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Der Berg ruft

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Langsam nähern wir uns dem vorerst letzten Ziel der Reise… Jakarta. Aber vorerst haben wir noch einen hübschen Vulkan in Ostjava abgefrühstückt… den Berg Bromo.

Einige Impressionen…

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Berge, Büffel, Bestattungswahn – Abenteuer in Tanah Toraja

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Der Litha Bus fährt in irgendeiner Station in den östlichen Vorstädten von Makassar ab. Diana ist nicht dabei, weil sie einem anderen Ruf nach Bali gefolgt ist. Eike, ein Deutscher, den wir gerade im Guesthouse kennengelernt haben, wurde einem anderen Bus zugeteilt. So befinde ich mich, nicht zum ersten Mal auf dieser Reise, in rein-indonesischer Gesellschaft. Was nach Bali-Exzessen durchaus angenehm, aber komisch ist. Hat der Lonely Planet Tanah Toraja nicht als DAS Touristenziel auf Sulawesi ausgerufen? Und habe ich nicht den (ebenfalls im Lonely Planet vorgeschlagenen) VIP Bus genommen, der so viel Platz zwischen den Sitzreihen bietet, dass ein durchschnittlicher Indonesier (ich aber nicht) die Beine waagerecht ausstrecken kann? Touristen, kommt nach Sulawesi! Es ist toll und das Land kann noch ein paar von uns vertragen.

Mein Sitznachbar hört auf den biblischen Namen Salomon und kommt aus Flores. Er lebt in Kendari und arbeitet in einer Nickelfabrik dort. Für ihn ist Tanah Toraja nur Umsteigestation, aber natürlich hat auch er die Wunder dieses Lands geschaut. Die Beweise hält er auf seinem Handy in Form von Fotomaterial parat. Salomon mit Büffel, Salomon vor traditionellem Haus, Salomon mit Schädeln.

So bin ich ausreichend vorbereitet, als der Bus sich im ersten Tageslicht die Serpentinen nach Rantepao hinaufschraubt, an den ersten Häusern vorbei mit diesen Dächern, die wie Schiffe? wie Zelte? aussehen. Bewahrt man dort die Toten auf? Nein, sagt Salomon. Da bewahrt man Reis auf.

Eike und ich wandern nach Londa.

Wir flüchten vor Pauschaltouren und nehmen stattdessen ein Bemo nach Makale, der Provinzhauptstadt, steigen aber vorher aus, dort wo die Karte anzeigt, dass ein Fußweg nach Lemo und Londa beginnt. Die Orte sind mit Sternchen versehen, weil es dort die für die Toraja so typischen Felsengräber (Höhlen oder in den Fels geschlagene Alkoven, in denen die Toten bestattet werden) gibt. Die Toraja glauben, dass man materielle Dinge auf der letzten Reise mitnehmen kann und statten ihre Verwandten daher mit nützlichen, teils auch wertvollen Dingen aus. Deshalb musste man sich vor Grabräubern schützen und suchte immer unzugänglichere Plätze tief in Höhlen oder hoch oben in der Felswand. In den Höhlen, die wir besuchen, treffen wir auf einen Toten, der offenbar gern raucht, und deshalb eine Schale voller Zigarettenkippen vor sich stehen hat. Einem anderen hat man zahlreiche Zeitschriften, ein Telefonbuch und einen Ventilator mitgegeben. (Hier stellt sich die Frage, ob im Totenreich elektrische Geräte auch ohne Stromanschluss funktionieren). Über dem Eingang zur Höhle ist ein Balkon in den Fels gehauen, wo die Tau Taus der Toten (hölzerne „Wachsfiguren“ der Verblichenen) nun gemütlich sitzen und die Welt betrachten.

