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Südafrikanische Farbenlehre

| Posted in Südafrika |

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Südafrika wird auch die Rainbow Nation genannt. Warum? Hat man jemals grüne oder orange-farbige Menschen dort gesehen? Oder bezieht man sich dabei auf die farbenfrohe Vogelwelt? Oder ist man einfach besonders gay-friendly?

Nein – gemeint sind die zahlreichen südafrikanische Völker, die für ein buntes Chaos sorgen, auch wenn der Regenbogen eher monochrom ausfällt.

In meinem Wunsch, stets politisch korrektes Verhalten an den Tag zu legen, war ich anfangs manchmal verwirrt, zumal in anderen afrikanischen Ländern eher wenig über Farben gesprochen wird (da ja alle schwarz sind – wer würde in Deutschland sagen “und da hat mich so ein Weißer dumm angemacht”?)

Um hier also Klarheit zu schaffen, werde ich im Folgenden die verschiedenen Südafrika bewohnenden Volksgruppen gemäß ihrer Hautpigmentierung vorstellen.

Schwarze

Schwarze sind eigentlich nicht schwarz. Sie sind braun (außer sie kommen aus Senegal, dann sind sie schwarz, aber Ausländer zählen hier nicht). Schwarze können heller als Farbige (siehe: Farbige) sein, bleiben aber trotzdem Schwarze. Mit Schwarzen fasst man die verschiedenen ethnischen Gruppen zusammen, die in Südafrika waren, bevor die Weißen alles durcheinander gemacht haben. Das heißt nicht, dass die Schwarzen nicht schon vorher selbst alles durcheinander gemacht haben. Nur hat das für uns keine Bewandnis, weil sie ja alle irgendwie gleich aussehen, oder wer erkennt schon einen Xhosa von einem Zulu von einem Ndebele oder Khoisan oder gar Mischungen davon.

Schwarze Männer ziehen sich im Allgemeinen gut an. Sie lieben leuchtende Farben wie pink und türkis und glitzernde Ohrstecker (vielleicht damit man sie im Dunkeln besser sieht?). Schwarze Frauen sind schlau, emanzipiert und haben qualifizierte Jobs, weshalb haben sie heutzutage wenig Verwendung für die notorisch untreuen Männer haben. Aber ab und zu werden sie dennoch schwach, weil die Männer wahnsinnig gut tanzen und auf die süßeste Art “Baby” sagen können.

Schwarze essen am liebsten Hähnchen. Ab und zu greifen sie zur Abwechslung auch mal zu Steak, Rippchen, Burger oder Ochsenschwanz. Sogar vor Schafsköpfen und Magenwänden machen sie nicht halt. Frei nach dem Motto, wenn es vom Tier ist, ist es immer noch besser als Gemüse. Als einziges freiwilliges Zugeständnis an die Pflanzenwelt und in Erinnerung an ihre afrikanischen Wurzeln essen die Schwarzen zu ihrem Fleisch mit Soße einen Klatscher Pap (Maispamp, auch unter den Namen Nshima oder Ugali in anderen afrikanischen Ländern bekannt).

Schwarze Kultur manifestiert sich in Fast Food-Ketten wie Nando’s (Hähnchen), Steers (Burger) oder Spur (Steaks). Manche Touristen fahren auf der Suche nach dem “echten Afrika” auch in die Township, wo die weniger wohlhabenden Schwarzen sich zu Hiphop-Musik aus dem Ghettoblaster mit billigem Bier auf der Straße volllaufen lassen, was dann gemeinhin als schwarze Kultur verkauft wird. Dabei würden besserverdienende Schwarze dort niemals hinfahren, schon gar nicht mit dem neuen Auto.

Schwarze haben heute einen Vorteil vor Farbigen und Weißen, weil sie früher so benachteiligt waren. Hier heißt es: To BEE or not to BEE. Das Black Economic Empowerment sorgt für die Einhaltung einer Schwarzen-Quote in Unternehmen. Manche weißen Firmenbosse (siehe: Weiße) haben darauf keinen Bock. Dann stellen sie zwar Schwarze ein, lassen sie aber die Position nicht ausüben oder halten ihnen Informationen vor. So ausgebremst, bleibt den Schwarzen nichts anderes übrig, als den ganzen Tag auf Facebook mit Freunden zu chatten.

