschieden inmitten von Ölpalmenplantagen und tropischem Wald liegt.
Zusammen mit etwa 50 Chinesen, einigen Indern, Malaien und einer Handvoll Westler bezogen wir unsere hübschen kleinen Einzelzimmer, die wie Mini-Reihenhäuser über das Gelände verteilt waren. Männer und Frauen waren getrennt untergebracht, teilten sich aber Kantine und Meditationshalle, die deshalb auf der Mittellinie des Geländes standen.

Bei der Einführungsveranstaltung mit einem vegetarischen Abendessen freundeten wir uns mit unserer Tischnachbarin an und lernten, was Multikulti in Malaysia heißt. Janice sieht chinesisch aus, spricht aber kein Mandarin, sondern nur einen sonst in Malaysia unbekannten chinesischen Dialekt, war auf der englischen Schule, hat eine christliche Mutter und einen buddhistischen Vater.

Nach Einweisung in die zahlreichen Regeln unseres klostergleichen Lebens wurden wir in die Haupthalle geführt, wo der Marmorboden mit Sitzkissen ausgelegt war. Jeder hatte ein bestimmtes Kissen zu beziehen, meines war in Reihe E, Platz 1. Danach gab es die erste Meditationsstunde und dann wurde es ernst – ab jetzt und für die nächsten 10 Tage durfte nicht mehr gesprochen werden.

Wir begannen mit der Praxis von „Dhamma“. Dhamma heißt „Gesetz“ in der Pali-Sprache, die vor 2500 Jahren in Indien gesprochen wurde, als ein Mann namens Gotama die Grundgesetze des Lebens erforschte, sich so von allen Leiden befreite, und danach der „Buddha“ genannt wurde (der Befreite, der Erleuchtete). Nach seiner Erleuchtung mit 35 Jahren bis zu seinem Tod mit 80 Jahren verbrachte der Buddha jeden Moment damit, Dhamma zu lehren. Das Werkzeug dazu ist die Vipassana-Meditation. Vipassana heißt, die Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind (und nicht wie man sie haben möchte)

Zu Gotamas Lebzeit praktizierte fast ganz Nordindien Vipassana. So ging er als der Buddha in die Geschichte ein und Religionen wurden gegründet, die sich auf seinen Namen beziehen. Das heißt aber nicht, dass er einen Sonderstatus hatte, sozusagen das Monopol auf die Erleuchtung. Hingegen gab es vor, während und nach seiner Zeit zahlreiche Menschen, die die Befreiung erlangt haben, nur sind sie nicht so berühmt geworden. Der Buddha selbst hatte kein Interesse daran, eine Religion zu gründen. Seine ursprüngliche Lehre ist so universell wie unser Leben auf der Erde. Da wir diese Lehre in unserem Kurs lernen, führen auch wir keinerlei religiöse Rituale durch, es geht also nicht darum, zum Buddhismus zu konvertieren oder sich von der eigenen Religion abzukehren.

Diese reine Lehre des Buddha wurde über die Jahrhunderte in vielen Teilen der Welt vergessen, aber in Burma wurde sie noch von einigen Mönchen bewahrt und von Generation zu Generation weitergegeben. Hier kam unser Lehrer, S.N. Goenka, ein Inder, der in Burma aufgewachsen ist, in Kontakt mit der Meditationstechnik. Er war ein erfolgreicher Geschäftsmann und wollte durch die Meditation eine Migräne kurieren, die ihn jahrelang gequält hatte. Dann aber war er so überzeugt, dass er weiter praktizierte und lernte, bis er nach 14 Jahren selbst Lehrer war. Er zog nach Indien und begann, Vipassana-Kurse abzuhalten, die nach kurzer Zeit schon viele Menschen anzogen. Nach und nach baute er Meditationszentren in vielen Ländern der Welt auf (auch in Deutschland). Die Zentren sind durch Spenden finanziert, und Spenden werden nur angenommen von Leuten, die mindestens einen Kurs besucht und für nützlich befunden haben. Auch das anwesende Personal arbeitet ehrenamtlich.

