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Das Traumschiff

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Ich stehe am Hafen von Makassar auf einer überdachten Terrasse und warte auf die Ankunft der Tilongkabila, einem Passagierliner der Pelni-Flotte, der im 2-Wochen-Takt die Strecke Benoa (Bali) – Bitung (Nord-Sulawesi) bedient. Draußen schüttet es gerade aus Eimern, was für die Jahreszeit ungewöhnlich ist, denn wir sind in der Trockenzeit (man munkelt etwas von Klimawandel). Da ich die einzige „Weiße“ weit und breit bin, stehen etwa 15 Leute um mich herum, und einige sprechen mit mir. Woher, wohin, warum. (Woher: aus Bali. Wohin: nach Manado. Warum nicht mit dem Flugzeug: weil.) Ich erwähne, dass meine Freundin früher losgefahren und bereits auf dem Schiff ist, dass ich sie hier treffen möchte, und nun halten 15 Leute Ausschau nach Diana. Schließlich mit Erfolg.

Diana ist froh, einen Landgang machen zu können, denn während der 2-tägigen Überfahrt von Bali nach Makassar hatte sie sich praktisch nicht bewegen können, weil das für 1000 Personen ausgelegte Schiff zeitweise mit 2000 Leuten „leicht“ überfüllt war. Glücklicherweise jedoch hat sie sich gleich mit der Crew angefreundet und bewohnt nun die Kabine des 1. Ingenieurs, während mir bei meiner Ankunft das Schlafzimmer des Chefingenieurs zugeteilt wird. Der Chefingenieur heißt Paulus (er ist Christ und kommt aus Yogyakarta). Er sieht in seiner Latzhose wie ein dicker Teddybär aus. Paulus hat mir seine Schlafkabine überlassen im Austausch für tägliche Englisch-Konversation. Mit brennendem Interesse lauscht er meinen Erzählungen aus Deutschland und fragt mich über alles Mögliche aus, vom Wetter über das Sozialsystem bis zur Funktionsweise unserer Heizungen. Er hofft, dass er bald einmal für seine Firma nach Deutschland fahren kann und findet es etwas schade, dass ich nichts über Papenburg an der Ems berichten kann, dem Ort wo die Tilongkabila gebaut wurde.

Ich bin erkältet und verbringe den ersten Tag schlafend und schniefend im Bett. Am zweiten Tag traue ich mich raus. Alle schauen mich neugierig an. Das muss wohl daran liegen, dass sonst keine Touristen an Bord sind, oder auch daran, dass ich Chili-Pflaster auf die Schläfen geklebt habe (hilft angeblich gegen Erkältung). Die Tilongkabila läuft gerade (tuut tuut) in den Hafen von Bau Bau ein, und ich schaue zu, wie die Leute draußen eine Gangway an die haushohe Schiffswand heranschieben. Viele Träger in Blaumännern helfen dabei, richten aus, korrigieren. Dann öffnet sich der Bauch des Schiffs und die ersten Träger stürmen unter lautem Gejohle an Bord. Scheint, als sei ihnen ein Job sicher.

Aus den Lautsprechern schallt eine Durchsage über das Schiff: Sehr geehrte Fahrgäste, heute empfiehlt die Cafeteria Ayam Bakar KFC (Hühnchen nach KFC Art) oder Bakso (Suppe mit Fleischbällchen). Wir haben uns schon mit den Jungs von der Cafeteria angefreundet. Wenn wir kommen, geben sie uns einen Tee aus. Dede kommt aus Bandung (das „Paris von Java“) und hat innen braune, außen blaue Augen. Ali ist vom Volk der Bugis, ein Seefahrervolk aus Süd-Sulawesi und früher gefürchtete Piraten. Sogar der Ausdruck Bogieman kommt von der der legendären Grausamkeit dieses Volkes. Ali sieht aber ziemlich harmlos aus. Sam kommt aus Tanah Toraja, einer sehr ursprünglichen Gegend in Zentral-Sulawesi, wo die Leute Häuser wie Schiffe bauen und einem seltsamen Totenkult frönen (dazu später mehr). Meines Wissens nach hat Sam jedoch keine tote Oma zuhause sitzen.

