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Sansibar oder der letzte Hund

| Posted in Tanzania |

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Wir saßen in Stone Town in unserem Lieblingsrestaurant Lukmaan, und aßen wie immer Pilao mit Spinat und Hähnchen Biriani. Tranken dazu den Avocado-Mix-Saft und Gewürz-Milch-Tee.

Schauten auf das Treiben auf der Straße. Frauen in schwarzen Bui-Buis, manchmal mit bunten Tüchern ergänzt. Männer in weiß. Schulmädchen in schwarz-weiß, sie sehen wie kleine Nonnen aus. Ein paar Touristen auf dem Weg zum Sklavenmarkt (gibt’s da heute was umsonst?). Aus der Moschee gegenüber schreit ein wenig begabter Imam, dass es nur einen Gott gibt. Ein paar Lastenzieher, ein Polizeiposten neben der Bank, Taxifahrer, und die Männer nebenan vom Kuku-Chipsi Stand sitzen wie immer vor dem Laden und schälen Kartoffeln.

Dann kam der Hund. Es war ein kleiner weißer Wuschelzwerg, den ein Mädchen in einer Plastikschale im Arm hielt, besorgt, ob sie den Hund ins Restaurant bringen könnte oder nicht.
„Wo habt ihr den Hund her?“
„Der ist aus dem Guesthouse, wo wir arbeiten“.
„Arbeiten?“.
So erfuhren wir von Paje, einem Dorf an der Ostküste von Sansibar, wo ein von Kokospalmen gesäumter Traumstrand für Postkarten posiert. Und von Teddy’s Place, seit drei Wochen der Arbeitsplatz von L. und J., einem jungen Pärchen aus Berlin. Das Guesthouse wurde von deutschen Investoren aufgebaut, die jeweils für ein halbes Jahr zwei Leute aus Deutschland hinschicken, um den Laden zu managen.

Wir entschlossen uns kurzerhand, einen Abstecher dorthin zu machen. Während der einstündigen Fahrt im Dalla-Dalla überholten uns immer wieder Trucks und Dalla-Dallas vollgestopft mit Leuten, die schrien und johlten, als ob sie auf dem Karnevalsumzug wären und auch so auffällig gekleidet waren, in gelb-grün.

Endlich erreichten wir Teddy’s Place, verschwitzt von einem 10-minütigen Fußmarsch von der Straße bis zu unserem Ziel, aber beim Anblick des Meers verflog die Müdigkeit schnell. Haben die Weichspüler der Sorte „Aprilfrisch“ hineingekippt? Wie kann es SO türkis sein? Und der Sand, das ist doch – Mehl! SO fein und weiß. Und wir sprechen hier nicht von Vollkornmehl.

Selbst die Hütten waren innen mit Sandboden (also gar kein Boden) ausgestattet, obwohl wir die einzige Steinhütte bekamen. Es waren sogenannte Bandas, Hütten aus Palmwedeln geflochten. Die Ziegenhautstühle vor der Hütte luden zum Entspannen ein, und aus der Bar tönte, vermischt mit dem Meeresrauschen, sanfte Musik… von den fantastischen Vier. Ja, an diesem Ort konnte man es ein paar Tage aushalten.

Das Meer kommt gegen Nachmittag. Dann kann man auch darin schwimmen. Um die Mittagszeit ist es noch weit draußen. Wenn man sich von der unerbittlichen Helligkeit nicht abschrecken lässt, kann man ein wenig hinaus spazieren durch diese surreale blau-weiße (aber ganz un-bayrische) Landschaft. Draußen im seichten Wasser kann man dann die Frauen beobachten, wie sie Meeresalgen anbauen. Sie rammen Holzstöcke in den Grund, der den Pflanzen halt gibt. Wenn sie erntereif sind, holen sie sie säckeweise aus dem Wasser und verkaufen sie an Handelsfirmen, die sie nach USA oder Europa exportieren, wo man Geliermittel (agar agar), Kosmetik und vieles mehr daraus macht. Man kann sich ein Stängelchen abbrechen und naschen, es schmeckt knackig und salzig und, naja, etwas algig.

Am ersten Nachmittag jedoch sahen wir den Strand kaum vor lauter gelb-grün. Aha, hier sind sie also alle. Es handelte sich um eine Wahlkampf-Rallye, und gelb-grün (in Deutschland undenkbar) ist hier momentan an der Macht, denn es sind die Farben der regierenden Partei Chama Cha Mapinduzi (CCM) von Präsident Kikwete.

Am Strand spricht uns jemand an (was im Übrigen ständig passiert) und nach ein wenig Pingpong mit Jambo – Jambo, Mambo – Poa, Karibu – Asante usw. erklärt er uns, dass die CCM-Partei aller Voraussicht nach (und wie auch schon die vergangenen Jahrzehnte) die landesweiten Wahlen gewinnen wird, die am 31. Oktober stattfindet. Und dass man hier mal sehen könne, wie zivilisiert in Tanzania alles zugehe, daran könnten sich Kenia und Ruanda mal eine Scheibe abschneiden. Nur zwei Wochen bis zur Wahl, und kaum Ausschreitungen! Keine Skandale, keine Hasspredigten, naja abgesehen von Chadema-Führern (die Opposition), die ihre Anhänger dazu aufriefen, Blut zu vergießen, sollten sie die Wahl verlieren. Das stelle man sich mal vor aus dem Mund von Guido Westerwelle vor. Deshalb sind wir, trotz aller Friedlichkeit, froh, dass wir zur Wahl aller Voraussicht nach schon in Sambia weilen werden.

Und der Hund? Ist so weiß, dass man ihn im Sand kaum erkennt und sieht seinem zukünftigen Leben als Wachhund an einem Traumstrand dieser Welt entgegen. Ein Hundeleben könnte schlimmer sein.

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Comments (2)

UIUIUI…. den Strand hab ich definitiv verpasst… Konnten die mit dem Hundchen nicht früher um die Ecke huschen? Sehr schön!
Hoffe Euch geht’s gut und Ihr tuckert schon gemütlich über den See… Herzelige Grüßlein!

Juhu!
Wir haben den See geskippt… und sind direkt nach Sambia. Malawi kommt ein andermal dran.
VLG K.