S.N. Goenka war unser Lehrer während dieser 10 Tage, denn jeden Abend durften wir uns seinen Diskurs als Videoübertragung anschauen. Die anwesenden Lehrer waren nur Assistenten, die wir bei Fragen ansprechen konnten. So (vermute ich) soll die Lehre möglichst rein gehalten werden, ohne dass jeder Lehrer seinen eigenen Stil entwickelt und langfristig die Lehre verfälscht.
Woraus besteht nun Dhamma? Aus drei Bestandteilen:

Sila (Moral)

Der erste Stützpfeiler von Dhamma verlangt von uns, gute Menschen zu sein, also anderen Menschen bzw. Lebewesen nichts Schädliches anzutun. Hier ist für uns nichts zu tun, denn durch den vollgepackten Tagesablauf, das vegetarische Essen (nicht töten) und die Schweigepflicht (nicht lügen) haben wir gar keine Chance, andere Lebewesen zu schädigen (ich muss allerdings gestehen, dass ich mal einen Moskito erschlagen habe und ein paar Ameisen meine Kehraktionen möglicherweise nicht überlebt haben).

Samadhi (Beherrschung des Geistes)

Der Geist ist, wie schlaue Leute so schön beschrieben haben, wie ein Affe, der von Baum zu Baum hüpft. Ständig schwingen wir uns von einem Gedankengang zum Nächsten. Meist erleben wir dabei die Vergangenheit wieder oder stellen uns die Zukunft vor, selten befinden wir uns voll und ganz in der Gegenwart. Dabei – was ist schon die Vergangenheit? Eine leer gegessene Pralinenschachtel, die allenfalls noch gut riecht (oder schlecht). Und was ist schon die Zukunft? Ein Päckchen mit der Aufschrift unserer Illusionen, aber was letztendlich drin ist, wissen wir nicht. Im normalen Leben fällt uns das natürlich nicht auf. Aber jetzt werden wir gebeten, uns auf die Atmung zu konzentrieren. Beobachten. Ist der Atem tief oder flach? Geht er durch das linke oder rechte Nasenloch, oder beide? Schon bald schweifen die Gedanken ab. Dann muss man sie wieder einfangen. Manchmal merke ich erst nach Minuten, dass ich schon wieder ganz woanders bin. Dann darf ich mich nicht ärgern. Wie man einen Affen trainiert, mit viel Geduld und Konsequenz (bitte nicht mit Schlägen), so soll man auch den Geist trainieren.

Panna (Weisheit)

Nach 3,5 Tagen Beobachtung der Atmung und der Hautreaktionen um die Nase herum dürfen wir unseren Horizont erweitern. Am 4. Tag findet der Vipassana-Tag statt, und jetzt wird uns die eigentliche Technik erklärt. Meine Erwartung war, dass wir jetzt anfangen, uns mit den Problemen der Welt oder unseres Lebens zu beschäftigen. Aber nichts dergleichen. Nun müssen wir den ganzen Körper Stück für Stück durchgehen und die Hautreaktionen an der jeweiligen Körperstelle fühlen. Natürlich war beim ersten Versuch fast alles taub. Wenn man die Augen schließt und sich konzentriert, ist es leicht, ein Kribbeln oder Pulsieren an Fingerspitzen oder Schläfen zu fühlen. Aber viele andere Körperteile sind diese Aufmerksamkeit überhaupt nicht gewohnt. Dabei finden überall ständig irgendwelche Veränderungen und Reaktionen im Körper statt, die man fühlen kann, wenn man aufmerksam genug ist. Was hat das nun mit Weisheit zu tun?

Wir lernen hiermit das Gesetz der Impermanenz kennen. Alles ist im Fluss, alles ändert sich ständig, nichts kommt auf die Welt und bleibt unverändert für immer. Natürlich wussten wir das schon. Aber etwas auf intellektueller Ebene zu wissen, ist nicht dasselbe wie es aus eigener Erfahrung zu wissen. Deshalb schauen wir wie ein Naturforscher selbst nach – in unserem eigenen Körper, denn nur dort können wir es aus erster Hand erfahren. Nach etwas Übung fühlen wir schon eine ganze Menge. Hier ein Pulsieren, dort ein Prickeln, Kribbeln, Pieksen, Wärme, Druck, Zusammenziehen, Schmerzen, usw. Manche Gefühle sind angenehm, andere unangenehm. Bei jedem Gefühl erfahren wir, dass es auftritt und wieder vergeht. Auftritt und wieder vergeht. Nichts bleibt für die Ewigkeit. Währenddessen bewahren wir völligen Gleichmut, sowohl gegenüber angenehmen Gefühlen als auch gegenüber unangenehmen Gefühlen.