Das Bordleben entwickelt seinen eigenen Rhythmus. Nachdem wir die Cafeteria auf Deck 7 besucht haben, laufen wir eine Runde über Deck 6, an der Moschee und dem Film-Theater vorbei (heute: Prince of Persia). Dann runter auf Deck 5 und rein in die Ekonomi Class im Innern des Schiffes (das wäre normalerweise unser Los gewesen, Matratzenlager mit 50 Mann ohne nennenswerte Belüftung). Vorbei am Gemischtwarenladen (Obst, Kleider, Spielsachen etc.) und dann wieder rauf auf Deck 6, auf einer Bank niederlassen und lesen oder das Meer und die Küste betrachten. Zwischendurch schlurfe ich in die Kabine und finde ein leckeres Essen vor, das der Zimmerservice für mich dagelassen hat. Abends sitze ich mit Paulus auf der Couch und schaue Fernsehen, entweder die Fußball WM oder seine Lieblingssendung Termehek-mehek, die vom Wiederfinden verlorener Familienmitglieder handelt.

Wenn wir draußen sind, dauert es meistens nicht lange, bis sich jemand dazugesellt. Mancher kann englisch, wie Ketut aus Bali, der in einem Hotel arbeitet und in Sulawesi seine Schwiegereltern besucht. Er diskutiert mit uns die Probleme mit seinem 16-jährigen Sohn, der oft die Schule schwänzt, aufmüpfig ist und ewig am Computer hockt. Er ist überrascht, als wir ihm versichern, dass Eltern in Deutschland in etwa die gleichen Probleme haben.
Die meisten Passagiere, die mit uns reden wollen, können jedoch kein Englisch, und so muss ich alles geben, um aus meinem bescheidenen Vokabular in Bahasa Indonesia Konversation zu machen. So erfahre ich interessante Dinge. Zum Beispiel, dass es Taschendiebe an Bord gibt, vor allem aber im Hafen von Bima (Sumbawa). Oder dass man in meinem Alter echt verloren hat, wenn man noch nicht verheiratet ist und Kinder hat. Ich muss erzählen, wo ich Bahasa Indonesia gelernt habe. Auf Bali. Oh – Bali. Da waren die meisten noch nicht, aber sie wissen, dass es dort Nachtleben und Drogen gibt, und außerdem Geisterbeschwörung und „Black Magic“. Das mag wohl sein. Aber wir haben dafür „White Magic“. Alle sind von uns verzaubert und wollen uns mit ihren Handykameras knipsen.

Paulus ruft mich. Er hat arrangiert, dass ich auf die Brücke kommen darf. Dort schüttelt mir Käptn Mohammad Djahuri die Hand, und ich kann zuschauen wie er und seine Crew das Schiff in den Hafen von Luwok steuern, der so klein ist, dass nur ein Schiff darin Platz hat. Der Käptn sagt „sepuluh kiri“ (10 links) und die Crew ruft „sepuluh kiri!“ und betätigen irgendwelche Instrumente. Für mich das reine Wunder, dass dieser Riesenhaufen Stahl schließlich langsam andockt, ohne irgendetwas zu zertrümmern.

Am Abend des dritten Tages schauen wir uns von der Cafeteria aus die Einfahrt in den Hafen von Gorontalo an. Es ist 22:00 Uhr und längst dunkel. Vom Festland hören wir viel Geschrei, können aber nicht erkennen, wieso. Komisches Volk hier. Außerdem fahren sie hier mit seltsamen Gefährten, die aussehen wie Becaks (Fahrradrikscha), aber mit einem Moped bestückt sind. Daher heißen sie Bentor, von Becak und Motor. Dede versichert, dass es diese Gefährte nur hier in Gorontalo gibt, sonst nirgendwo. Toll, dass man in einer Stadt, deren Namen ich bis gestern nicht kannte, ein eigenes Verkehrsmittel erfunden hat. Überhaupt ist es zwar verwirrend aber auch schön, dass der öffentliche Nahverkehr in Indonesien, der größtenteils aus Becaks und Bemos (Sammeltaxis) besteht, noch so un-globalisiert ist. An jedem Ort heißen die Gefährte anders und sie sehen auch immer etwas anders aus.

Am vierten Tag ist die Reise schon zu Ende. Schade! Wo wir uns grade dran gewöhnt hatten. Über eine wackelige Treppe wanken wir aufs Festland. Paulus winkt uns hinterher. Er und seine Leute müssen die Maschine überholen, und am nächsten Tag fahren sie wieder zurück nach Bali. Diana und ich winken zurück und machen uns auf nach Manado, wo die Bemos Microlet heißen.