Ich gehe zum Begräbnis.
Mein Guesthouse-Wirt Darma fährt mich mit dem Moped hin. Die Beerdigung, die nichts mit Erde zu tun hat, ist eigentlich eine große Zeremonie, zu der je nach Ausmaß mehrere hunderte bis tausende Besucher kommen. Schon auf dem Weg zum Veranstaltungsort stauen sich Mopeds und Lastwagen, Ladeflächen vollgepackt mit schwarz gekleideten, doch fröhlichen Besuchern und unzufriedenen Schweinen. Die Zeremonie findet auf der „grünen Wiese“ statt, wo eigens temporäre Gebäude errichtet wurden. Sie dauert fünf Tage und beinhaltet so interessante Programmpunkte wie traditioneller Tanz, Büffelkampf, kalt-warmes Büffet, Schlachtung von mindestens 25 Büffeln und zahlreichen Schweinen mit anschließender Fleisch-Tombola. Unser Gastgeber war ein angesehener Lehrer und sein Tau Tau sitzt zusammen mit der Familie im zentralen Haus. Die Familie sieht nicht übermäßig traurig aus, aber der Lehrer ist auch schon seit über einem Jahr tot.

Wir beobachten die Ankunft der Gäste.

Sie kommen in Gruppen und werden über Mikrofon angesagt: „Es kommt die Gruppe von Herrn Sowieso aus Makassar und sie bringen x Schweine“. Die Gäste bringen ihre Schweine und andere Geschenke. Die Schweine sind auf Bambusstangen gebunden, so manchem sind Rüssel und Füße gebunden. Zusätzlich zu ihrer Freiheit nun auch ihrer Meinungsfreiheit beraubt. Ein dickes Schwein, sagt Darma, kann schon mal 4,5 Mio. Rp. (450 EUR) kosten. Ein stattlicher Büffel gut und gerne 25 Mio. (2500 EUR). Die Albino-Büffel mit weißen Flecken und hellen Augen sind besonders begehrt und können bis 100 Mio. Rp. (10 000 EUR) wert sein.

Ich sehe eine Büffel-Exekution.

Ich hatte mich schon die ganze Zeit gefragt, was die Büffel sich eigentlich denken, wenn sie da herumstehen, am Gras knabbern und zuschauen, wie ihre Kollegen fachmännisch zerlegt werden. Ahnen sie nicht, dass sie als nächstes dran sind? Scheinbar bringen sie diese Transferleistung nicht. Ein schöner grauer Büffel schnuffelt unschuldig am blutigen Boden, während er sich willig zu dem Schicksals-Baum führen lässt. Dort wird er mit dem Fuß angebunden. Einer der Schlächter hält ihm den Kopf hoch und greift an seinen Hosenbund, zieht das große Messer und – zack – setzt ihm mit Schwung einen Hieb in den Hals. Der Büffel erschrickt, hopst zweimal und fällt ohne Kommentar.

Die eigentliche Beerdigung (heutzutage werden auch Bestattungen in der Erde vorgenommen) findet nach der Zeremonie statt. Dabei ist ein Pastor anwesend, wie es sich gehört. Die Missionare haben in Tanah Toraja ganze Arbeit geleistet. 95 % der Bevölkerung sind Katholiken, was sie aber nicht dazu bewegt hat, ihren Totenkult zu überdenken.

Ich mache eine Wanderung durch die Berge.

Hinauf, hinauf, mit einem Ojek nach Batutumonga, unterwegs Panorama-Ansichten über Täler, Dörfer, Reisterrassen. Tanah Toraja ist für diese Landschaft berühmt, die wunderschön ist, wenn auch Kulturlandschaft. Geprägt vom Reisanbau, dazu Kaffee, Kakao, Obstbäume. Ich laufe zu Fuß weiter. Ich möchte dahin, wo keine Menschen sind. Das erweist sich als unmöglich. Wer baut Wege dahin wo keine Menschen sind? Zumindest komme ich in eine Gegend, wo nicht sehr viele Menschen sind. Alle paar hundert Meter ein Haus, manchmal 3 oder 4 Häuser dichter zusammen, das ist dann ein Dorf. In jedem Dorf werde ich begrüßt und gefragt, wohin? Nach Pangala, sage ich, weil das der nächstgrößere Ort ist. Ganz allein? Nimmt dich keiner mit?, fragen die Leute, mitleidig. Nein, ich laufe zu Fuß, renitent. Sollen wir dich nicht mit dem Moped fahren? Es ist doch noch so weit! Nein danke. Seufz.

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