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Singapur macht keine halben Sachen

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Nach dem Motto „Erwarte nichts und lasse dich dann positiv überraschen“ kam ich ohne Erwartungen am Changi Airport Singapur an. Eigentlich nicht GANZ ohne Erwartungen. Von anderen Reisenden hatte ich erfahren, dass Singapur eine vollklimatisierte langweilige Blase im abenteuerlichen Restasien ist. Von Singapurern habe ich erfahren, dass es nichts zu sehen gibt („Ihr wollt nach Singapur kommen? Warum? Bestimmt zum shoppen?“). Aus der Presse habe ich erfahren, dass es in Singapur die Prügelstrafe gibt und man kein Kaugummi kauen darf.
Natürlich fiel als erstes die Sauberkeit auf. Wir standen auf dem Bahnsteig und schauten uns um – nicht nur um den richtigen Zug in die Stadt zu finden, sondern auch um zu verifizieren, dass tatsächlich keine hässlichen Kaugummi-Flecken den blitzblank gewienerten Granitboden verunzieren. Eine chinesische Familie, bestehend aus Mutter, Baby und Opa sprach uns an, erklärte uns den Weg in die Stadt, schenkte uns noch einen Metroplan und schob uns in den nächsten Zug. Wir lobten Singapur, die Organisation, die Sauberkeit usw. Die junge Mutter antwortete, jaja, alles schön und gut, aber manchmal auch ein bisschen zu viel. Deswegen hieße es ja auch „Singapore is a fine city“. Im doppelten Sinn des Wortes. Da wir weder im Zug aßen (500 $), noch rauchten (1000 $), noch Drogen mitführten (Todesstrafe), noch schwarz fuhren oder Durian-Früchte hatten, entspannten wir uns ein wenig. Ich dachte nur etwas bang an die Kaugummis, die in meinem Rucksack schlummerten und hoffte, dass zumindest deren Import nicht verboten war. Wir kamen in einem netten Hostel mit blitzblank weiß gefliesten Böden, Zugangscodes zu jedem Gang und Plastikfrühstück am Rande von Little India unter.

Little India
Little India ist logischerweise von Indern bevölkert, man findet dort Hindu-Tempel, Läden wo man sich mit Saris oder Punjabi Suits, Goldschmuck oder den letzten Bollywood-DVDs eindecken kann, Restaurants aller indischen Küchen. Es fühlt sich also an wie Indien – nur ohne Kühe, Ziegen und Hühner, ohne Sadhus und Bettler und Menschen die auf der Straße leben, ohne gammligen Müll, ohne Mopeds und Rikschas und in Kamikazemanier fahrender und schwarze Rauchwolken ausstoßender LKWs. In Singapur halten sich alle an die Regeln. Das kann einem fast Angst machen. Keiner schmeißt Müll weg. Keiner hupt. Keiner fährt bei Rot durch. Ganz gemütlich läuft man durch die Straßen, schaut sich das Leben an, geschäftig aber nicht chaotisch, exotisch aber nicht belästigend, hält bei der Gemüseauslage eines Ladens, kauft ein paar Mangos, Singapur ist wunderbar!

Chinatown
Hier fragt man sich zunächst: „Warum hat eine von Chinesen dominierte Stadt eine Chinatown?“. Anwort: Natürlich zum Geld verdienen. Die Chinatown ist ein Viertel voll hübscher kleiner Häuser, hauptsächlich mit (China-)Restaurants und Läden gefüllt. Ich weiß nicht, wie viele Chinesen in Chinatown leben, aber anders als Little India „von Indern – für Inder“ scheint Chinatown eher „von Chinesen – für alle die Geld haben und es ausgeben wollen“ zu sein. Wir nähern uns Chinatown von der Marina aus. Es ist fünf Uhr und aus den umliegenden Bürotürmen stürmen Banker und Berater heraus. Sie tragen heute keine Anzüge, sondern Laufschuhe, kurze Hosen und T-Shirts, auf denen Cisco, Deloitte oder ähnliches aufgedruckt ist, weil JPMorgan zum Citylauf aufgerufen hat. Nachdem wir uns zwischen den Bankern und deren Glas- und Stahlpalästen und einer weiteren Palastbaustelle durchgewühlt haben, bietet sich die erste Möglichkeit, in eine kleine Seitenstraße einzubiegen, die Telok Ayer Street. Kleine bunte Reihenhäuser, darin kleine Öko-Läden, Massagestudios oder Antiquitätengeschäfte, eine andere Welt, alternative Szene, Nauwieserviertel, die Bürotürme schauen ihnen skeptisch über die Schulter. In diesen ruhigen Straßen umherzuschlendern, die später Richtung MRT (Metro)-Station geschäftiger werden, in einen taoistischen Tempel hineinzuschnuppern, und später die Chinesen-Mall zu finden, mit einem wahnsinnigen Angebot an nachgemachten Designersachen und authentischem Essen (z.B. Entenzungen und Schweineschwänze), Singapur ist vielfältig!

