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Dalla! Dalla!

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Wie an anderer Stelle erwähnt wurde, bin ich ein großer Fan lokaler Privat-Nahverkehrssysteme, weil das Reisen mit ihnen eine so authentische Erfahrung ist. Die Minibusse, Fahrradrikschas oder Lastwagen, die so treffende Namen tragen wie Becak, Bemo oder Pete-Pete, sind Salatschleudern des Lebens. Ich behaupte, wenn man etwas über die Kultur eines Landes erfahren möchte, lernt man auf einer 30-Minuten-Fahrt im Bemo mehr als bei einem Tag im Nationalmuseum.

In Tanzania hat der „lokale Transport“ viele Formen, aber nur einen Namen: Dalla-Dalla.

Auf Zanzibar besteht das Dalla-Dalla häufig in einem kleinen Lastwagen mit Führerhaus und Ladefläche, wobei letztere innen mit einer umlaufenden Sitzbank und einem Dach versehen ist. Der Innenraum ist mit schönen bunten Tapeten ausgekleidet. Im Dalla-Dalla finden 15 Leute bequem Platz. Das hält die Betreiber nicht davon ab, bis zu 30 hineinzuquetschen.

Nehmen wir an, wir wollen zusammen mit einem Bündel Holz, einem Fahrrad und den Einkäufen vom Markt von A nach B.

Also schauen wir uns zunächst im Dalla-Dalla-Terminal nach einem Vehikel der passenden Linie um. Dalla-Dalla fahren auf einer festgelegten Strecke, was man anhand der aufgeklebten Liniennummer und Endstation leicht erkennen kann.

Dann wählen wir gezielt ein Gefährt, das noch nicht zu voll ist, aber schon ein paar Fahrgäste enthält (das Dalla-Dalla wird nicht losfahren, bis es einigermaßen gefüllt ist). Für uns „Mzungu“ besteht eine weitere Herausforderung darin, möglichst den korrekten Geldbetrag zur Hand zu haben, denn sonst kann es passieren, dass man das Doppelte zahlt.

Nach kurzer Wartezeit (etwa nach 5 oder 30 Minuten) geht es los, Fahrer und Servicemitarbeiter nehmen ihre Plätze ein. Der Fahrer sitzt im Führerhaus und fährt (logischerweise). Neben ihm können zwei Fahrgäste Platz nehmen, allerdings sind diese Plätze so wertvoll, dass sie in der Regel immer schon an gute Bekannte des Fahrers vergeben sind.

Der Servicemitarbeiter bleibt hinten bei den Fahrgästen. Er kassiert das Geld ab und hilft beim be- und entladen. Auf der Strecke gibt es keine festen Haltestellen. Leute, die zusteigen wollen, stehen an der Straße und winken. Brav hält unser Dalla-Dalla an (wieso hält der an?? Wir sind doch schon übervoll!!) und lädt weitere Reissäcke und Holzbündel aufs Dach, während weitere Frauen, verschleiert mit strahlend bunten Tüchern und Korbtaschen in der Hand, die enger werdenden Sitzplätze einnehmen. Männer geben, ganz Gentleman, ihren Platz für Frauen frei und stellen sich hinten auf das Trittbrett zum Servicemitarbeiter. Immerhin haben sie dort frische Luft. Ab einer Belegung von 20 Personen riecht es, sagen wir, ziemlich intensiv nach, sagen wir, Mensch.

Irgendwann bemerkt man, dass die Füße kribbeln. Aber inzwischen sitzt man so eng, dass man keine Chance hat, die Füße oder sonst irgendetwas zu bewegen. Das Gute dabei ist, dass man nicht mehr hin- und herrutschen kann, wenn das Dalla-Dalla kamikazemäßig ein anderes überholt. Irgendwann versucht man nicht mehr, eine bequeme Position zu finden, sondern ergibt sich in seine Lage, lehnt sich entspannt gegen den Nebenmann, mit dem man auch ggf. ein Schwätzchen halten kann, und übt ansonsten meditative Observation der gebotenen Realität. Man kann auch lesen – wenn man das Buch hervorgeholt hat, als man sich noch bewegen konnte.

Endlich dürfen wir aussteigen. Wir sagen wir dem Servicemitarbeiter Bescheid, worauf dieser gegen die Karosserie hämmert, bis der Fahrer die Zeichen erkennt und anhält. Dann klettert der Servicemitarbeiter aufs Dach und lässt das Bündel Holz und das Fahrrad heruntersegeln. Die Einkäufe hatten wir ja in der Korbtasche, auf der mangels Platz ein anderer Fahrgast gesessen hatte. Nun reichen wir unsere Tasche schon mal durch und gehen im gebückten Gang (Achtung – Kopfstoßgefahr! Der Innenraum ist nur etwa 1,30m hoch) zum Ausstieg, während wir versuchen, nicht auf die Eierkartons, Fahrgastfüße und lebenden Hühner zu treten.

Draußen saugen wir die frische Luft ein – geschafft!

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