Schwarze lieben Fußball, und sie schwärmen noch immer von der WM, wo sie der Welt zwar nicht ihre sportliche Überlegenheit, aber ihre außerordentliche Feierlaune und Virtuosität beim Vuvuzela-blasen unter Beweis stellen konnten.

Farbige

Warum Mischlinge aus Weißen und Schwarzen nicht Graue heißen, ist eines der Mysterien Südafrikas. Stattdessen heißen sie Farbige, und es gibt davon nicht gerade wenige, was auf einen Frauenmangel in Zeiten der ersten weißen Siedler schließen lässt.

Seit die Weißen ihre Frauen nachgeholt haben, wurden keine Farbigen mehr produziert, und die Farbigen haben sich fortan untereinander weitervermehrt. Daher haben Farbige nunmehr ihre ganz eigene Kultur, und sie sprechen sogar Afrikaans mit ihrem ganz eigenen Akzent.

Was in den Farbigen so genau “drin” ist, weiß heute keiner mehr. Manche sehen mehr wie dunkle Asiaten aus, manche wie dunkle Europäer, manche wie dunkle Araber. Schwarze sagen zu ihnen, wenn sie politisch inkorrekt sein wollen, “Null-Komma-Fünfs”.

Farbige essen am liebsten Fish & Chips, und deshalb betreiben sie auch oft Fischgeschäfte. Sie haben meistens schlechte Zähne. Dachte ich zumindest – bis ich aufgeklärt wurde, dass die goldenen Zahnzwischenraum-Füllungen zur Zierde gemacht werden, nicht aus dentaler Notwendigkeit. Und dass sie sich sogar die Schneidezähne absichtlich ziehen. Die farbigen Männer finden, dass Frauen mit großen Zahnlücken ein schöneres Lächeln haben und besser küssen. Der Nachteil ist, dass sie nicht mehr kraftvoll in einen Apfel beißen können, aber das stört sie nicht, weil sie Fisch essen.

Gelbe (Chinesen)

Man könnte sich fragen, was wollen Chinesen in Afrika? Haben sie nicht genügend Platz in China und einen zweistellig wachsenden Binnenmarkt? Aber tatsächlich gibt es eine große Gemeinschaft von Chinesen in Süd- (wie auch im übrigen) Afrika. Immer da, vo es ein Geschäft zu machen gibt. Chinesen versorgen den Markt mit billigen Plastikhandtaschen, Synthetikwolldecken, Elektronik und anderen bunten, nützlichen Gütern, die sie in neonbeleuchteten Shops mit so wohlklingenden Namen wie “The Great Wall” anbieten.

Die Ladentheke ist immer extra hoch und dahinter steht der Chinese auf einem Podest – wie in einer Kanzel – und beobachtet mit scharfem Blick, wie sich die armen Schwarzen um den Sonderposten Plastik-Bilderrahmen schlagen. Ständig bereit zu intervenieren, falls einer etwas einzustecken versucht. Auch kann er so beim Abkassieren besser auf die Schwarzen hinunterblicken. (Vielleicht weil der Chinese von Natur aus kleiner ist?)

Die Chinesen haben beim Geschäfte machen den Vorteil, dass sie keinerlei Missionierungsdrang haben. Sie wollen keine bessere Welt erschaffen, oder ihre reiche chinesische Kultur promoten. Sie bieten einzig und allein das, was der Massenmarkt will. Das ist übrigens auch in Deutschland so, oder warum versucht kein einziger Chinese, in Deutschland ECHTE chinesische Küche anzubieten? Aus demselben Grund verkaufen die Chinesen auch hier Pap mit Hähnchen, wenn sie denken, dass es mehr nachgefragt wird als die Sieben Kostbarkeiten. Ihre einzige wahre Leidenschaft ist das Einsammeln von Geld.

Chinesen stehen Schwarzen in ihrer Kultur diametral gegenüber, deshalb vermischen sie sich nie nie NIE mit ihnen.

Übrigens wurden die südafrikanischen Chinesen 2008 als Schwarze eingestuft (wie auch Inder und Farbige), da soll jetzt noch einer mitkommen!