Straßenküche
Es ist nicht jedermanns Sache, an einem Straßenstand zu essen. Während ich selbst bisher kein Problem damit hatte, ist mein momentaner Begleiter, der nicht namentlich genannt werden will (nennen wir ihn Klaus), selbstbekennender Hygienefreak und immer etwas pingelig, weniger geneigt, das erstbeste Saté von einem umherfahrenden Fleischspießgriller zu nehmen. Aber Singapur wäre nicht Singapur, wenn sie nicht auch das geregelt hätten. Alle mobilen oder festeingerichteten Küchen in den Foodcourts und Märkten der Stadt sind mit einer Sauberkeits-Plakette ausgestattet, die die Bezeichnung A, B, C oder D trägt. Dabei steht A für supersauber, B für ziemlich sauber, C für einigermaßen sauber und D für nicht ganz so sauber aber immer noch besser als der Standard in Indonesien. Da haute sogar Klaus rein und bestellte sich zum Baozi mit Algensalat noch eine Kokosnuss. Singapur ist sauber!

Zoo
Der Zoo von Singapur ist eines der Highlights in der ohnehin von Highlights geplagten Stadt. Schon die Website ist einen Besuch wert. Und dann die Landschaft, Singapur ist tropisches Regenwaldgebiet, und überall wo gerade nichts zubetoniert ist, wachsen riesige Pflanzen von üppigem Grün.

Wenn man zum Zoo will, muss man die MRT zur Haltestelle Ang Mo Kio nehmen und von dort einen Bus. Daher fragt der freundliche Fahrkartenverkäufer, nachdem man die MRT-Station nennt, ob man denn zum Zoo möchte und erklärt dann den Weg, während er einen Zettel überreicht, auf dem die Beschreibung nochmals abgedruckt ist. So ist nämlich Singapur. Kein Herumfragen, worauf man von 3 Leuten in 4 verschiedene Richtungen geschickt wird. Sondern proaktiv. Straightforward. Und kommt man an der MRT-Station an, sagen sie einem auch noch, dass man den Bus gar nicht braucht, sondern mit dem kostenlosen Shuttle fahren kann, wenn man gleich ein Eintrittsticket inkl. Tramfahrt kauft, und das Ticket ist nicht gefälscht, alles ganz transparent. Sie haben uns eine Tramfahrt angedreht, und wir freuen uns sogar.

Zunächst brauchten wir keine Tramfahrt, denn der Zoo ist so aufgebaut, dass vom Hauptweg links oder rechts ein kleiner Weg abgeht, der zu einem bestimmten Thema führt – wie Australian Outback, Afrikanische Savanne, Regenwald oder Primatenzone. Durch ein schlaues Konzept von natürlichen Barrieren wie Wassergräben, Mauern und mit Draht präparierten Bäumen wird der Blick durch unschöne Gitterstäbe vermieden. Manche Tierchen bewegen sich auch mehr oder weniger frei durch den Zoo oder man kann ihnen im Themengehege begegnen. So z.B. das Regenwald-Gehege (einer meiner Favoriten), ein auf Baumhöhe abgezäunter Bereich, in dem sich Flughunde, Papageien, Schmetterlinge, Kattas und ein Faultier tummeln. Ein Highlight waren auch die Orang Utans, die sich durch die Baumkronen schwangen und die sehr seltenen Nasenaffen, die übrigens nur auf Borneo vorkommen und von den Malaien Orang Belanda („Niederländer“) genannt werden. Als sich dann wolkenbruchartig der Himmel öffnete und uns daran erinnerte, dass wir uns im REGENwald befinden, lösten wir glücklich unsere Tramfahrt ein. Singapur ist grün!

