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Botswana

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Wir sitzen an der Raststätte Nata und warten auf den Anschlussbus nach Maun. Von Kasane nach Nata haben wir 5 Stunden im Bus gesessen und 2 Stunden gewartet (es heisst ja, wenn man nicht gewartet hat, war man nicht in Afrika). Dazu mussten wir zweimal ueber Checkpoints, wo wir mit unserem gesamten Gepaeck aussteigen mussten und dann entweder auf Drogen, Obst (wegen Verbreitung irgendeiner durch Fruchtfliegen uebertragenen Seuche) oder Fleisch (wegen der Maul- und Klauenseuche) untersucht wurden. Es war heiss und trocken und das Buschland, das wir durchquerten – rechts der Chobe National Park, links die Grenze zu Simbabwe – schien endlos zu sein. Der Sonnenuntergang sah aus wie in einem Kitschfilm ueber Afrika (leider konnte ich ihn aus dem Bus nicht fotografieren) und wir sichteten sogar einige Giraffen unterwegs. Der Botswaner (oder wie heisst das?) lachte ueber meine Begeisterung fuer die Tiere. Er sagte, Afrikaner saehen Tiere in allererster Linie als saftige Steaks, und verspuerten bei ihrem Anblick daher den starken Drang, sie zu schlachten. Und ja, man koenne auch Giraffen essen.

Abgesehen davon fühlt sich Botswana (fast) wie Deutschland an. In Kasane haben wir erstmals ein KFC gesehen. Auf dem Rastplatz hier ist es so ordentlich und ruhig wie an einer deutschen Autobahnraststätte. Nirgendwo dröhnt laute R&B-Musik aus einem Lautsprecher. Kein Busfahrer schreit sein Ziel in die Menge und versucht, Fahrgäste in sein Vehikel zu schieben. Die Leute hier riechen nicht, bzw. sie riechen nach Deos und Parfums. Viele sehen so adrett und gut aus, als seien sie einem Werbeplakat entstiegen. Sie fahren Toyota Pickups oder VW Golf.

Ich habe gelesen, dass Botswana eine Erfolgsstory geschrieben hat. Das einst arme Land hat in den 60er Jahren einen richtigen Diamanten-Jackpot gewonnen, und hatte glücklicherweise eine Regierung, die die Erlöse (anders als in Nigeria, in einem Zeitungsartikel als Zombie-State bezeichnet) großenteils in die richtigen Kanäle leitete, wie Bildung und Infrastruktur.

Leider haben sie hier eine der höchsten Aids-Infektionsraten in ganz Afrika. Deshalb frage ich mich, wer von den 50 Leuten, die im Bus saßen, wohl Aids hat? Dabei sahen alle so gesund und gepflegt aus!

Mir fällt auch auf, dass die Leute hier nicht so auf Kontakt mit uns aus sind. Keiner grinst und spricht uns auf der Straße an, wie es in Tansania so oft passiert ist. Daran kann man den Entwicklungsstand eines Landes ablesen. Wie ‚ticken‘ die Leute in einem Land? Wie sind Afrikaner im Vergleich zu Asiaten, im Vergleich zu Europäern? Komischerweise gar nicht so verschieden. Viel stärker wirkt sich aus, wie das Land wirtschaftlich aufgestellt ist. Also: je organisierter, effizienter, reicher, desto westlicher. Je westlicher, desto wir.

Botswana ist schon ziemlich wir. Die Shoppingmalls mit den großen Parkplätzen. Es ist eine Autokultur. Tankstellen sind die Knotenpunkte des Lebens. Man pendelt in die Stadt. Um 17:00 Uhr ist Stau auf der Kaunda Road in Gaborone und dann ärgert man sich, denn man hat es eilig.

Andererseits spiegelt die Atmosphäre auch einen Stolz wider – den Stolz auf die eigene Leistung. Botswana ist nie ernsthaft kolonialisiert worden. Dass Botswana heute besser da steht, als viele andere afrikanische Länder, liegt nicht an Hilfspaketen aus Weltbank, IWF oder Entwicklungshilfe, sondern an dem reichen Potenzial, das im Land und in den Menschen steckt. Sie haben es alleine geschafft.

Ein LKW einer Milchfirma biegt aus dem Rastplatz auf die Straße ein. Hinten klebt ein Sticker: Proudly made in Botswana.

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Comments (2)

Hach… da hat man grad erst letzte Woche eine laaaaaaaaaaange Reportage über den Elefantenreichtum im Chobe NP gesehen und schwupp… schon sind die ersten Bilder da…

Das es weiter südlich so westlich ist, hört sich komisch an… Schlimmer find ich allerdings, dass die Menschen Giraffen essen! Das geht ja gar überhaupt gar nicht… PFUI… die süüüüßen GirÄffchen! Schnieeeef!

Ich hätt’s dem auch nicht erlaubt!!
Aber vielleicht wollte er mich auch nur auf den Arm nehmen…