Weiße (Afrikaner)
Die weißen Afrikaner sind eigentlich Holländer, aber das wollen sie nicht wahrhaben. Deshalb nennen sie ihr Holländisch Afrikaans und sie haben extra ein paar Wörter verändert, damit es sich anders anhört. Während der Apartheid wurde Südafrika von vielen Staaten mit Sanktionen bestraft, auch von Holland, was die Weißen, die sich auch Boeren (Bauern) nannten, ziemlich ankotzte. Das haben sie den Holländern nie verziehen.
Noch mehr kotzte es sie an, dass nach Abschaffung der Apartheid die doofen Schwarzen und die blöden Farbigen aus ihren Homelands strömten, um im Stadtpark, in der Mall und im KFC herumzulungern wie jeder andere. Manch ein Afrikaner wünscht sich daher die Rassentrennung zurück, so wie ja auch mancher Deutsche eine Bemerkung fallen lässt wie “die hätten die Mauer besser noch höher machen sollen” (zwischen der deutschen Wiedervereinigung und der Abschaffung der Apartheid liegen nur wenige Wochen).

Manche weißen Südafrikaner sind voll ok, ich hatte nur leider nicht das Glück, welche kennenzulernen. Sie sind nämlich ungefähr so weltoffen wie Schwaben. Sie tauen nur auf, wenn im Fernsehen Rugby kommt, und die Springboks (das Nationalteam) spielen. Dann flippen sie zwar nicht so aus wie die Schwarzen bei Fußball, aber man kann sehen, dass auch sie Emotionen haben und im Grunde Menschen sind wie du und ich.

Schöner Reisen am Okavango

| Posted in Botswana |

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Der 1430km lange Okavango entspringt in Angola, fließt durch den Kaprivi-Streifen in Namibia und kommt dann nach Botswana. Hier fächert er sich wie eine Palme auf und tränkt mit seinen 18,5 Milliarden Kubikmeter Wasser den Sand der Kalahari-Wüste. Am Meer kommt er niemals an.

Das so entstandene Binnendelta des Okavango ist eine Wasserlandschaft, bestehend aus Lagunen, Sümpfen, Kanälen und Inseln. Es gibt keine Straßen und auch die Wasserwege können nicht zuverlässig befahren werden, weil der Wasserstand ständig schwankt (momentan: niedrig).

Die gute Nachricht ist: das Okavango-Delta ist Natur pur, selbst dort wo kein ausgewiesenes Schutzgebiet ist, gibt es kaum menschliche Störfaktoren. Die schlechte Nachricht: einmalig, schön, schwierig zu erreichen und im ohnehin nicht gerade billigen Botswana gelegen, ist das Okavango-Delta ein Spielplatz für Reiche.

Eine Holländerin, die wir in Livingstone kennengelernt haben, hat eine Tour ins Delta mit ihrem Freund gemacht, der das kostspielige Erlebnis praktischerweise finanziert hat. Man fliegt mit einem Buschflugzeug in die Lodge ein. Dort wohnt man hübsch und komfortabel. Alle Aktivitäten sind inklusive, auch Mokoro (Einbaum) Fahrten und Bushwalks. Das ist schön. Allerdings, so die Holländerin, kann man mit 1000$ pro Tag rechnen. Will man das nicht ausgeben, sagt sie, bleibt nur ein Mokoro-Trip am Rande des Deltas, wo man allenfalls einen faden Abklatsch der atemberaubenden Schönheit des inneren Deltas erhaschen kann.

Mist. Atemberaubend. Und was-nicht-alles. Also gut – wir müssen da hin!

Die Hauptstadt und Startpunkt aller Touren ist Maun. Wir mieten uns in einem netten Camp außerhalb der Stadt ein. Es liegt an einem Wasserlauf, der an dieser Stelle einen Teich bildet – sie nennen ihn Hippo Pool. Als wir bei der Ankunft spät abends durch das Camp laufen, hören wir Nilpferde grunzen. Flughunde flattern um einen Feigenbaum (genaugenommen eine Sykomore, für die botanisch interessierten) herum. Es ist eine gute Einstimmung auf das, was uns hier erwartet.