Shopping
Die zweite Nationalobsession der Singapurer gleich nach Essen ist Shopping. In Singapur wird nicht gefragt, ob jemand ein iPhone hat oder nicht, sondern ob er eine grüne oder pinke HelloKitty-Hülle dafür hat. Um auch dieses Stück Singapur-Kultur einmal mitzuerleben, machten wir uns auf zur Orchard Rd. An dieser Straße reiht sich ein siebenstöckiges Shopping-Center an das nächste, wobei vermutlich jede Etage eines jeden Shoppingcenters den Geschäftsumfang der Saarbrücker Bahnhofstraße besitzt. Leider ist aber auch das Warenangebot fast so begrenzt wie das der Bahnhofstraße. Singapur ist verliebt in Europa. Es finden sich sämtliche französische, italienische und spanische Designer (und nur die). Von Mango und Zara über Roberto Cavalli und D&G bis Chanel und Prada. Wenn mir schon von außen die Louis Vuitton-Taschen entgegen grinsen, will ich gar nicht erst rein. Also beschränkten wir uns darauf, die Architektur und multifarbig-LED-beleuchteten Fassaden zu bestaunen. Ein Glück – so haben wir wenigstens Geld gespart!

Manchmal fragte ich mich aber schon, wer das ganze Zeug eigentlich kaufen soll? Die Antwort fand sich in einer Zeitung, die ich am nächsten Morgen im Hostel las. Darin stand: Singapur liebt chinesische Touristen, denn sie kommen, um Geld auszugeben (1,4 Mill. S$ in 2009). So ist die Geschichte einer Reisegruppe aus Wenzhou überliefert, die die Regale eines Louis Vuitton Shops leerräumten, als sie an einem einzigen Nachmittag Produkte im Wert von 300.000 S$ kauften. So geht Shopping chinese style. Singapur macht keine halben Sachen!

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Noch ein Wort zu Malaysia

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Nachdem Malaysia KEIN Land war, das auf meiner Reiseliste stand, ich dort aber umständehalber drei Wochen verbracht habe, versuche ich mir einen Reim auf dieses Land zu machen.
Bei der Ankunft in Malaysia fallen zwei Dinge auf:
1. Malaysia ist ein muslimisches Land (schon am Flughafen empfiehlt sich die „Bank Islam“ zum Geldwechseln, Frauen laufen verschleiert herum, Moscheen an jeder Straßenecke usw.) und
2. Malaysia ist ein modernes Land.
Letzteres könnte man vielleicht auch von Thailand sagen, aber Malaysia ist irgendwie – seriöser. Malaysia hat Autobahnen wie in Deutschland. Voll Mittelklasse-Autos. Keine Hundertschaften von Mopeds, keine Fahrradrikschas, keine Schlaglöcher. Malaysia will bis 2020 ein „entwickeltes“ Land sein (Vision 2020). Malaysia hat Rassenkonflikte (wer nicht), gibt aber allen Rassen Platz, mit dem Slogan 1Malaysia. Und Malaysia ist auch ein Urlaubsland. Allerdings hauptsächlich für Malaien und Araber.

Ein Beispiel: Pulau Redang ist eine Insel an der Ostküste der malaiischen Halbinsel, gesegnet mit weißen Stränden, tropischem Regenwald und traumhaften Korallenriffen. Angeblich steht das Eiland auf der Liste der 10 schönsten Inseln der Welt (nach welchen Kriterien entscheidet man sowas?!?). Vielleicht stellt man sich nun vor, hier in einer Hängematte zwischen zwei Kokospalmen die Tage zu vertrödeln, unterbrochen von Fisch-Barbecue und einem Schwimmchen im türkisblauen Meer. Weit gefehlt. Pulau Redang ist eine Insel für Pauschaltouristen. Und zwar ausschließlich. Eine Pauschalreise nach Pulau Redang, die bereits ab 80 EUR in der nächstgelegenen Stadt auf dem Festland, Kuala Terengganu, gebucht werden kann, beinhaltet die Überfahrt auf die Insel, zwei Übernachtungen, zwei Schnorchel-Ausflüge und Vollpension. Ohne Pauschalreiseticket ist es schlicht und einfach NICHT möglich, auf die Insel zu gelangen. Auch Verlängerungstage sind eher nicht erwünscht (und daher überteuert). Wahrscheinlich ist keinem Malaien je eingefallen, länger als die standard 3Tage-2Nächte auf dieser Insel zu bleiben. Zeit ist Geld und Urlaub ist kostbar. Und übrigens, für die Zukunft plant man die Begrenzung des Touristenstroms auf 160.000 pro Jahr, um durch die erzeugte Exklusivität mehr Geld zu scheffeln… äh nein, um die Riffe zu schützen, natürlich!