Der Sinn dieser Übung ist es, unser Verhaltensmuster zu ändern. Normalerweise reagieren wir bei unangenehmen Gefühlen mit Ablehnung (weg damit!), bei angenehmen mit Verlangen (mehr davon!). Beide Reaktionen machen uns unglücklich. Durch Vipassana lernen wir, einfach nicht zu reagieren und dabei glücklich zu sein. Zuerst reagieren wir nicht auf die körperlichen Gefühle, und wenn wir völlig ausgeglichen sind, dann können wir auch tiefere Ablehnungen und Verlangen aus unserem Leben ausradieren.

Nun bin ich noch lange kein Profi in der Meditation, und ich könnte nicht sagen, dass sich bereits viele Ablehnungen und Verlangen aus meinem Leben verabschiedet haben. Aber schon jetzt merke ich eine Verbesserung. Ich habe erfahren, dass Stimmungen und Körpergefühle zusammenhängen. Wenn ich z.B. ärgerlich bin oder mich auf etwas freue, kann ich spüren, wie mein Körper reagiert. Und dass davon meine aktuelle Stimmung kommt. Wenn man das begriffen hat, fühlt man sich weniger abhängig von Stimmungen und kann sagen: „mein Gesicht ist warm, mein Herz schlägt schneller – warum deshalb sich aufregen?“
Besonders gut ist die Beobachtung des Körpers, wenn man ein starkes Verlangen, bzw. Abhängigkeit hat. Man erkennt nämlich, dass man nicht nach einem bestimmten Objekt verlangt (Schokolade, Tabak, neue Handtasche etc.), sondern nach dem bestimmten Körpergefühl, das sich dabei einstellt. Wenn das Objekt erst mal erworben wurde, lässt dieses Gefühl nach, und ein neues Verlangen muss her. Allein durch das Beobachten dieser Verhältnisse macht man sich unabhängiger und kann die Abhängigkeit schließlich überwinden.

Mir haben diese 10 Tage sehr viel gebracht. Natürlich war ich immer wieder abgelenkt und habe an alles Mögliche gedacht. Aber auch das war nicht schlecht, weil ich durch die Ruhe und Inspiration einige interessante Ideen hatte. Und am 8. Und 9. Tag war ich stolz auf mich, weil ich sogar die nachmittägliche 4-Stunden-Session überstehen konnte, ohne leidvoll auf die Uhr zu schauen. Ich hatte es begriffen und war voll Gleichmut.
Es war, alles in allem, wie ein Trainingslager für eine neue Sportart. Nach 10 Stunden täglicher Meditation hatte man den reinsten Hirn-Muskelkater. Und wie jede Sportart, beherrscht man es nach 10 Tagen Trainingslager bei weitem nicht perfekt. Tägliche Übung ist nötig, damit sich positive Resultate im Leben einstellen, und ich bin motiviert es zu versuchen.

Ich würde den Kurs eigentlich jedem empfehlen, der Probleme hat oder die Welt so sehen möchte, wie sie wirklich ist oder sich dafür interessiert, wie es eigentlich in einem drinnen aussieht. Man sollte allerdings viel Disziplin mitbringen und den Willen hart zu arbeiten. Sonst verhält es sich so wie einmal ein Meditationslehrer gesagt hat: “Ich habe schon viele Hühner stundenlang auf ihren Eiern sitzen sehen, aber keines war danach erleuchtet”.

In diesem Sinne: May all beings be happy!

www.dhamma.org

Bye Bye Bkk

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Zum Abschluss noch ein paar Impressionen aus Bangkok, wo ich leider die letzten 3 Tage nicht mehr wirklich aus meinem Ghetto raus kam. Einkaufszentren geschlossen, Straßen gesperrt, und der Beginn des Songkran-Festivals fiel auch ziemlich “ins Wasser”.

Nächster Plan: Vipassana-Retreat, offline für die nächsten 10 Tage!
www.malaya.dhamma.org

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Happy Chinese New Year!

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Das Tet-Fest (= chinesisches Neujahrsfest) wird am ersten Januar des Mondkalenders gefeiert. Es ist das wichtigste gesellschaftliche Ereignis in Vietnam und ähnelt in seiner Auswirkung auf die öffentliche Stimmung unserer Weihnachtszeit inkl. Silvester. Diesmal fällt es auf den 14. Februar und wir erwarten das Jahr des Tigers. Was wir in Hanoi erleben konnten, ist sicher nur ein Teil der vielen Bräuche und Traditionen (schließlich waren wir nicht bei einer vietnamesischen Familie eingeladen), aber es war sehr aufschlussreich. Folgende Aktivitäten konnten wir beobachten:

Frei nehmen
Das Tet-Fest dauert 3 Tage (14.2. – 17.2.2010). Wer es sich leisten kann, nimmt bis zu 2 Wochen frei. Zum Tet-Fest möchte jeder nach Hause reisen, und so setzt schon Wochen vor dem Fest eine wahre nationale (aber auch internationale) Völkerwanderung ein.