Am nächsten Tag bleiben wir im Camp. Hier sehen wir erste “Overlanders”, also Leute die mit Autos, meist Geländewagen und Dachzelt o.ä. unterwegs sind. Botswana ist, wie Namibia und Südafrika, Auto-Land. Es gibt keine Backpacker-Kultur wie in Asien. Fährt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln, ist man der einzige Tourist dort. Dafür gibt es die, die sich als “richtige Männer” verstehen. Sie reden über ihre Abenteuer (”und hab ich die Schlange beim Genick gepackt…”) und trinken schon morgens Whiskey-Sodas an der Bar.

Hier hören wir von Touren ins Delta. Wenn wir ein Motorboot nehmen, ist es durchaus möglich, dahin zu kommen. Das Camp organisiert sogar Camping in der Moremi Wildlife Reserve, also mitten im inneren Delta! Wow – wir können rein!

Am nächsten Morgen fahren wir los. Das Aluminium-Boot ist voll beladen mit Zelten, Camping-Ausrüstung, Vorräten. Wir fahren durch breite Kanäle flussaufwärts. Zunächst passieren wir noch Häuser und Weiden. Kühe und Esel stehen am Ufer oder auch bis zum Bauch im Wasser. Dann passieren wir den sogenannten “buffalo fence”, der Weidetiere aus der geschützten Zone fernhalten soll. Ab hier ist nur noch Natur.

Wir flippen aus, als der erste Elefant gesichtet wird. James, unser Bootsführer, steuert etwas näher ran. Ich sitze gerade vorne am Bug, und möchte eigentlich zurück, um eine Stuhlreihe oder irgendwas zwischen mich und den grauen Riesen zu bringen. Aber die anderen zischen mir zu, ich soll mich nicht bewegen. Der Elefant steht im (für ihn) knietiefen Wasser und gräbt nach Seerosenwurzeln. Er bohrt seine Stoßzähne in den Boden, zieht die weißen Schnüre mit dem Rüssel heraus, schüttelt die Erde ab und stopft sie sich dann in den Mund.

Wir fahren weiter durch die enger werdenden Kanäle, zwischen hohem Schilf und Papyrus, manchmal an kleinen Inseln mit Palmen und Bäumen vorbei. Die Sonne steht hoch am Himmel und es wird heiß. An einer hübschen Stelle steuert James das Boot ins Schilf. Zeit zum schwimmen. Was? Gibts hier nicht Krokodile? Doch doch… aber die halten sich meist in dunklen sumpfigen Gebieten auf. Nicht hier, wo es schön hell ist. Wir schauen hinunter ins goldfarbige klare Wasser, unter dem weißer Sand schimmert. Das wasser soll Trinkwasserqualität haben, es sieht sehr einladend aus. Also springen wir rein. Wundervoll! Das erfrischendste Wasser, in dem ich je geschwommen bin. Es fühlt sich ganz weich an. Der Sand (Quarzsand) ist so seltsam griffig, wie Kristallzucker.

Gegen Nachmittag kommen wir an Chiefs Island an. Es ist die größte Insel im Delta, und sie zieht sich wie eine Landzunge von oben nach unten. Früher konnte man bei niedrigem Wasserstand mit dem Auto auf die Insel fahren, aber seit einigen Jahren blieb der Pegel selbst in der Trockenzeit ziemlich hoch – also kein Wassermangel im Okavango-Delta.

Am Ufer unter hohen Bäumen stehen einige Zelte und Campingstühle, ein Lagerfeuer brennt. Es ist schon jemand zuhause: ein Südafrikaner und zwei britische Kumpels, allesamt gestandene Mitt-Vierziger auf “Männerurlaub”. Deren Bootsführer und ein blonder Jüngling, genannt Snowflake, der diesen “Außenposten” des Camps unterhält. Unser Bootsführer James ist der älteste der Runde. Er ist schon 58, was in Botswana ein gesegnetes Alter ist. Deshalb nennen sie ihn “Madala” (der Alte und Weise).

James unterhält uns mit seinen Geschichten, während auf dem Feuer das Ochsenschwanz-Ragout kocht.