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Mein Dickes B

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Nach fast sechseinhalb Jahren betrete ich ihren Boden und atme ihre Luft, diese wunderbare Mischung aus Räucherstäbchen und Mopedabgasen, Blumen und verbrennendem Plastikmüll. Ah – Bali.

Der nächste Eindruck: zerbrochene Kanaldeckel, Australier mit Surfboards oder Bierbäuchen und Bintang Bier T-Shirts, und ein bedrängendes Überangebot an Transport (Motorbike / Taxi), Sonnenbrillen, Massagen und kopierten DVDs. Ah – Kuta.

Hier hat sich nichts geändert. Das Verkehrschaos tobt, Müll wird überall auf die Straße entsorgt, und es bleibt ein Rätsel, was sie hier wollen, all die Touristen, darunter ich. Ich will zunächst nur etwas Internet-Anschluss und in Sams Werkstatt eine Ledertasche machen.

Sam ist ein Bekannter von Diana. Er kommt aus einem kleinen Dorf in Java. Vor 6 Jahren hatten wir sein Dorf sogar besucht. Jetzt ist er verheiratet und hat zwei Kinder, wohnt aber immer noch in dem gleichen 1-Zimmer-Apartment in Kuta. Etwa 25 qm für eine Familie. Um den flachen Bungalow-Bau herum läuft eine geflieste Terrasse. Davor ein Garten mit Bananen und Gemüse und getretenen Wegen, wo die Kinder auf Fahrrädern umherfahren und die Frauen ihre Babies im Kinderwagen schaukeln. Im betonierten Eingangsbereich der eingezäunten Wohnanlage wird abends ein Volleyballnetz aufgespannt, scheinbar auf Initiative einiger junger Frauen, denn Männer habe ich dort noch nicht spielen sehen. Die sitzen in ihren Garagen-Werkstätten, fertigen Leder-Handtaschen oder Schuhe oder malen Bilder und schauen sich dabei die WM im Fernsehen an.
In Sams Werkstatt den Nachmittag zu verbringen ist eine Freude, denn erstens kann ich etwas Neues dabei lernen, und zweitens bringt es mich weg von dem touristischen Overkill in Kuta. Am zweiten Tag kann ich von einem Nachbar ein Fahrrad ausleihen, und habe mich damit hochgearbeitet auf das Mobilitätslevel der Indonesier. Die sind zwar immer noch schneller mit ihren Motorbikes, aber zumindest bin ich schnell genug, um den Händlern zu entwischen und das Angebot „Transport!“ erübrigt sich ebenfalls von selbst. (Bloß rufen sie mir jetzt nach “Transport – how much!?” in Anspielung auf meinen gepolsterten Fahrrad-Gepäckträger).

Es wird Zeit, wieder Indonesisch zu praktizieren. Auf dem Weg zum Flughafen, am Strandweg entlang (der einzige nichtmotorisierte Weg Balis und damit sehr zu empfehlen für Fahrradfahrer) halte ich an und kaufe einen Bubur Kacang Hijau (in süßer Kokosmilch zu Brei gekochte grüne Mungbohnen) und setze mich zu den Anderen nieder, die im Schatten eines Baumes Opfergaben basteln. Schon werde ich gefragt. „Dari mana“ (woher), „Ke mana“ (wohin), „Berapa lamu di sini“ (wie lange hier) undsoweiter. Ich schlage mich gut. Erst als andere Touristen vorbeikommen, merke ich, dass ich es mit einem der gefürchteten Sonnenbrillenverkäufer und einigen Strand-Masseurinnen zu tun habe. Aber mir bieten sie ihre Produkte nicht an. Jetzt tut es mir leid, dass ich ihresgleichen normalerweise immer nur als Nervensägen betrachte. Und schon ein paar Worte Bahasa Indonesia gepaart mit dem touristisch unüblichen Konsum eines Bubur Kacang Hijau können alles ändern. Zum Abschied rufen sie mir nach „Selamat jalan“ (gute Fahrt) und „Hati-hati ya“ (schön vorsichtig). Juhu! Angekommen in Indonesien.

Und genaugenommen ist der Verkehr auch nicht so schlimm. Nachdem ich diesen Artikel auf Zeit Online gelesen habe, der davon handelt, alle Verkehrsregeln abzuschaffen und stattdessen Rücksicht walten zu lassen, da kann ich nur sagen: Indonesien ist schon soweit!