Kuala Lumpur (zu deutsch “schlammige Flussmündung”), die Hauptstadt von Malaysia, hat mir auf Anhieb gefallen. Eine facettenreiche Stadt, in der man sich leicht einfügt. Die meisten sprechen gutes Englisch, allein schon weil die 52% Chinesen, 39% Malaien und 6% Inder meist Englisch als kleinsten gemeinsamen Nenner haben. Die Stadt hat ein funktionierendes Verkehrssystem mit Metro, Monorail (a.k.a. Skytrain), Zug und Bus (auch das ist nicht selbstverständlich, siehe Phnom Penh, siehe Saigon). Die vielen Einwanderer haben ihre Landesküche mitgebracht, so kann man zwischen wunderbaren Gerichten wählen, z.B. südindische Dosas, chinesische Claypots und malaiisches Fischkopfcurry. Kein Moloch wie Bangkok, ist Kuala Lumpur (noch) überschaubar und ziemlich grün. Auf jeder nicht zubetonierten Fläche wachsen riesige Bäume, Palmen, Grünpflanzen, das tropische Gewächshaus-Klima lässt das Leben nur so explodieren. Der Vogelpark von Kuala Lumpur (angeblich der größte Freiflug-Vogelpark der Welt) und überhaupt alle Grünflächen sind wunderschön. Kuala Lumpur – eine Stadt in der man leben könnte.

Malaysia erstreckt sich über die Halbinsel südlich von Thailand und den Westteil der Insel Borneo. Borneo – was für ein Name. Endlose Regenwälder, Orang Utans, Stämme ehemaliger Menschenfresser und Kopfjäger, die vielleicht noch immer im Urwald leben? Auch hier sieht die Wahrheit anders aus. In etwa die Hälfte der Landfläche (zumindest des malaiischen Teils) ist für Ölpalmenplantagen kultiviert worden, eine der Haupteinnahmequellen des Landes. Orang Utans kann man im Orang Utan Rehabilitation Centre besichtigen, das im Übrigen ganz easy mit einem AirAsia Billigflug Kuala Lumpur – Sandakan zu erreichen ist, und die Kopfjäger (nunja, das ist nun Spekulation) jagen wahrscheinlich Touristen mit ihren Souvenirs hinterher.
Ich war noch nicht auf Borneo, habe diese Infos aber aus erster Hand, dem AirAsia Travel3Sixty Magazin entnommen. Und, will ich immer noch nach Borneo? Ich könnte mir jetzt einreden, dass es im indonesischen Teil Borneos anders zugeht, die Anreise zwei Tage dauert mit abgewrackten Minibussen und kaum Touristen und wilde Natur usw. Aber bleiben wir auf dem Teppich. Wilde Natur gibt es höchstens noch dort, wo sie wirklich schwer erreichbar ist oder wo es so ungemütlich ist, dass weder Touristen noch Einheimische dahin wollen und wo auch keine Landwirtschaft in irgendeiner Form möglich ist.

Das Schöne am Reisen ist ja, dass man sich von allen möglichen Illusionen befreit. Vielleicht deshalb will ich immer noch nach Borneo.

Ein paar Eindrücke aus Kuala Lumpur:

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Die Zwischenstop-Insel

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Nach dem Meditationskurs und vor der Ankunft von Moh sind wir nach Pulau Perhentian, ein paar Tage zu entspannen. (Pulau Perhentian heißt soviel wie Stopover Island).

Hier ein paar Fotos von der Insel…

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