Die Geschichte von James
James kommt ursprünglich aus Maun. Aber, wie viele andere junge Männer, wollte er sein Glück in den Goldminen von Südafrika machen. Er kam 1975 zur damals tiefsten Goldmine Südafrikas (noch heute hat Südafrika die tiefsten Goldminen. Rekordhalter derzeit: TauTona Mine mit 3,9km). Die Arbeit in der Tiefe verlangte den Menschen soviel ab, dass die Betreiber der Mine einen Belastungstest ersannen, den Bewerber bestehen mussten, bevor sie in die Tiefe geschickt wurden. James musste drei Monate lang in einem Blechhäuschen bei 60 Grad jeweils drei Stunden am Stück drei Treppen auf und ab laufen. Er arbeitete schließlich drei Jahre in der Goldmine. Danach hatte er genug vom Erdinneren und kehrte nach Botswana zurück. Er arbeitete dann als Häuter bei einer Jagd-Firma. Tiere, die von den zahlenden Gästen abgeknallt wurden, landeten bei ihm, und er häutete sie, um sie fürs Ausstopfen vorzubereiten. Manchmal brachten sie Paviane. James konnte sie nicht häuten. Ihr Blut, sagt er, riecht wie menschliches Blut. Sie zu töten ist, wie einen Menschen zu töten.

Die Geschichte von Kamanga
Kamanga war der Chief Poler (also der erste Staker) einer Gemeinschaft von Mokoro-Stakern. Eines Tages war er mit Touristen im Delta unterwegs. Der Staker steht immer hinten auf dem Mokoro, davor sitzen die Gäste, einer in der Mitte, einer vorne. Plötzlich hörten sie ein lautes -Bumm!- und einen Schlag gegen das Boot. Als sie sich umdrehten, war der Staker weg. Offenbar hatte ihn ein Krokodil gefressen. Man kann sich vorstellen, wie die armen Touristen in Panik verfielen, ganz allein in dem labyrinthartigen Delta, ohne Staker und auch ohne Stab (wir vermuten mal, dass der Staker diesen in die ewigen Stakgründe mitgenommen hat), und mit der Gewissheit, ein 4 Meter langes Krokodil in nächster Nähe zu haben. Nun, man weiß, dass Krokodile unter anderem deshalb seit Millionen von Jahren auf der Erde überlebt haben, weil sie so verdammt schlau sind. Sie wissen genau, dass in diesen schmalen, leicht zu kenternden Booten leckeres wehrloses Futter hockt. Gezielte Angriffe von Krokodilen auf Mokoros sind daher wiederholt berichtet worden. Bei dieser Geschichte aber geht man nicht von einem Zufall aus. Hexerei, munkelt man. Es gab nämlich gewisse Unstimmigkeiten in der Staker-Gruppe, und vermutlich hat ein Rivale Schwarze Magie bemüht, um sich des ungeliebten Kollegen zu entledigen.

Am nächsten Morgen steht ein Mokoro-Trip auf dem Plan. Super! Wir freuen uns unheimlich, auch mal als Krokodilfutter durch die Kanäle zu gurken. Schon das Einsteigen ist eine wackelige Angelegenheit. Man sitzt tief unten, fast auf Wasserniveau. Die Seitenwände sind hoch. Nur keinen Arm oder Bein rausstrecken. Angeblich ist auch schon Leuten im Mokoro vom Nilpferd das Bein abgebissen worden. Zum Glück sind die Nilpferde heute auf Tauchgang und unser Staker scheint in seinem Dorf einigermaßen beliebt zu sein, jedenfalls wird kein blutrünstiges Monster gesichtet, und wir fahren friedlich und still, genaugenommen ohne einen Mucks (können Krokodile eigentlich gut hören?) durch die wundervolle Wasserlandschaft.