Einkaufen
Kurz vor dem Fest geht es sehr hektisch zu. Idealerweise soll alles erneuert werden: man streicht Wände neu, kauft sich neue Kleidung, besucht den Friseur und geht vorbereitenden Einkäufen nach. Außerdem versucht man, Schulden zu begleichen und sich zu versöhnen.

Falschgeld verbrennen
Die Ahnenverehrung ist jetzt ein wichtiger Punkt im Familienleben. Um den Verstorbenen Verwandten im Jenseits ein sorgenfreies Leben zu ermoeglichen, wird falsches Geld, auch Hoellengeld genannt, verbrannt.

Dekoration
Man schmückt die Wohnung mit gelben Blumen, Pfirsichzweigen und allerlei Glücksbringern.
An der Mauer des Literaturtempels bieten zahlreiche Chinesen rote Papierbänder an, auf die sie Neujahrssprüche in chinesischen Tuschezeichen schreiben. Rot steht für Glück. Sehr beliebt ist auch das Aufstellen eines Mandarinenbäumchens.

Essen
Natürlich gibt es am Neujahrsabend ein Festmahl. Dabei darf der Reiskuchen nicht fehlen, eine Pastete von Klebreis, Bohnenpaste und Schweinefleisch, in grüne Blätter eingewickelt und mit Bindfäden verschnürt.
Es wird auch ein Opfer an den Küchengott gebracht, bestehend aus meist süß-klebrigem Reis, Früchten und gern einem gekochten Hühnchen mit einer Rose im Schnabel. Der Küchengott weilt gerade beim himmlischen Jadekaiser, um über die Vorkommnisse des letzten Jahres Bericht zu erstatten, und durch das Opfer soll er zu einem positiven Bericht hingerissen werden.

Am Neujahrsabend
In Hanoi geht man zum Hoan Kiem-See, wo es um 0:00 Uhr ein großes Feuerwerk gibt. Generell macht man gern viel Krach in dieser Nacht, weil das die bösen Geister daran hindert, mit ins neue Jahr zu kommen. (Wobei in Hanoi ständig so viel Krach herrscht, dass alle Geister mit Sicherheit längst geflüchtet sind)

Nach dem Feuerwerk beeilt man sich, nach Hause zu kommen. Nicht nur, weil es kalt ist und regnet, sondern weil man nun auf den ersten Gast wartet, der das Haus betritt. Der als Erster über die Schwelle tritt, sollte vorzugsweise ein Mann sein (klar!), der fröhlich ist und viel Glück und Erfolg im Leben hat, und sein Sternzeichen sollte zu dem des Gastgebers passen. Beispiel: wenn der Gastgeber im Jahr der Ratte geboren ist und der Gast im Jahr der Katze, dann sollte dieser Gast nicht als erstes passieren, weil Katzen schon mal Ratten fressen.

Auf dem Rückweg nach Hause sollte man einen grünen Zweig besorgen, der einen jungen Trieb hat. Dieser treibt im Haus aus, und steht für das Gedeihen des Hauses. Früher, so hat man uns gesagt, haben die Leute die jungen Triebe von den Bäumen geschnitten. Das ist jetzt verboten, sonst stünden am Hoan Kiem-See jetzt wohl nur noch Stämme (andererseits könnte man dann das Feuerwerk besser sehen!)

Neujahrslied
An Neujahr gibt es nur EIN Lied zu hören, nämlich dieses. In der Endlosschleife!

Mehr bei Wikipedia .

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Gewinnspiel

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Ich möchte das Antwortverhalten meiner treuen Blog-Leser verbessern, und dazu ist mir jedes Mittel recht – wie wäre es also mit einem Gewinnspiel. Wenn es was zu gewinnen gibt ist doch sicher jeder dabei…?

Seit drei Wochen und über drei Länder hinweg war meine liebe Begleiterin Diana auf der Suche nach einem Produkt. Es war nirgends zu bekommen, die Asiaten hatte nicht mal Verständnis für ihren Wunsch. In Deutschland ist es Gang und Gebe, und auch hier existiert es, aber das Problem ist einer der Inhaltsstoffe. Dabei hat Diana keinerlei Allergien. Was könnte das sein?

Der Gewinner bekommt einen Brief mit einer Postkarte und einer kleinen Überraschung drin.

Viel Glück!