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Tschüs Klaus…

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Es war eine schöne Zeit mit Klaus. Schwer beladen mit Kokosnüssen und Sarongs ist er nach Hause geflogen.
Aber obwohl er nur kurze Zeit in Indonesien weilte, hat er auf Gili Terawangan seine Spuren hinterlassen:

klaus

Ticket to the Moon

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Nein, hier geht es nicht um den Konsum bewusstseinserweiternder Pilze, wie sie auf den „Gili“-Inseln vor Lombok gern so beworben werden. Bei unserem Ticket to the Moon handelt es sich um eine Fahrkarte zu einer Schiffsreise von Lombok nach Flores, Deck-Klasse.

Wir hatten uns aus Kostengründen für das Schlafen unter den Sternen statt in einer Kabine entschieden, und je näher der Tag der Abreise kam, desto mehr bezweifelte ich, ob dies eine gute Entscheidung war. Wusste ich doch, dass Klaus einen gewissen Komfort nicht verabscheute.

Leider oder auch zum Glück hatten wir die drei Tage vor der Abreise auf Gili Terawangan in einem zweifelhaften Guesthouse direkt am Pier verbracht, weil strömender Regen bei der Ankunft uns die erstbeste Herberge wählen ließ. Das Bettzeug roch nach nassem Hund, Klimaanlage gab es nicht. Das Deckengewölbe bewohnte eine riesige Spinne, die auf einem Eierpaket saß, das jeden Moment eine Hundertschaft Nachkommen entlassen konnte. Ich hatte auf einem Moskitonetz bestanden, allerdings waren die Maschen so dicht, dass der Ventilator kaum ein Lüftchen hineinblasen konnte. Nach dieser Erfahrung freuten wir uns auf unseren Deckplatz, weil dieser zumindest etwas mehr Luftzirkulation versprach.

Bevor wir die Schiffsreise beginnen konnten, mussten wir mit einem Bus zur Ostküste von Lombok gefahren werden. Unterwegs schenkte uns der Reiseveranstalter Perama ein T-Shirt mit der aufgedruckten Geographie unserer Reise, der kleinen Sunda-Inseln. Zur Orientierung: Lombok ist die Insel östlich von Bali. Danach kommt Sumbawa und dann Flores. Zwischen letzteren beiden liegen die kleineren Inseln Komodo und Rinca, Heimat der possierlichen Komodowarane, die zu besuchen eines der Highlights unserer Reise sein wird. Derart vollgestopft mit Hintergrundwissen betreten wir in Labuhan Lombok unser Schiff, ein „Pinisi“ nach sulawesischem Stil. Traditionell segeln diese vom Volk der Konjo auf Sulawesi entwickelten Schiffe über den Ozean, aber unseres ist natürlich mit Motor, GPS und Sitzklos ausgestattet.

Der erste Tag lässt sich so gut an, dass Sorgen über die bevorstehende Schlafstätte in weite Ferne rücken. Wir halten auf „Perama Island“, einer kleinen unbewohnten Insel vor Lombok, umgeben von weißem Sandstrand, wo unser umweltbewusster Reiseveranstalter sich für die Unterwasserwelt engagiert. Von hier aus werden verschiedene Aktivitäten in den umliegenden Fischerdörfern organisiert, die Fischer werden über umweltgerechtes Verhalten aufgeklärt und man versucht, sie mit Booten und Netzen auszustatten, um sie vom Dynamitfischen abzubringen. Wir lernen, dass 20% unseres Reisepreises in solche sozialen Projekte fließen und als ob wir uns dadurch nicht schon gut genug fühlen würden, dürfen wir auch noch eine Koralle pflanzen zur Wiederaufforstung der Riffe.

Danach ist Schnorcheln, Rumlümmeln und Beach-Volleyball angesagt, gefolgt von einem Fisch-Barbecue und Lagerfeuerromantik mit Gitarre. So lernen wir unsere Mitreisenden etwas näher kennen. Es ist eine bunte Mischung.