Zurück auf unserer Insel, nimmt James uns mit auf einen Bushwalk. Gleich hinter den Zelten beginnt eine Savannenlandschaft. Wir schärfen die Sinne und schalten auf “Überleben in der Wildnis” Modus. Was tun, wenn ein Tier kommt? James weiß bescheid:
Elefanten sehen nicht besonders gut, haben aber eine feine Nase. Daher gegen den Wind stellen, bzw. zickzack laufen.
Bei Löwe: In die Augen schauen, ggf. schreien
Bei Leopard: NICHT in die Augen schauen, desinteressiert wegschauen, ggf. ein Liedchen pfeifen (Übersprungshandlung)
Bei Büffel: Hinter einen Baum flüchten, besser: auf den Baum klettern
Bei Krokodil: Und tschüs

Dazu noch eine Anekdote: ein renommierter Wildlife-Forscher wurde gefragt, was man tun sollte, wenn man einem Löwen gegenübersteht. Er sagte: “Zuerst steh ganz still. Dann gehe einen Schritt zurück. Heb die Scheiße auf, die am Boden liegt, und wirf sie dem Löwen ins Auge. Dann renn!” “Ja, und woher weiß ich, dass ich am Boden Scheiße finde?” “Wenn direkt vor dir wirklich ein Löwe steht, dann WIRD da Scheiße sein.”

An diesem Abend haben wir den ganzen Zoo um uns. Im Wasser vor uns liegen die Nilpferde und grunzen. In den Bäumen über uns machen die Paviane rabatz. In der Savanne hinter uns wurden Elefanten gesichtet. In der Ferne brüllen die Löwen. So rollen wir uns in unsere Betten ein und lauschen auf die Geräusche Afrikas, bevor wir selig einschlafen. Wie war das nochmal gleich – wenn ein Löwe am Zelt erscheint, soll man sich möglichst tot stellen. Also dem Tier suggerieren, dass kein menschliches Wesen in diesem Zelt ist.

Leider bricht in der Nacht ein Gewitter über uns herein. Wir schlafen nur unter dem Innenzelt, zwecks frischerer Luft. Die Regenhülle liegt draußen. Mist… ich hatte gerade von Löwen geträumt. Aber es hilft nichts. Mit der Taschenlampe kriechen wir raus und ziehen im Wind und den ersten Regentropfen die Hülle drüber. Schnell wieder rein.

Im feuchten Sand finden wir am nächsten Morgen die Fußspuren einer Hyäne, die offenbar unserem Camp einen Besuch abgestattet hat. Was macht man eigentlich bei Hyänen? Denen begegnet man nie, sagt James, die sind viel zu scheu. Wenigstens ein Tier, das weiß, wie man sich anständig verhält.

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Botswana

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Wir sitzen an der Raststätte Nata und warten auf den Anschlussbus nach Maun. Von Kasane nach Nata haben wir 5 Stunden im Bus gesessen und 2 Stunden gewartet (es heisst ja, wenn man nicht gewartet hat, war man nicht in Afrika). Dazu mussten wir zweimal ueber Checkpoints, wo wir mit unserem gesamten Gepaeck aussteigen mussten und dann entweder auf Drogen, Obst (wegen Verbreitung irgendeiner durch Fruchtfliegen uebertragenen Seuche) oder Fleisch (wegen der Maul- und Klauenseuche) untersucht wurden. Es war heiss und trocken und das Buschland, das wir durchquerten – rechts der Chobe National Park, links die Grenze zu Simbabwe – schien endlos zu sein. Der Sonnenuntergang sah aus wie in einem Kitschfilm ueber Afrika (leider konnte ich ihn aus dem Bus nicht fotografieren) und wir sichteten sogar einige Giraffen unterwegs. Der Botswaner (oder wie heisst das?) lachte ueber meine Begeisterung fuer die Tiere. Er sagte, Afrikaner saehen Tiere in allererster Linie als saftige Steaks, und verspuerten bei ihrem Anblick daher den starken Drang, sie zu schlachten. Und ja, man koenne auch Giraffen essen.

Abgesehen davon fühlt sich Botswana (fast) wie Deutschland an. In Kasane haben wir erstmals ein KFC gesehen. Auf dem Rastplatz hier ist es so ordentlich und ruhig wie an einer deutschen Autobahnraststätte. Nirgendwo dröhnt laute R&B-Musik aus einem Lautsprecher. Kein Busfahrer schreit sein Ziel in die Menge und versucht, Fahrgäste in sein Vehikel zu schieben. Die Leute hier riechen nicht, bzw. sie riechen nach Deos und Parfums. Viele sehen so adrett und gut aus, als seien sie einem Werbeplakat entstiegen. Sie fahren Toyota Pickups oder VW Golf.

Ich habe gelesen, dass Botswana eine Erfolgsstory geschrieben hat. Das einst arme Land hat in den 60er Jahren einen richtigen Diamanten-Jackpot gewonnen, und hatte glücklicherweise eine Regierung, die die Erlöse (anders als in Nigeria, in einem Zeitungsartikel als Zombie-State bezeichnet) großenteils in die richtigen Kanäle leitete, wie Bildung und Infrastruktur.

Leider haben sie hier eine der höchsten Aids-Infektionsraten in ganz Afrika. Deshalb frage ich mich, wer von den 50 Leuten, die im Bus saßen, wohl Aids hat? Dabei sahen alle so gesund und gepflegt aus!

Mir fällt auch auf, dass die Leute hier nicht so auf Kontakt mit uns aus sind. Keiner grinst und spricht uns auf der Straße an, wie es in Tansania so oft passiert ist. Daran kann man den Entwicklungsstand eines Landes ablesen. Wie ‚ticken‘ die Leute in einem Land? Wie sind Afrikaner im Vergleich zu Asiaten, im Vergleich zu Europäern? Komischerweise gar nicht so verschieden. Viel stärker wirkt sich aus, wie das Land wirtschaftlich aufgestellt ist. Also: je organisierter, effizienter, reicher, desto westlicher. Je westlicher, desto wir.

Botswana ist schon ziemlich wir. Die Shoppingmalls mit den großen Parkplätzen. Es ist eine Autokultur. Tankstellen sind die Knotenpunkte des Lebens. Man pendelt in die Stadt. Um 17:00 Uhr ist Stau auf der Kaunda Road in Gaborone und dann ärgert man sich, denn man hat es eilig.

Andererseits spiegelt die Atmosphäre auch einen Stolz wider – den Stolz auf die eigene Leistung. Botswana ist nie ernsthaft kolonialisiert worden. Dass Botswana heute besser da steht, als viele andere afrikanische Länder, liegt nicht an Hilfspaketen aus Weltbank, IWF oder Entwicklungshilfe, sondern an dem reichen Potenzial, das im Land und in den Menschen steckt. Sie haben es alleine geschafft.

Ein LKW einer Milchfirma biegt aus dem Rastplatz auf die Straße ein. Hinten klebt ein Sticker: Proudly made in Botswana.

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Ein Fall für sich

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Die Legende von Nyami Nyami

Nyami Nyami ist der Flussgott des Sambesi Flusses. Er sieht aus wie eine Schlange mit Drachenkopf. Er lebt mit seiner Frau in der Kariba Schlucht und kontrolliert das Leben im und am Sambesi-Fluss. Deshalb war er von besonderer Bedeutung für das Volk der Tonga, die jahrhundertelang ziemlich isoliert von der Außenwelt an den Ufern des Flusses wohnten.

1950 wurde das “Kariba Dam” Projekt gestartet. Schweres Gerät und tausende Arbeiter wurden in die abgelegene Region gebracht, um die 1,2 Megawatt-Anlage zu bauen.

Die Tonga wurden umgesiedelt, da die Region bald überflutet werden würde. Sie glaubten jedoch nicht an den Erfolg des Projekts. An der Stelle, wo die Staumauer entstehen sollte, ragte ein Felsen aus der Schlucht, und dort vermuteten die Tonga den Wohnort von Nyami Nyami. Er würde den Bau des Staudamms nicht erlauben.

Im Jahre 1957 schlug Nyami Nyami zu. Die stärkste Flut seit jeher flutete das Tal und zerstörte den erst halb fertiggestellten Staudamm. Die Maschinen wurden weggespült und viele Arbeiter getötet. In den folgenden Jahren erschwerten weitere Fluten die Arbeiten. Trotzdem wurde das Projekt 1960 fertiggestellt, und der Staudamm versorgt seither Sambia und Simbabwe mit Strom.

Die Tonga vermuten, dass Nyami Nyami nun oberhalb der Staumauer lebt, während seine Frau unterhalb gefangen ist. Irgendwann, sagen sie, wird er den Staudamm zerstören.

http://en.wikipedia.org/wiki/The_legend_of_Nyaminyami

Einige Impressionen von den Viktoria-Fällen:

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