  • ein englisches Pärchen auf Asienreise (kommen gerade vom Trekking in Nepal). Voll ausgestattet mit Funktionskleidung (abzippbar, schnell trocknend und in Khaki-Tönen gehalten) und professionellen Wanderschuhen, Schnorchelausrüstung, Unterwasserkamera und riesigem Fernglas zur Vogelbeobachtung.
  • Ein Indonesier (genau einer), der in Jakarta lebt und etwas unter seinem chinesischen Aussehen leidet, weil er nicht nur auf Englisch angesprochen sondern zudem mit Touristenpreisen bedacht wird.
  • eine Hobby-Fotografin (Funktionskleidung s.o., dazu Weste mit vielen Taschen), die die meiste Zeit ein 2,5 kg schweres Teleobjektiv auf alles richtet, was sich bewegt (oder auch nicht).
  • Ein amerikanisches Pärchen, das sich in jedes Abenteuer stürzt, seit sie durch die Ausreise aus den USA zum ersten Mal ihren Horizont auf die Restwelt erweitert haben.
  • drei braungebrannte, blonde Schwedinnen mit flatterhaften Neo-Hippie-Gewändern und bunten Bikinis, vermutlich der Traum der schlaflosen Nächte von
  • James, einem hedonistischen Weltreisenden, Engländer und Immobilienmakler
  • … und noch etwa 15 mehr, darunter Klaus und ich

Als wir gegen 9 das Schiff aufsuchen, werden direkt Matten für die Nacht ausgelegt. Ungefähr 12 Mann müssen sich im Unterdeck sardinenartig in zwei Reihen auf dem Boden einrichten. Klaus und ich zögern nicht lange, nehmen unsere Matten und ziehen auf das Oberdeck, wo wir unter freiem Himmel und ohne nennenswerte Reling, die uns am Über-Bord-Gehen hindern könnte, im Rhythmus der Wellen träumen können. Nachts werden wir von etwas Spritzwasser getroffen, aber sonst verläuft die Nacht ohne Zwischenfälle, und wir verbessern unsere Technik, sodass auch das uns nicht mehr beeinträchtigen kann.

Mit dem ersten Licht des Tages wachen wir auf und frühstücken Kaffee und Erdnussbutterbrote, während die Sonne aufgeht. Unser nächstes Ziel ist die Insel Satonda, eine vulkanische Insel, die – abgesehen von einer großen Flughunde-Population – unbewohnt ist. Der Krater des Vulkans enthält einen dunklen salzigen See, in dem wir schwimmen können. Das Wasser ist sehr warm und von kleinen unscheinbaren Fischchen bewohnt, die es allerdings, wie die Vogelbeobachterin mich aufklärt, nirgendwo außer hier gibt.

Den Rest des Tages verbringen wir auf dem Schiff, denn wir müssen Kilometer machen. Komodo wartet.
Nach einer ruhigen Nacht erblicken meine Augen uraltes Grasland. Wie die Landschaft sich verändert hat! Vom dichten Grün auf Bali zum von Wald und Vulkan dominierten Lombok, und nun im ersten Licht des Tages die Savanne von Komodo. Wir sind alle etwas aufgeregt. Erdnussbutterbrote werden geschmiert, Wanderschuhe geschnürt und Kameras eingepackt. Unser Guide Nardin erklärt nochmal, dass mit Komodo-Waranen nicht zu spaßen ist. Sie können schon mal einen Menschen verschlingen, wenn er ihnen nicht sympathisch ist. Und was ist zu tun, wenn mich ein Waran verfolgt? Wegrennen? Der Waran ist schneller. Ins Meer springen? Der Waran kann schwimmen. Auf einen Baum klettern? Der Waran kann auf Bäume klettern. Die Lösung: Zickzack laufen, Haken schlagen. Da kommt der 100 kg schwere Waran nicht mit. Und natürlich die Waffe des Rangers: ein Stock mit zwei Enden. Um dem Waran in die empfindlichen Stellen zu pieksen. Nach diesen beruhigenden Nachrichten fühle ich mich am sichersten, wenn ich hinter der Hobby-Fotografin bleibe. Sie kann mit ihrem Gepäck nicht so schnell rennen und an ihr ist im Zweifel auch mehr dran.

Nach den ersten zaghaften Schritten über Komodo-Boden werden wir lockerer und vergessen über der Betrachtung schreiender Kakadus und Nestern der Großfußhühner (Megapodius reinwardt) fast die Warane. Als wir an einem besonders schönen Aussichtspunkt die Bucht unter uns knipsen, ruft plötzlich jemand, „Da ist einer!“ Tatsächlich. Was von weitem aussieht wie ein trockenes Stück Holz, entpuppt sich als etwa 2 m langer Waran, der bewegungslos im Gras liegt und uns unverwandt anstarrt. Nun klicken natürlich die Kameras. Jedoch soll diese Begegnung die einzige bleiben – bis zur Rangerstation. Dort lungert beständig Echsenvolk herum und wartet auf Fischköpfe, Hühnerknochen und dergleichen, denn auch für sowas ist sich ein Waran nicht zu schade, wenn gerade kein Reh oder Büffel zu haben ist. Früher wurden die Warane gefüttert. Zweimal pro Woche brachte man ihnen eine Ziege. Dann wurden die Touristen in einen Käfig gesperrt und konnten aus sicherem Abstand beobachten, wie die Warane sich um die Ziege stritten und jeder an einem Ende zog, bis sie gerecht geteilt war. Vor 12 Jahren wurde diese Praxis gestoppt, denn man bemerkte, dass die Warane das Jagen aufgegeben hatten und nur noch an der Futterstelle faul herum lagen und darauf warteten, dass ihnen die gebratenen (nein, rohen) Ziegen ins Maul flogen.

Mit Erinnerungen und Komodowaran-T-Shirts beladen gehen wir zurück zum Schiff, das uns zur anderen Seite von Komodo bringt, einem Strand, der wegen seiner rötlichen Färbung „pantai merah“ genannt wird und zu den weltbesten Schnorchelplätzen gehört. Schnorcheln gehört eigentlich zu unserem Pflichtprogramm bei jeder Gelegenheit. Es gibt unglaublich viel zu sehen. Bunte Korallen, Schwämme, Tausende von Fischen, an anderen Stellen Schildkröten und Mantarochen. Das Meer ist meistens so klar, dass man den eigenen Schatten noch am 15m tiefen Meeresboden deutlich sieht.

Gegen Nachmittag legen wir in Labuan Bajo an, einem ziemlich unattraktiven Hafenstädtchen im Westen der Insel Flores. Die Straßen sind nach einem heftigen Gewitterschauer nass und der unbefestigte Straßenrand hat sich in Matsch verwandelt. Auch hier wie in ganz Indonesien sind Gehwege nicht vorgesehen, weil sowieso niemand zu Fuß geht. Wir sehen kaum Hotels oder Restaurants, was ich eigentlich von meiner Floresreise vor 6 Jahren anders in Erinnerung hatte. Gab es nicht all die Restaurants am Hang über der Hauptstraße, wo man Hot Plate bestellen und den Sonnenuntergang über der Bucht betrachten konnte? Jetzt finden wir nur ein Restaurant dieser Art, es ist ziemlich westlich-schick eingerichtet und als wir ankommen, finden wir drei Tische von unseren Mitreisenden besetzt, die die Gelegenheit nutzen, aus der Essens-Routine auszubrechen. An Bord bekommen wir nämlich mittags wie abends Reis, Nudeln, Gemüse, Soja in Form von Tofu oder Tempeh, knochige Hähnchenstücke und Wassermelone. Nicole aus Kanada isst einen Pfannkuchen, James der Immobilienmakler streitet mit der Bedienung, weil seine Spaghetti so lange dauern. Wir entscheiden uns für Pizza.

Auf dem Rückweg nach Lombok haben wir Glück. Delfine kommen in Sicht. Die Amerikanerin hatte gerade noch erzählt, dass die Delfine in Hawaii viel zutraulicher seien, was wahrscheinlich daran läge, dass sie dort nur auf freundliche Menschen träfen, während sie in Asien in manchen Gegenden gejagt würden. Als ob sie es gehört hätten, entscheiden sich zwei Delfine, ihr einen Strich durch die Theorie zu machen und kommen zu unserem Schiff. Sie schwimmen direkt vor den Bug und lassen sich ein paar Minuten lang von der Bugwelle den Rücken massieren, tauchen ab und zu auf, kreuzen sich gegenseitig. Das ganze Schiff ist natürlich in Aufruhr, aber Klaus und ich hocken glücklicherweise an der vordersten Spitze des Schiffs und können das Schauspiel betrachten.

In dieser Nacht beleuchtet der Vollmond das Meer. Gegen Morgen betrachten wir den Monduntergang, und kurz darauf den Sonnenaufgang. Jetzt könnte ich glatt noch ein paar Tage bleiben, auf dem Schiff.

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